“Der Brief war Wochen unterwegs und ging dann nach Rumänien” – Vorarlberger klagen über unhaltbare Zustände bei der Post

Verspätete Briefe, tagelang leere Briefkästen und geschlossene Postfilialen. Die VN haben mit Betroffenen gesprochen, die zwischen Ärger und Ratlosigkeit stehen.
Vorarlberg Wer heute ein Paket bestellt, kann oft schon am nächsten Tag damit rechnen. Wer hingegen einen Brief verschickt, braucht manchmal vor allem eines: Geduld. Immer mehr Leserinnen und Leser berichten den Vorarlberger Nachrichten von erheblichen Problemen bei der Briefzustellung.
Briefe sind wochenlang unterwegs
Edith Hirt aus Nüziders schreibt seit vielen Jahren regelmäßig Briefe – innerhalb Österreichs ebenso wie ins Ausland. Dass die Briefzustellung nicht mehr täglich erfolgt, könne sie noch nachvollziehen. “Aber dass ein Brief von Bludenz nach Wels über einen Monat braucht, das ist nicht einzusehen”, sagt sie.


Solche Erfahrungen habe sie mehrfach gemacht. Ihr Mann werfe die Briefe persönlich in den Briefkasten am Bahnhof Bludenz ein, gleichzeitig würden die Empfänger per WhatsApp informiert. Trotzdem kämen viele Sendungen erst nach Wochen oder gar nicht an. “Nach einiger Zeit haben wir schon geglaubt, der Brief sei verloren.”

Kondolenzbrief kam nie an
Noch emotionaler schildert Hirt einen anderen Fall. Nach dem Tod eines Freundes in Sizilien schrieb sie der Witwe einen Kondolenzbrief. “Nach einem halben Jahr kam der Brief zurück, weil er unzustellbar war. Dabei hat die Adresse gestimmt.” Zu diesem Zeitpunkt war auch die Witwe bereits verstorben. “Solche Erlebnisse regen einfach auf.”
Filiale geschlossen – Ärger wächst
Nicht nur die Zustellung selbst beschäftigt viele Menschen. In Bürs sorgt die Schließung der Postfiliale im Zimbapark weiterhin für Kritik. Helmut Sauermoser sieht darin vor allem wirtschaftliche Interessen.

“Es geht der Post nur noch um die Gewinnmaximierung”, sagt er. Besonders problematisch sei die Situation für ältere Menschen. Sauermoser trägt eine Knieprothese und muss nun für jedes Paket oder Einschreiben nach Bludenz fahren. “Dort gibt es kaum Parkplätze. Das ist eine Katastrophe.”
Dass die Filiale geschlossen wurde, ohne die Kundschaft ausreichend zu informieren, stößt ihm zusätzlich sauer auf. Einen Ersatzstandort gibt es bis heute nicht. “Das Einzige, was zuverlässig kommt, sind die Vorarlberger Nachrichten”, sagt er mit einem Schmunzeln. Werbeprospekte würden hingegen oft erst eintreffen, wenn die Angebote bereits abgelaufen seien.
Zwischen Verständnis und Kritik
Etwas differenzierter sieht Götz Knall aus Lauterach die Entwicklung. Er erhält nur noch wenige Briefe und erkennt an, dass sich die Kommunikation verändert hat. Viele Rechnungen oder Mitteilungen würden heute ohnehin digital verschickt.

Dennoch kennt auch er Probleme. Eine Einladung war versehentlich in seinem Briefkasten gelandet. Weil sie für einen Kindergarten bestimmt war, stellte er den Brief kurzerhand selbst zu. “Wenn ich auf die Post gewartet hätte, wäre er vermutlich wieder ins Verteilzentrum zurückgegangen.” Knall vermutet, dass die Zusteller unter erheblichem Zeitdruck stehen.
Post kommt nur noch einmal pro Woche
Auch Simone Kathan aus Götzis berichtet von erheblichen Problemen. Ihr Haus liegt etwas außerhalb des Ortszentrums. Immer wieder werde die Post dort tagelang überhaupt nicht zugestellt.

“Manchmal kommt die Post nur einmal in der Woche”, erzählt sie. Rechnungen oder Zeitungen würden dadurch praktisch wertlos. Beschwerden bei der Post hätten bislang wenig geändert. Als Erklärung sei ihr unter anderem mitgeteilt worden, die Zusteller hätten Angst vor den Hunden auf dem Grundstück. “Unsere Hunde liegen einfach in der Einfahrt. Ich kann sie nicht den ganzen Vormittag einsperren, weil niemand weiß, wann die Post überhaupt kommt.”
Eine Bekannte habe sich inzwischen sogar ein kostenpflichtiges Postfach gemietet, um ihre Sendungen zuverlässig zu erhalten.