So könnten Wolfsrisse der Montafoner Alpwirtschaft den Garaus machen

Ein Jungrind wurde auf der Alpe Tilisuna zerfleischt, ein Esel und ein Kalb auf der Alpila. Ein Jungrind ist von dort abgängig.
Tschagguns Landwirt Hermann Wachter (75) schüttelt noch immer ungläubig den Kopf und starrt ins Leere. “Ich hab’ sowas noch nie erlebt. Da liegt dieses junge Rind. Halb aufgefressen, die Gedärme frei, ein kaum erträglicher Anblick. Nie mehr möchte ich so etwas erleben.” Es war in der Früh, als ihn, den Obmann der Alpe Tilisuna, der dortige Hirte anrief. “Hermann, komm vorbei. Das musst du sehen.” Gemeinsam mit Hubert Schatz (61) und der Bludenzer Amtstierärztin Martina Reitmayr machte sich Wachter auf an den Ort des Geschehens.
Wolfsrisse auf den Alpen Tilisuna und Alpila
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Grausam zugerichtet
Der Alpobmann redet sich langsam in Rage. “Man muss sich das einmal vorstellen. Der Wolf attackiert das Rind an den Hinterläufen, beißt ihm die Arterien durch und fängt es an aufzufressen, während es noch lebt.” Seine Wut richtet sich gegen jene, die den Wolf verteidigen. “Die nennen sich Tierschützer. Wen schützen die? Die Nutztiere, die von Wölfen grausam zugerichtet werden? Nein! Sie nehmen den Wolf in Schutz. Dabei hat dieser bei uns einfach nichts verloren. Nichts!”
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Die Alpe Tilisuna ist während der Alpsaison von knapp 200 Tieren bevölkert. Die meisten davon sind Rinder, aber es weiden dort auch Pferde. Von den insgesamt 25 Betrieben, die ihre Tiere auf der Alpe Tilisuna sömmern, kommen 14 aus Deutschland. Zwei Drittel der vierbeinigen Sommerfrischler stammen aus dem Ausland.
Bleibt die Alpe bald leer?
“Wie sollen wir die ausländischen Landwirte künftig überzeugen, ihre Tiere auf unserer Alpe sömmern zu lassen, wenn sich da Wölfe herumtreiben und die Nutztiere reißen?”, fragt sich Wachter. Ein Herdenschutz sei dort nicht möglich, betont Walser. Diese Einschätzung teilen auch Landwirtschaftslandesrat Christian Gantner (45) und Hubert Schatz.

Während Wachter seine Erlebnisse erzählt, erreicht ihn ein Telefonanruf von der Alpe Alpila, die von seiner Alpe nicht weit entfernt ist. Kopfschüttelnd nimmt er die dortigen Geschehnisse zur Kenntnis.

Zum Abschuss freigegeben
Wildbiologe Hubert Schatz, der an beiden Tatorten vorstellig war, reflektiert die mutmaßlichen Wolfsrisse – noch fehlt die genetische Bestätigung – aus Expertensicht. “Wenn ein Wolf Rinder angreift, ist eine rote Linie überschritten”, hält Schatz unmissverständlich fest. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich bei den Angreifern auf beiden Alpen um ein und dasselbe Tier handelt. “Es könnten aber auch zwei gewesen sein”, sagt Schatz.

Bereits im Juli 2025 kam es im Großwalsertal zu Wolfsattacken auf Rinder. Ein Rind wurde dabei getötet, weitere verletzt. Im März dieses Jahres zeugte ein Steingeiß-Riss von der Anwesenheit eines Wolfs. Die Vermutung ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Risse ein und demselben Räuber zuzuordnen sind.
Wie auch immer: Auf Basis der neuen Wolfsmanagementverordnung des Landes Vorarlberg ist der Wolf, dem der Riss auf der Alpe Tilisuna zuzuordnen ist, zum Abschuss freigegeben.