Bange Tage in Südwestfrankreich: Vorarlberger Auswanderer in Alarmbereitschaft

VN / 28.07.2026 • 16:26 Uhr
Bange Tage in Südwestfrankreich: Vorarlberger Auswanderer in Alarmbereitschaft
Annie Wieser hat die Fluchttasche schon gepackt. APA, Privat

Ehepaar aus Frastanz lebt in der von Waldbränden geplagten Gironde.

Préchac, Schwarzach Das Wichtigste ist griffbereit. „Ich habe schon vor ein paar Tagen eine Tasche gepackt. Für alle Fälle“, erzählt Annie Wieser am Telefon. Die 76-Jährige lebt mit ihrem Mann Werner (82) seit 2005 in Préchac im südwestfranzösischen Département Gironde. In der Region wüten seit Tagen verheerende Waldbrände. „Wir sind 70 bis 90 Kilometer vom großen Feuer entfernt, aber der Rauch kommt schon zu uns. Heute geht es wieder besser, wir können wieder ein bisschen atmen. Allerdings kommt jetzt wieder die Hitze“, schildert Annie Wieser.

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In der Gironde wurden bereits rund 42.000 Hektar von den Flammen erfasst. Etwa 220.000 Menschen mussten vorsorglich ihre Häuser oder Urlaubsunterkünfte verlassen. Hunderte Häuser wurden beschädigt oder zerstört und mindestens 84 Feuerwehrleute verletzt. APA

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Am Mittwoch werden in Gironde Temperaturen von bis zu 41 Grad erwartet. Noch größere Sorgen bereiten den Einsatzkräften die Winde, die den Prognosen zufolge alle zwei Stunden die Richtung wechseln können. „Dadurch entstehen Feuertornados. Es ist furchtbar anzuschauen. Wir haben den ganzen Tag den Fernseher laufen. Das große Feuer ist nur 15 Kilometer von Bordeaux entfernt. Da leben rund 330.000 Einwohner“, verdeutlicht die 76-Jährige.

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Bei den schweren Waldbränden im Raum Bordeaux/Gironde kommen neben Löschflugzeugen auch Militärflugzeuge vom Typ Airbus A400M zum Einsatz. Sie können pro Einsatz bis zu 20 Tonnen Flammschutzmittel oder Wasser abwerfen. APA

Laut Daten des Waldbrand-Informationssystems der Europäischen Kommission (EFFIS) ist in Frankreich bereits eine mehr als fünfmal so große Fläche abgebrannt wie sonst durchschnittlich in einem ganzen Jahr. „Heuer ist es viel schlimmer als 2022. Es heißt, dass es das größte Feuer seit 1949 ist. Ein Feuerwehrmann hat gesagt: ,Es ist wie im Krieg. Das Feuer ist der Feind, den wir besiegen müssen’“, berichtet Annie Wieser, die in wenigen Tagen ihren 77. Geburtstag feiert.  

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Eine Spur der Verwüstung in der Nähe von Cap Ferret.
Waldbrand Frankreich
Annie Wieser feiert in wenigen Tagen ihren 77. Geburtstag.  Privat
Bange Tage in Südwestfrankreich: Vorarlberger Auswanderer in Alarmbereitschaft
Annie und Werner Wieser leben seit über 20 Jahren in Südwestfrankreich. Das Bild wurde 2022 aufgenommen.Privat

Die Wiesers sind 2005 von Frastanz nach Südwestfrankreich gezogen und betreiben dort den 15 Hektar großen „Parc Botanique des Landes Girondines“. Bislang hatten die beiden Glück. Am Sonntag kamen ihnen die Flammen allerdings plötzlich bedrohlich nahe, wie die gebürtige Französin erzählt. „Ich war gerade vor dem Fernseher eingeschlafen, als unsere Nachbarin angerufen hat.“ Vier Feuerwehrautos und drei Polizeifahrzeuge rückten an. Nur zwei Kilometer vom Anwesen der Wiesers entfernt war im Wald ein Feuer ausgebrochen. Auslöser dürfte ein Blitzeinschlag in der Nacht gewesen sein. „Entdeckt wurde der Brand erst am späten Sonntagvormittag, als Rauch zwischen den Bäumen aufstieg. Wir hätten verbrennen können, ohne es zu wissen“, beschreibt Annie Wieser die bangen Momente.

Bange Tage in Südwestfrankreich: Vorarlberger Auswanderer in Alarmbereitschaft
“Wir haben den ganzen Tag den Fernseher laufen”, schildert Annie Wieser.

Vor einigen Tagen wurde in der Region die höchste Alarmstufe Schwarz ausgerufen. „Das heißt, man darf draußen überhaupt nicht mehr mit Maschinen arbeiten. Wir können nur noch zum Einkaufen ins Dorf fahren. Weil mein Mann den Traktor nicht benutzen darf, geht er mit der Schubkarre gießen“, sagt die Auswanderin. Den Touristen raten die Behörden derzeit, die betroffenen Gebiete zu meiden. „Von Cap Ferret bis Bordeaux und Le Porge ist niemand mehr. Alle sind evakuiert worden. In Cap Ferret ist nur noch die Polizei, die darauf achtet, dass es keine Plünderungen gibt.“  

Bange Tage in Südwestfrankreich: Vorarlberger Auswanderer in Alarmbereitschaft
Der „Parc Botanique des Landes Girondines“ der Wiesers ist 15 Hektar groß.
Waldbrand Frankreich
Waldbrand Frankreich

Eigentlich wollte Annie Wieser Ende August ihre Familie in Vorarlberg besuchen. Ob sie die Reise tatsächlich antreten wird, ist angesichts der unsicheren Lage allerdings fraglich. „Ich habe echt Angst, meinen Mann allein zu lassen. Wir haben drei Katzen, zwei Hunde, Hühner und nur ein Auto.“

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Die Feuerwehr versucht mit allen Mitteln, die an der Atlantikküste wütenden Waldbrände in den Griff zu bekommen. APA