“Für uns ist wichtig, in Ruhe arbeiten zu können”

SW Bregenz startet internationaler in die Saison. Abseits des Platzes gibt es Fortschritte.
Wien Die Liga ist dieselbe, sonst ist kaum ein Stein auf dem anderen geblieben. “Durch den Investor hat sich viel getan, es ist ein Umbruch. Es ist auf jeden Fall interessant”, sagt Murad Gerdi. Der 40-Jährige ist nach seinem Abschied im Jänner als Co-Trainer zurück bei Zweitligist SW Bregenz. Bei der Auftaktpressekonferenz der Liga in Wien vertritt er den neuen Cheftrainer Martin Brenner, der sich die Reise aufgrund seiner Knieoperation gespart hat. “Für uns als Trainerteam und als Verein ist es wichtig, die negativen Erlebnisse der Vergangenheit ad acta zu legen und ein neues Kapitel aufzuschlagen. Es gilt, eine Mannschaft zu formen, mit der wir gute Ergebnisse erzielen. Das ist unser Ziel”, sagt Gerdi.

Die negativen Erlebnisse sind rasch aufgezählt: der sportlich letzte Platz der Vorsaison, zwei Trainerentlassungen, die finanziellen Probleme der vergangenen Monate. Durch den Einstieg des japanischen Investors Takashi Okuri und die Kooperation mit dessen J2-League-Klub Tochigi City FC scheint das alles – zumindest für den Moment – beiseitegewischt. “Vieles ist positiv und geht in die richtige Richtung”, sagt Gerdi. Die von Okuri angekündigte Professionalisierung scheint ihren Weg zu gehen.
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Im Stadion gibt es nun einen Kraftraum mit den wichtigsten Trainingsgeräten, die Spieler bekommen nach den Trainings Essen. Es gibt mit Eishiro Hashiya einen japanischen Videoanalysten (der zuvor bei Tochigi City gearbeitet hat) und mit dem US-Amerikaner Joshua Schirmer einen Athletiktrainer, der in Japan gelebt hat, die Sprache spricht und für das Trainerteam übersetzt. Das alles “klappt von Tag zu Tag besser, da sind wir auch sehr froh”, sagt Gerdi.
Und das ist auch notwendig – denn die Internationalisierung von SW Bregenz ist nicht zu übersehen. Setzte man in der Vorsaison noch bewusst darauf, Österreicher und speziell Vorarlberger zu fördern, wird fortan mehrsprachig trainiert und gespielt. Drei Spieler sind bislang von Okuris Klub aus der J2 League gekommen, darunter Tormann Peter Kwame Aizawa, Stürmer Keita Saito und Mittelfeldspieler Genta Omotehara. Zudem der japanische Außenverteidiger Yusei Shima von Hammarby IF, Offensivspieler Thalissinho aus der brasilianischen Série B, Angreifer La’Sean Sealey (England/Guyana) von Norwichs U21 und der kanadisch-jamaikanische Innenverteidiger und TikTok-Star Dredon Kelly. 16 Neue fasst der Kader, 21 sind gegangen oder mussten gehen.
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“Druck hast du immer”
Dass Investor Okuri auch Ergebnisse sehen will, scheint klar. “Druck im Fußball hast du immer, du musst Resultate liefern”, sagt Gerdi. “Aber wir kommen nicht her und sagen: Wir wollen Meister werden. Für uns ist wichtig, dass wir uns stabilisieren und in Ruhe arbeiten können.” In welche Richtung die Bemühungen führen, müsse man dann schauen, “aber den Grundstein haben wir gelegt, und das ist ganz wichtig.”

Einen Tabellenplatz als Ziel will sich Gerdi nicht entlocken lassen: “Wir werden auf jeden Fall besser abschneiden als letztes Jahr. Im Fußball müssen wir Schritt für Schritt schauen. Wir wollen die Mannschaft besser machen.”

Cheftrainer Martin Brenner und Gerdi kennen sich schon aus Spielerzeiten, gemeinsam machten sie in der Saison 2006/07 Partien für die Lustenauer Austria, vorwiegend für die zweite Mannschaft. Der Kontakt sei über die Jahre zwar weniger geworden, aber nach dem Einstieg von Okuri in Bregenz habe man ein super Gespräch gehabt. “Wir haben die gleiche Fußballphilosophie, wir matchen uns gut. Es ist wichtig, dass das Trainerteam eine gemeinsame Sprache spricht”, sagt Gerdi.

Mit Mut und Einsatz
Mit Brenner hat Gerdi, der zuvor mit Regi van Acker und Andreas Heraf bei Bregenz gearbeitet hat, den bereits dritten Cheftrainer an der Seite. Der erste wollte schönen, spektakulären Fußball spielen, der zweite stabilen, ergebnisorientierten. Wie soll nun unter dem Dritten gespielt werden? Zählen tue am Ende das Ergebnis, sagt Gerdi. “Natürlich dürfen wir sagen, dass wir einen schönen Fußball spielen wollen. Aber wenn es mal ein dreckiger Fußball ist, dann ist es ein dreckiger Fußball.”


Die Eckpunkte sind aber klar umrissen: mutig sein, alles reinhauen. “Wir fordern von unseren Spielern, dass sie in jedem Training aggressiv sind. Wenn wir ihnen das einspritzen können, geht der Funke auch im Spiel über, da bin ich überzeugt”, sagt Gerdi.

Ob das, wie von Investor Okuri bei dessen Präsentation schon euphorisch als Vision skizziert wurde, bis zur Champions League reichen wird, bleibt äußerst fraglich. Man müsse realistisch sein, sagt Gerdi. “Es ist ein Prozess, der jetzt stattfindet, und man muss wissen, was wir zur Verfügung haben. Und das wissen wir.”