Leidenschaft kennt kein Alter

Heinz Blum ist seit über 70 Jahren mit seiner Gitarre musikalisch unterwegs.
Höchst „Nicht lockerlassen. Wer rastet, der rostet.“ Das ist für Heinz Blum, 88 Jahre alt, keine Redensart, sondern ein Lebensmotto. Sein Rezept, um körperlich und geistig fit zu bleiben, ist einfach wie wirkungsvoll: in Bewegung bleiben, neugierig sein und nie aufhören zu lernen. Als Kunstturner war Heinz bis zum 21. Lebensjahr aktiv. Danach forderten ihn ein Beruf mit vielen Überstunden und der Bau des eigenen Hauses. Später fand er im Faustball eine neue Aufgabe, engagierte sich auch als Jugendtrainer. „Das alles wäre nicht möglich gewesen, wenn meine Frau Gerda mir nicht den Rücken freigehalten hätte“, ist er seiner „besseren Hälfte“ dankbar. Seit 62 Jahren sind sie verheiratet.
Auch mit 88 Jahren versucht er, am Ball zu bleiben, interessiert sich für Neues. Nach wie vor ist er einer Leidenschaft verfallen, die ihn sein ganzes Leben lang begleitet – dem Musizieren. Seit Jahrzehnten spielt er Gitarre und singt. Heute greift der Höchster ebenfalls regelmäßig zu seinem Instrument, lässt Melodien erklingen und singt mit einer Freude, die ansteckt. Als „SonnyBoys“ erfreuen er und sein Bruder Arno (82) bei unterschiedlichsten Veranstaltungen sowie ehrenamtlich in Altenheimen mit ihrer Unterhaltungsmusik. Damit nicht genug: Heinz gehört seit vielen Jahren dem Männerchor Höchst an und ist auch bei den Rheindelta-Shanties mit Stimme und Instrument aktiv. „Musik ist Hirntraining“, sagt er und lacht.

Die Faszination für die Tonkunst ist ihm wohl in die Wiege gelegt worden. Der Vater, der ein Dachdeckergeschäft führte, stammte aus einer Familie, in der jeder ein Instrument beherrschte. Als Bub lief Heinz oft bei der Bürgermusik mit. Was ihn begeisterte, war das Miteinander: Viele Menschen, die gemeinsam etwas entstehen lassen. Dass bei manchen Musikanten das gesellige Beisammensein wichtiger schien als die Musik selbst, konnte er hingegen nie nachvollziehen.
Gut erinnert sich der Höchster an das erste Dorffest in der Nachkriegszeit. „Zwei Tage lang wurde gefeiert.“ Dort trat sein Cousin mit einer Band auf. „Er war sehr musikalisch. Für mich ein Vorbild, dem ich nacheifern wollte“, erzählt er.

Mit 16 Jahren nahm Heinz die Sache selbst in die Hand: Ein Lehrbuch, viel Ausdauer und das erste, vom Vater gesponserte, Saiteninstrument reichten aus, um sich das Gitarrenspiel als Autodidakt anzueignen. Aus den ersten Versuchen wurden gemeinsame Abende mit einem Nachbarn, der Akkordeon spielte. Mit 18 Jahren kaufte sich Heinz seine erste Gitarre – und die begleitet ihn bis heute.

Die Welt der Klänge verband Heinz auch mit seinen Brüdern – wobei er da wohl die treibende Kraft war. Über ein halbes Jahrhundert lang begeisterten Manfred, Heinz und Arno gemeinsam bei Festen ihre Zuhörer – etwa als Trio Blum oder Dachdeckertrio.
Die ersten öffentlichen Auftritte der Blum-Brüder ergaben sich Anfang der 1960er Jahre bei der Weihnachtsfeier einer Lustenauer Firma. „Später haben wir bei vielen großen und kleinen Festen und vor bis zu 3000 Leuten gespielt – in Vorarlberg und in der Schweiz,“, erzählt Heinz. In dieser Zeit wurde das Trio mit einem vierten Musiker ergänzt und war als Quartett „4 Amigos“ bekannt.
Auch im Brotjob war Heinz ein Künstler, ein Schwarzkünstler: Als Buch- und später als Offsetdrucker machte er Karriere, erhielt Prokura und bildete zahlreiche Lehrlinge aus. Das Handwerk verlangte Präzision, Geduld und ein feines Gespür für Gestaltung und Technik. Eigenschaften, die auch in der Musik unerlässlich sind und über die Heinz augenscheinlich verfügt. JH
ZUR PERSON
HEINZ BLUM
GEBOREN 31. März 1938 in Höchst
WOHNORT Höchst
FAMILIENSTAND verheiratet, vier Kinder, sieben Enkelkinder
BERUF Buch- und Offsetdrucker, Pensionist, Musiker
HOBBYS Musik, Wandern, Sport