24-Jähriger bei Cobra-Einsatz in Bregenz angeschossen: Jetzt redet seine Mutter

VN / 27.07.2026 • 13:18 Uhr
24-Jähriger bei Cobra-Einsatz in Bregenz angeschossen: Jetzt redet seine Mutter
Franziska F. zeigt auf die Einschusslöcher in den Wänden am Tatort im zweiten Stock des Hauses. vn/gs (5)

Was geschah am Samstagvormittag wirklich im Bregenzer Pfänderweg? Franziska F. (Name der Redaktion bekannt) schildert als Betroffene tragische Details.

Bregenz Am Samstag, es war gegen 13.20 Uhr, wurde ein 24-jähriger Bregenzer durch den Schuss aus einer Polizeiwaffe verletzt (die VN berichteten). Es war der tragische Höhepunkt eines Dramas, das schon um 8 Uhr morgens seinen Anfang nahm.

24-Jähriger bei Cobra-Einsatz in Bregenz angeschossen: Jetzt redet seine Mutter
Das Zimmer, in dem sich der 24-Jährige verbarrikadierte.

Es sollte schließlich in einem Einsatz gipfeln, an dem zahlreiche Polizeistreifen und die Sondereinsatzeinheit Cobra beteiligt waren. Alarmiert von der Mutter des 24-jährigen Mannes. Die Einsatzkräfte gingen von einem Bedrohungsszenario aus. Als sie beim Haus im Pfänderweg ankamen, hatte sich der junge Bregenzer in seinem Zimmer verbarrikadiert. In der einen Hand einen Hammer, in der anderen eine Spielzeugpistole.

“Waffe runter!”

Die Beamten schrien: “Waffe runter!” Doch darauf reagierte der Tobende nicht, sondern fuchtelte mit dem Hammer und ging mit erhobener Spielzeugpistole auf die Polizisten, die sich vor der Glastür des Zimmers befanden, los. Diese wussten nicht, dass es sich bei der Pistole um keine echte Waffe handelte. Schlussendlich fielen mehrere Schüsse. Drei Kugeln durchschlugen die Glastür und bohrten sich in die Wand, eine weitere verletzte den Mann und setzte ihn außer Gefecht. Auch ein Beamter zog sich Verletzungen zu. Aufgrund der Glassplitter, die bei den Schussabgaben wie Geschosse durch die Luft flogen.

24-Jähriger bei Cobra-Einsatz in Bregenz angeschossen: Jetzt redet seine Mutter
Kugeln aus einer Dienstwaffe zerschmetterten die Glastür.
24-Jähriger bei Cobra-Einsatz in Bregenz angeschossen: Jetzt redet seine Mutter

Der 24-Jährige wurde anschließend im Landeskrankenhaus Feldkirch behandelt und befand sich alsbald in stabilem Zustand. Mittlerweile wurde die Untersuchungshaft über ihn verhängt.

“Nicht mit dem Tod bedroht”

Zeugin des dramatischen Geschehens war die Mutter des 24-Jährigen. Franziska F. liegt es am Herzen, den VN zu schildern, was wirklich geschah. Eines ist ihr dabei besonders wichtig: “Mein Sohn hat mich nicht mit dem Tod bedroht.”

24-Jähriger bei Cobra-Einsatz in Bregenz angeschossen: Jetzt redet seine Mutter
Eines der Projektile schlug auch im Badezimmer ein.

Ja, sie habe die Polizei alarmiert. Weil der junge Mann Samstagfrüh damit begonnen hatte, mit dem Hammer gegen die Wände und Türen zu schlagen. “Mir ging das zu weit, und ich rief die Polizei. Doch nur, um ihm zu zeigen, dass das nicht mehr so weitergeht. Ich wollte ihm damit ein Lehrstück geben.” Solche Eskapaden seien schon öfters der Fall gewesen, bestätigt auch sein Vater: “Aber nach einer halben Stunde hat er sich stets beruhigt und alles war wieder eitel Wonne.”

“Autistischer, zarter Junge”

Franziska F. beschreibt ihren Sohn als autistischen, zarten Jungen, der mit seinem Leben unzufrieden und unglücklich sei. Doch aus dem “Lehrstück” für ihren Sohn sei ein ernster Polizeieinsatz, später auch mit der Cobra, geworden. “Wir haben den Polizisten des Öfteren gesagt, dass unser Sohn keine echte Waffe besitzt. Aber ab dem Eintreffen der Beamten hatten wir keine Befugnis mehr, uns irgendwie in den Fall einzubringen. Auch hätte ich gerne gehabt, dass meine Tochter mit ihm reden könnte, da sie eine Vertrauensperson für ihn ist. Da mein Sohn einen Sprachfehler hat, hätte ich gerne mit den Beamten sprachlich für ihn vermittelt. Denn als er mit ihnen sprach, verstanden sie ihn nicht”, so die Mutter.

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Der Besitzer dieses Hauses am Pfänderweg legt Wert auf die Feststellung, dass es sich hier nicht um den Tatort handelt. Ronald Vlach

Einsatz von Pfefferspray

Aber auch das sei abgewiesen worden. Trotz des Einsatzes von zwei großen Pfefferspraydosen sollen drei Stunden vergangen sein, bis die Amtshandlung ihr dramatisches Ende fand. “Mein autistischer Sohn kam in eine Stresssituation, die ein Aufgeben nicht möglich machte. Aber ich frage mich, warum der Schütze dreimal auf seinen Oberkörper zielte. Eine Kugel traf ihn. Er hätte tot sein können. Er war von Kopf bis zu den Knien von Scherben übersät, die während einer langen Operation entfernt wurden.” Seit dem Vorfall sind Franziska F. und ihr Mann nur von einem Gedanken beseelt: “Wie können wir unserem autistischen Sohn nur helfen?”

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