Begegnungszone in Nenzing: Was sich bei Verkehr und Parken ändert

Mehr Platz zum Verweilen, eine neue Verkehrsführung und Diskussionen um Ausweichverkehr: Die Pläne für die Begegnungszone verändern das Zentrum von Nenzing deutlich.
Nenzing Auf der Landstraße in Nenzing soll eine Begegnungszone entstehen. Die ersten Überlegungen dazu reichen bis 2005 zurück. 2019 gab es einen Bürgerbeteiligungsprozess zum Thema „Zentrumsentwicklung“, 2023 folgte ein erster Gestaltungsentwurf. Gerade im Bereich „Gasthaus Rössle/Volksschule“ gebe es Handlungsbedarf, informiert Bauamtsleiter Thomas Groß. Elterntaxis, Lieferanten, die teilweise auf Zebrastreifen stehen, und ausparkende Autos machen den Bereich gefährlich. „Wir bekommen die meisten Reklamationen aus diesem Bereich.“


Die Begegnungszone wird vorerst nicht für den Verkehr gesperrt. Selbst an der schmalsten Stelle ist die Fahrbahn 4,95 Meter breit, sodass zwei Autos nebeneinander passen. Mit 20 km/h dürfen Autos und Gelenkbusse durchfahren. Dabei gebe es keine räumliche Trennung zwischen Autos, Radfahrern und Fußgängern.


Anders ist das an der Kreuzung mit der Landstraße: Die Andreas-Gaßner-Straße wird dort künftig gesperrt. Damit entfällt die Süd-Nord-Abkürzung über die Andreas-Gaßner-Straße zur L190. Richtung Norden sei die Zufahrt nur noch bis zum Parkplatz der Volksschule möglich. Den frei werdenden Platz könnte das Rössle für die Außengastronomie nutzen.


Mehrere Inseln
Damit sich Fußgänger wohlfühlen, werden mehrere Aufenthaltsinseln gestaltet, die sich mit Granitpflaster vom farbigen Asphalt abheben. Neben der Gastronomie-Insel entsteht eine Wasser-Insel mit Springbrunnen. Auf der Spiel-Insel laden große Flussbettsteine Kinder zum Klettern ein. Auf der Ruhe-Insel sorgen geschwungene Betonbänke mit Holzauflage für Sitzgelegenheiten. Mehrstämmige Bäume prägen den Aufenthaltsbereich, während hochstämmige Bäume eine verkehrsleitende Funktion übernehmen.


Geplant sind außerdem Abstellplätze für Fahrräder und Scooter sowie eine öffentliche E-Bike-Ladestation. Aufgrund der Begegnungszone fallen zwar 15 Parkplätze weg. Durch den Abriss der Garage bei der Volksschule sowie die Erweiterung der Parkplätze bei der Abfallsammelstelle könnten jedoch bis zu 27 Parkplätze hinzukommen. Beim Friedhof könnte eine Kurzparkzone entstehen, Ganztagesparkplätze sind außerhalb vorgesehen. „Wir sind noch am Überlegen, wie wir das genau umsetzen“, so Groß. Man müsse die Gewohnheiten jedoch umstellen.


Schwammstadt
Ein wesentlicher Bestandteil der Begegnungszone ist das Bewässerungsmanagement nach dem Schwammstadtprinzip. Dabei wird Regenwasser von den Dächern in den Untergrund geleitet. Ein spezielles Substrat im Boden speichert dort das Wasser. Die Bäume und Pflanzen können es bei Bedarf über ihre Wurzeln aufnehmen. Gleichzeitig wird die Kanalisation insbesondere bei Starkregen entlastet.


Die Gemeinde hat für die Begegnungszone 1,1 Millionen Euro budgetiert. Die Tiefbauarbeiten seien bereits vergeben, die Entwässerung nach dem Schwammstadtprinzip werde als LEADER-Projekt eingereicht. Der Baustart hängt von den laufenden archäologischen Ausgrabungen ab. Denn dort, wo die Begegnungszone entstehen soll, wird gerade der Nahwärmeanschluss verlegt. Knochenfunde könnten den Baustart im September verzögern.


Ausweichverkehr befürchtet
Bei einer Informationsveranstaltung äußerten einige Bürger die Sorge, dass es durch die Sperre der Andreas-Gaßner-Straße vermehrt zu Ausweichverkehr kommen könnte. Besonders die Anrainer des Jonas-Egger-Wegs und der Beschlinger Straße befürchten mehr Verkehr, den sie wegen der Baustelle bereits wahrnehmen. Thomas Groß betont jedoch, dass die Ausweichrouten noch längst nicht überlastet seien. Im Herbst soll die Verkehrsentwicklung mit Geschwindigkeitsanzeigen und Zählanlagen beobachtet werden.

