Dieses Tier fliegt über die Alpen – und stirbt dann an einer Zierblume in Vorarlberg

Marlies Sohm aus Alberschwende hat kürzlich zwei tote Taubenschwänzchen in der Dipladenia entdeckt. Aber man kann etwas dagegen tun.
Lingenau, Hittisau Es gibt immer wieder Beobachtungen, bei denen Taubenschwänzchen tot in den Blüten der Zierpflanze Dipladenia gefunden werden. Marlies Sohm aus Alberschwende entdeckte in den vergangenen Tagen gleich zwei solcher Fälle auf dem Friedhof in Lingenau. Doch man kann etwas dagegen tun, zeigt Naturparkrangerin Lisa Klocker vom Naturpark Nagelfluhkette auf.


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Erschöpfungstod
Marlies Sohm ist vor vier Jahren durch einen Bericht auf das Thema aufmerksam geworden. “Es ist das coolste Insekt überhaupt”, betont die 61-jährige Müselbacherin. “Es wirkt wie ein Kolibri, hat aber einen langen Saugrüssel, und das Schwänzchen schaut dem einer Ringeltaube ähnlich.”

Besonders beeindruckend findet die Pensionistin, dass viele der Wanderfalter vom Mittelmeerraum über die Alpen nach Österreich fliegen. “Er ist so stark, überwindet so viel, und dann kommt er hier an und tappt in die ‚Mausefalle‘ der Dipladenia – das ist makaber.”


Die Dipladenia (botanisch Mandevilla) ist eine tropische Pflanze. Ihre Blüten besitzen im Inneren feine Härchen, an denen sich Bestäuber zeitweise verfangen können. Viele der Taubenschwänzchen, die Österreich erreichen, stammen aus dem Mittelmeerraum und kennen diesen Mechanismus nicht. Während viele andere Bestäuber auf der Blüte landen, trinkt der “Kolibrifalter” den Nektar im Schwirrflug und flattert so lange weiter, bis er vor Erschöpfung an der Pflanze stirbt. Auch bestimmte Rosa Nachtkerzen sind für Taubenschwänzchen problematisch.

Auf Heimisches zurückgreifen
Das Taubenschwänzchen lebt grundsätzlich einige Wochen bis mehrere Monate. Trotz der möglichen Gefahr durch die vielfarbige Dipladenia gilt die Art nicht als vom Aussterben bedroht. Dennoch ist die Biologin Lisa Klocker davon überzeugt, dass der Mensch eine moralische Verantwortung trägt: “Was wir in unserem Garten und auf unserem Balkon machen, wirkt sich auf die heimischen Tiere und Pflanzen aus. Dabei sollte man schauen, dass man niemandem schadet.”

Laut der 33-jährigen Dornbirnerin hat die Globalisierung nicht nur Vorteile. “Wir können alles, was uns gefällt, zu uns holen und im Garten kultivieren. Das bringt auch Gefahren für die heimische Flora und Fauna.” Auch der Sommerflieder ist so ein Fall: Dieser hat für erwachsene Schmetterlinge zwar ein gutes Nektarangebot, ist aber als Futterpflanze für die meisten heimischen Raupen gar nicht geeignet. Außerdem breitet er sich stark aus und kann andere Pflanzen verdrängen – genauso wie gewisse Goldruten und Drüsiges Springkraut. Solche Pflanzen sollten laut Klocker nicht noch zusätzlich in Gärtnereien beworben werden.

Sie empfiehlt, statt Pflanzen wie der Dipladenia auf heimische Arten zurückzugreifen. Etwa auf Rote Lichtnelken, Flockenblumen, Rotklee, Wiesen-Salbei, Kletten-Disteln oder den Natternkopf. Für das Raupenstadium der Taubenschwänzchen wären Labkräuter wichtig. “Ich bin generell eine Verfechterin von mehrjährigen Blumenkästen, von denen Insekten profitieren. Sie verursachen außerdem wenig Aufwand und geringe Kosten.”
Beliebte heimische Nektarpflanzen für ausgewachsene Taubenschwänzchen:
- Natternkopf
- Wiesen-Salbei
- Klebriger Salbei
- Rote Lichtnelke
- Nickendes Leimkraut
- Gewöhnliche Wiesen-Flockenblume
- Gewöhnliche Skabiosen-Flockenblume
- Wiesen-Witwenblume
- Kletten-Distel
- Berg-Baldrian
Vorkommen in Vorarlberg
Die “inatura – Erlebnis Naturschau Dornbirn” bekommt regelmäßig Beobachtungsmeldungen zum Taubenschwänzchen aus allen Regionen Vorarlbergs. “Besonders viele haben wir 2020 erhalten: insgesamt 79 aus 26 Gemeinden”, schildert die dortige Biologin Elisabeth Ritter. “2021 erhielten wir nur vier und 2023 dann wieder fast 50.”

Heuer haben sie die erste Beobachtungsmeldung schon im Februar erhalten. Denn die immer milderen Winter ermöglichen es den Faltern, auch in unseren Gegenden die kalte Jahreszeit in geschützten Verstecken zu überdauern.
