“Es ist übel, dass er zusperrt” – Wie es mit dem Adeg-Markt in Hörbranz jetzt weitergeht

Was Kunden, Mitarbeiter und der Betreiber zur Schließung sagen. Und welche Pläne es für die Zukunft gibt.
Hörbranz “Das Einkaufen ist für mich hier wie ein Nachhausekommen”, sagt Ulrike Bohnhoff. Sie ist eine der vielen Kunden, die den Adeg-Markt Zubcic in Hörbranz vermissen werden. “Bis Ende nächster Woche hat das Geschäft noch geöffnet. Aber mit dem Bistro und Catering wird es weitergehen”, erklärt Betreiber Dragan Zubcic (57), der sich aktuell in einem Insolvenzverfahren befindet.

Das steckt dahinter
Als einen der Hauptgründe für die Insolvenz nennt Zubcic die zunehmende Konkurrenz. In unmittelbarer Nähe des Adeg-Markts befindet sich seit jeher ein Spar. 2019 eröffnete zudem ein Hofer in Hörbranz, 2022 ein Kaufland im angrenzenden Lindau und ein Jahr später ein Lidl, ebenfalls in Lindau. “Bei dem Adeg-Markt bekommt man eine gute Qualität, aber wir sind teurer als andere”, schildert der Hörbranzer.
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.
Er betreibt das Geschäft seit über 20 Jahren. Bereits 2015 geriet der Betrieb in Insolvenz. Damals konnte der gelernte Kaufmann das Ruder noch einmal herumreißen. “Da das Bistro und das Catering sehr gut funktionierten, machte ich 2020 noch einen Umbau. Aber Corona brachte dann eine schwierige Zeit mit sich.”

Dass die Pandemie eine Veränderung mit sich brachte, bemerkte auch Kassiererin Liliane Heidegger. “Danach war eine starke Preissteigerung zu spüren, und viele Kunden fahren seitdem nach Deutschland einkaufen”, sagt die 60-Jährige, die in Hörbranz wohnt.

Schon vor über 20 Jahren hatte sie in der Bürobedarfsfirma Sautter in Bregenz eine Insolvenz miterlebt. Die Schließung des Adeg-Markts ist somit emotional schwierig für sie: “Ich hätte gerne noch bis zu meiner Pension im nächsten Jahr hier gearbeitet.” Sie schätzte vor allem die Nähe zum Arbeitsplatz und ihre Kollegen: “Ich bin immer gern hierhergekommen.”

Insgesamt hatte Zubcic 16 Mitarbeiter, wobei einige kurz vor der Pension stehen. Acht wurden bereits entlassen, weitere folgen in dieser und der kommenden Woche. Vier Personen werden ihre Arbeitsplätze behalten und weiterhin im Bistro beziehungsweise Catering tätig sein.

Familiäres Klima
Das Personal wurde von vielen Kunden sehr geschätzt. “Ich werde immer sehr nett beraten, und die Verkäuferinnen kennen auch meinen Namen”, schildert Ulrike Bohnhoff (81), die zum Einkaufen immer vom deutschen Sigmarszell zum Adeg-Markt in Hörbranz kommt. Als ihr Mann und ihre Tochter verstarben, wurde sie vom Personal in den Arm genommen. Neben dieser persönlichen Beziehung war sie auch immer von der Qualität begeistert: “Es ist schon etwas teurer als in anderen Geschäften, aber die Ware ist gut ausgewählt und hochwertig.”

Auch für die Hörbranzerin Christine Huber (59) ist der Adeg-Markt seit der Eröffnung das Stammgeschäft: “Es gibt immer tolle Mitarbeiter zum Plaudern, und im Gegensatz zu anderen Supermärkten ist die Atmosphäre viel ruhiger und fast schon familiär. Es ist übel, dass er zusperrt.”

So geht’s weiter
Der Mietvertrag für den Standort soll mit Jahresende enden. Laut Zubcic habe die Rewe International AG Interesse daran, einen neuen Kaufmann dafür zu finden.


Die Ware des Geschäfts wird aber jetzt schon abverkauft, voraussichtlich bis 31. Juli. Nur das Bistro mit Jausen- und Mittagsangeboten soll noch bis Dezember weitergeführt werden. Dazu zählen außerdem die Fertigmenüs, die selbstgemachten Soßen, der Automat vor dem Geschäft und das Catering. Diesen Geschäftszweig will Zubcic später an einem anderen Standort fortsetzen. Damit möchte er die Verbindlichkeiten aus dem noch nicht rechtskräftigen Sanierungsverfahren begleichen und in den nächsten Jahren für seine Familie mit zehnjähriger Tochter sorgen.



Aktuelle Öffnungszeiten:
- Montag bis Freitag von 8.00 bis 13.30 Uhr
- Samstag und Sonntag geschlossen
