Bald 36 Grad in Vorarlberg: “Auf der Baustelle kann es gefährlich werden”

Tobias Lorber weiß aus eigener Erfahrung, wie schnell der Körper bei Hitze versagen kann. Liegt hier die Verantwortung bei den Arbeitnehmern oder den Vorgesetzten?
Dornbirn, Wolfurt “Mir war schwindelig, die Augen sind mir immer wieder zugefallen und ich fühlte mich orientierungslos”, erinnert sich Tobias Lorber an den Hitzeschlag, den er als Monteur einer Blitzschutzfirma bei seinem früheren Arbeitgeber erlitt. Seitdem ist er an heißen Tagen viel vorsichtiger. Etwa am Donnerstag, an dem es in Vorarlberg vielerorts um die 36 Grad bekommen soll. “Bei der Arbeit in der Hitze kann es gefährlich werden”, sagt sein Chef Benjamin Prock von der Firma Prock Blitzschutz in Dornbirn. “Aber viele Baufirmen stellen den Profit über den Hitzeschutz ihrer Mitarbeiter.”

Hitziger Arbeitsplatz
Beim Montieren von Fangeinrichtungen auf dem Dach kann es heiß werden. Auf Ziegel- und Kupferdächern zum Beispiel kommt die Hitze dann nicht nur von oben, sondern auch von unten. Lorber arbeitet aber hauptsächlich in Baugruben, wo er Fundamenterder verlegt. “Auch dort kann es bei direkter Sonne sehr unangenehm sein, weil kaum Wind hineinkommt und sich die Luft darin staut”, schildert der 29-jährige Bregenzer. Gewisse Berufsgruppen wie Asphaltierer hätten es jedoch um einiges schlimmer.


Da Lorber meist mehrere Baustellen pro Tag hat, sitzt er auch immer wieder im Auto, wo er sich die Klimaanlage aufdrehen kann. “Wirklich schlimm ist es bei uns nie. Wenn man gut auf sich schaut, hat man auch in der Hitze einen guten Tag”, erklärt der Monteur.

Selbstverantwortung
Nach dem Hitzeschlag in seiner vorherigen Firma vor einem Jahr sieht Lorber den Fehler bei sich selbst: “Ich hatte nicht viel getrunken und keine Kappe auf.” Heute trinkt er auf der Baustelle auch dann, wenn er sich gar nicht durstig fühlt. Was ihm besonders hilft: eine Thermoskanne mit Eis, die er immer wieder mit Wasser auffüllt, wodurch er stets kaltes Wasser zur Verfügung hat. Außerdem macht er immer mal wieder kurze Pausen. “Man muss den eigenen Körper gut kennen und einschätzen lernen.”

Aber auch die Vorgesetzten spielen bei dem Thema eine Rolle. “Bei Prock Blitzschutz nimmt man die Hitze ernst. Wir bekommen alles Nötige für den Schutz zur Verfügung gestellt: etwa Kappen, gute Arbeitssonnenbrillen, Sonnencreme und Wasser”, berichtet der gelernte Schlosser. Aus Erfahrung weiß er: Das ist nicht selbstverständlich.

Hitzeschutzverordnung
Steigende Temperaturen und häufigere Hitzewellen verändern die Arbeitsbedingungen in gewissen Branchen. Laut Bundesministerium berichteten 2025 fast zwei Drittel der Bevölkerung über hitzebedingte gesundheitliche Belastungen, im Hitzesommer 2024 waren es rund 85 Prozent.

Seit diesem Jahr gilt nun eine neue Hitzeschutzverordnung. Bereits zuvor mussten Arbeitgeber Gesundheitsgefahren durch Arbeiten bei Hitze im Freien berücksichtigen. Die neue Verordnung schreibt nun aber konkreter vor, welche Schutzmaßnahmen zu setzen sind. Berücksichtigt werden dabei unter anderem die Schwere der Arbeit und besonders gefährdete Arbeitnehmer. Ab Hitzewarnstufe 2 (also ab 30 Grad) sind Maßnahmen wie angepasste Arbeitszeiten und zusätzliche Pausen vorgesehen.
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“Solche Dinge haben wir vorher schon freiwillig eingehalten”, sagt Benjamin Prock (34), Geschäftsführer von Prock Blitzschutz. Im Sommer beginne die Arbeit bereits gegen sechs Uhr. Zudem würden die Baustellen unter Berücksichtigung der Hitze koordiniert. Einerseits ist ihm das Wohl seiner Mitarbeiter wichtig. Andererseits merkt er an, dass durch die Hitze die Produktivität im Laufe des Tages verstärkt nachlässt und die Unfallgefahr steigt. Schutzmaßnahmen bei Hitze kämen daher nicht nur den Beschäftigten, sondern auch den Betrieben zugute.
