18 Sorten handgemachtes Joghurt: “Es ist jedes Mal ein kleines Meisterstück”

Keine Maschinenstraße, keine Massenproduktion: Auf dem Bauernhof der Familie Kathan in Götzis entsteht Joghurt in alter Tradition.
GÖTZIS Wenn Simone Kathan morgens den Pasteurisierungsapparat einschaltet, beginnt ein Arbeitsprozess, der Geduld verlangt. Von draußen hört man die Kühe, rund um den Hof flattern kleine Spatzen, und die Hunde liegen entspannt in der Einfahrt. Eine Idylle wie im Bilderbuch – heute ist Joghurttag.

Während Simone Kathan rührt, mischt und abfüllt, steht ihr Ehemann Florian zur Seite. Er verschließt die Gläser, trägt Kisten und füllt den Kühlschrank des Hofladens. “Er ist der Mann im Hintergrund”, sagt sie schmunzelnd. Dabei ist Florian der Landwirt und führt den Hof in dritter Generation. Hier in der Produktion ist aber sie die Chefin”, weiß Florian Kathan zu schätzen.


So wird Joghurt produziert
Die frische Milch der hofeigenen Kühe wird auf 95 Grad erhitzt, anschließend auf 47 Grad abgekühlt. Erst dann wird die Joghurtkultur eingerührt. Danach heißt es warten – rund 15 Stunden lang, bis die Masse langsam eindickt. Erst am nächsten Tag wird von Hand abgefüllt, verschlossen und gekühlt. Was in der industriellen Lebensmittelproduktion längst vollautomatisch abläuft, entsteht auf dem Götzner Bauernhof der Familie Kathan noch in sorgfältiger Handarbeit.


“Wir setzen bewusst auf Regionalität und Handarbeit”, sagt Simone Kathan. Maschinen könnten viele Arbeitsschritte übernehmen, doch sie seien teuer und nähmen den persönlichen Charakter weg. “Unsere Kundschaft schätzt es sehr, dass alles direkt hier am Hof gemacht wird.”

Alle zehn bis vierzehn Tage produziert die Familie rund 130 Liter Joghurt. Drei halbe Arbeitstage sind dafür notwendig.

Das Sortiment ist groß
Insgesamt 18 Sorten umfasst das Sortiment. Klassiker wie Erdbeere, Himbeere oder Heidelbeere stehen ebenso in den Regalen wie Haselnuss, Schoko-Toffee oder Pfirsich-Maracuja. Je nach Jahreszeit kommen besondere Kreationen hinzu: im Sommer etwa Holunder-Apfel oder Kiwi-Melone, im Winter Heidelbeer-Bratapfel oder Zimt. Die Fruchtzubereitungen stammen von einem niederösterreichischen Hersteller, der auf hochwertige Zutaten und möglichst wenige Zusatzstoffe setzt.

Die Kunst der Pasteurisierung
Gerade weil alles von Hand entsteht, gleicht kein Joghurt dem anderen. Temperatur und Witterung beeinflussen die Konsistenz. “Es ist jedes Mal ein kleines Meisterstück”, sagt Kathan. “Man braucht Fingerspitzengefühl. Das Joghurt wird nie hundertprozentig gleich – und genau das wissen unsere Kunden zu schätzen.”

Die Idee, selbst Joghurt herzustellen, ist auf dem Betrieb nicht neu. Bereits die Familie von Florian Kathan produzierte die Milchprodukte. Als Simone Kathan vor sieben Jahren auf den Hof kam, entwickelte sie das Angebot weiter. Neue Sorten, neue Ideen und der Ausbau des Hofladens folgten. “Ich habe daran gefeilt und vieles weiterentwickelt”, erzählt sie.

Bäuerinnen sind im Betrieb unverzichtbar
2026 steht ganz im Zeichen der Bäuerinnen. Für Simone Kathan ist das mehr als ein Motto. Sie sieht die Rolle der Frauen in der Landwirtschaft heute sichtbarer denn je. “Wir dürfen zeigen, was wir leisten”, sagt sie. Bäuerinnen seien Mütter, Partnerinnen, Organisatorinnen und oft das Mädchen für alles. Gleichzeitig gebe es in Vorarlberg starke Organisationen, die Frauen in der Landwirtschaft unterstützen und ihre Arbeit sichtbar machen.

Während Simone vor allem die Verarbeitung übernimmt, schlägt das Herz ihres Mannes Florian für die Kühe. “Ich bin am liebsten im Stall”, sagt er. Seit seiner Kindheit habe er eine enge Verbindung zu den Tieren. Er kenne jede einzelne Kuh und merke sofort, wenn es einer nicht gut gehe. Diese Wertschätzung zieht sich durch den gesamten Betrieb. Vom Stall bis ins Joghurtglas entsteht alles in einem regionalen Kreislauf.
