„Die Menschen am Berg haben keinen Stress“: Sabrina Seyfried hat ihren Platz am Berg gefunden

VN-Hüttenserie (4/5): Sabrina Seyfried führt seit fünf Jahren das Berghaus Mattajoch auf der Alpe Gamp. Warum sie den Wechsel vom klassischen Restaurantbetrieb auf die Hütte wagte und was den Alltag auf 1564 Metern besonders macht.
Nenzing Kein Handyempfang, Kuhglockengeläut und die Berge ringsherum: Sabrina Seyfried bewirtschaftet das Berghaus Mattajoch auf der Alpe Gamp bereits im fünften Jahr. Das Berghaus Mattajoch war 50 Jahre lang im Familienbesitz, bevor es an die Agrargemeinschaft Beschling-Latz verkauft wurde. Ein neuer Pächter wurde gesucht und Sabrina Seyfried bewarb sich.


Die 34-Jährige aus Meiningen studierte Internationales Management in Liechtenstein. Nach ihrem Auslandsjahr arbeitete sie im Familienbetrieb „Herbert’s Dorfmetzg“, war Filialleiterin in Rankweil und später Geschäftsführerin des Gasthauses „Zum Metzgerwirt“. Während des Studiums sammelte sie Erfahrungen in der Falbastuba, im Freschenhaus und im Peterhof. Die Berggastronomie gefiel ihr.


Nach ihrem Abschluss arbeitete sie sechs Monate als Restaurantleiterin im Firmament. Schnell bemerkte sie, dass das nicht ihre Welt war. Ihre Erkenntnis: „Ein Restaurantbetrieb ist anders als ein Hüttenbetrieb. Die Menschen am Berg haben keinen Stress. Sie wollen schwätzen, etwas wissen, bringen Geduld und Verständnis mit.“


Von 10 bis 22 Uhr hat das Berghaus geöffnet. Montag und Dienstag sind Ruhetage. Für Weitwanderer, die den „min weag“ gehen, stehen die 40 Betten dennoch zur Verfügung. Möglich wird dies, weil sich die Alpe Gamp während der Alpsaison an diesen Tagen um die Übernachtungsgäste kümmert und für die Verpflegung sorgt.


„An unseren Ruhetagen fahren wir immer ins Tal. Da fällt einiges an: Müll entsorgen, Altöl wegbringen, einkaufen und alles organisieren, was für die Woche auf der Hütte benötigt wird. Montag ist deshalb unser Arbeitstag im Tal, während wir versuchen, den Dienstag wirklich als freien Tag zu nutzen“, erzählt Sabrina Seyfried.


Mehr Biker als Wanderer
80 Prozent der Gäste, die hier einkehren, sind Biker. Erst seit einem Jahr ist der Güterweg auf die Alpe Gamp eine offizielle Bikestrecke, wofür sie „sehr dankbar“ ist. Mittlerweile fahren die meisten mit dem E-Bike hinauf. Man sei im Gespräch, die Bikestrecke zu verlängern, sodass eine Rundtour entsteht. Der Weg würde beim Alpencamping enden. Von dort kommen rund 90 Prozent der Touristen, schätzt Sabrina Seyfried. Daneben kehren auch viele Einheimische ein.


Vegane Speisen stehen „zur Absicherung“ ebenfalls auf der Speisekarte, denn immer mehr Menschen ernähren sich vegan oder vegetarisch. Da ihr Vater Metzger ist, gibt es dennoch viele Fleischgerichte. „Wir verwerten alles, was anfällt.“ Sabrina Seyfried und ihr Mann Stefan versuchen, die Speisekarte „so einfach wie möglich zu halten“.

Das Berghaus Mattajoch ist wie alle Hütten stark vom Wetter abhängig. An Regentagen kommen nur wenige Gäste hinauf. Deshalb bieten Sabrina und Stefan Events an, um wetterbedingte Ausfälle zu kompensieren. Dazu gehören Schlachtpartie-Wochen, Wildbretbuffets und jeden ersten Freitag im Monat Livemusik.


An einzelnen Regentagen gibt es genug zu tun. Neben Reinigung, dem Auffüllen der Vorräte und liegen gebliebenen Arbeiten stehen regelmäßige Instandhaltungen an. „Wenn es allerdings mehrere Regentage oder sogar längere Schlechtwetterphasen gibt, wird es natürlich ruhiger. Dann wechseln wir uns mit freien Tagen ab und erledigen alles, was während der Saison sonst zu kurz kommt“, sagt die Hüttenwirtin.


Sechs Monate arbeitet Stefan als Maler, Sabrina unterstützt ihn im Backoffice. Das andere halbe Jahr verbringen sie auf der Alpe Gamp. Sabrina Seyfried schätzt ihren Arbeitsplatz auf 1564 Metern: „Ich habe das Beste vom Tag. Bei schönem Wetter bin ich draußen, bei schlechtem Wetter drinnen.“


Berghaus Mattajoch
Hüttenwirtin: Sabrina Seyfried
Ausgangspunkt: Wanderparkplatz zur Alpe Gamp
Weglänge: 550 Höhenmeter, 7,2 Kilometer (hin und zurück)
Gipfel in der Nähe: Gampberg, Lohnspitz
Rundweg: Vom Berghaus Mattajoch über den Herrenweg ins Galinatal absteigen und dann wieder zum Parkplatz (geringer Gegenanstieg). Hinweis: Dieser Weg ist schlecht markiert, GPS und Karten-App helfen.
Besonderheit: mit dem Bike erreichbar, Hüttentaxi buchbar, regelmäßige Events auf der Hütte
Weitere Infos: https://www.gamp.at/
Bilder von der Rundtour über den Herrenweg



