Das Badewasser wird zwar weniger, aber …

VN / 04.08.2026 • 15:01 Uhr
Das Badewasser wird zwar weniger, aber …
Carmen Summer zieht eine Wasserprobe aus dem Bodensee bei Hard. Aktuell ist die Wasserqualität ausgezeichnet.Roland Paulitsch

Umweltinstitut überprüft die heimischen Badegewässer regelmäßig. Das aktuelle Ergebnis mag überraschen.

Bregenz Carmen Summer (39) ist ein regelmäßiger Gast an den heimischen Badeseen. Doch während die ihr dort begegnenden Menschen den nassen Freuden des Hitzesommers frönen, ist die Chemielaborantin in dienstlicher Mission unterwegs. Summer zieht an insgesamt 16 Stellen Proben, unter anderem am Bodensee, dem Bruggerloch, am Alten Rhein, dem Paspelsee und an der Unteren Aue bei Frastanz Wasserproben. Es geht um die Wasserqualität der beliebten Badestätten. Das Ergebnis der letzten Tests vom 20. Juli war eindeutig: “Die Proben wiesen für alle Messstellen eine ausgezeichnete Wasserqualität aus”, kann Summer bekanntgeben.

Das Badewasser wird zwar weniger, aber …
Ein Fläschchen Wasser vom “schwäbischen Meer” fürs Labor. Die Wasserqualität der Badegewässer wird während eines Sommers vom 16. Juni bis 31. August getestet.Roland Paulitsch
Das Badewasser wird zwar weniger, aber …
Selbstverständlich wird alles genauestens dokumentiert. Roland Paulitsch

“Die Tests, deren Anzahl und Intervalle, richten sich nach EU-Standards. Da gibt es wenig Spielraum”, betont Gerhard Hutter (60), Gewässerökologe am Umweltinstitut Vorarlberg.

Nur kein Wasser schlucken

Das Hauptaugenmerk der Tests gilt den im Wasser vorkommenden Keimen: dem Escherichia coli sowie den intestinalen Enterokokken. “Beide Keime können eigentlich nur durch Wasserschlucken bzw. durch Kontakt mit offenen Wunden eingefangen werden”, beschreibt Hutter die Gefahr. “Nur im Wasser zu schwimmen, wo die Keime vorkommen, reicht nicht für eine Ansteckung mit Folgen.” Diese wären Übelkeit mit den damit verbundenen Begleiterscheinungen.

Das Badewasser wird zwar weniger, aber …
Im Labor des Umweltinstituts in Bregenz weiß Carmen Summer bald ganz genau über die Beschaffenheit des Wassers Bescheid. Alexandra Serra

Pflanzen wachsen schnell

Dass Hitze mit einhergehender Erwärmung des Wassers und sinkender Pegelstände grundsätzlich die gesundheitliche Gefahr für Badende erhöht, sei nicht der Fall. Auch wenn dieser Eindruck womöglich entstehen könne. Sehr wohl sorgen Erwärmung und starke Lichteinstrahlung für eine schnellere Entwicklung bei Pflanzen und Algen. Treten lokal dichte Algenansammlungen oder aufschwimmende blaugrünliche Beläge auf, sollten diese Bereiche vorsorglich gemieden werden. Die Faustregel: Ist das Wasser so trüb, dass im knietiefen Wasser die eigenen Füße nicht mehr sichtbar sind, sollte dort nicht gebadet werden.

Das Badewasser wird zwar weniger, aber …
Bei Gerhard Hutter, Leiter der Abteilung Gewässergüte am Umweltinstitut in Bregenz, laufen die Fäden zusammen.Alexandra Serra

Im seichten, warmen und dicht mit Wasserpflanzen bewachsenen Uferbereichen kann es vereinzelt zum Auftreten von Zerkarien kommen, deren Larven bei empfindlichen Personen einen meist harmlosen, vorübergehenden Hautjuckreiz verursachen können. Es empfiehlt sich, solche Zonen und jene mit größeren Vogelansammlungen schnell zu durchschwimmen.

“Niedrige Wasserstände können zudem dazu führen, dass scharfkantige Quaggamuscheln leichter erreicht werden und dadurch das Risiko kleiner Schnittverletzungen steigt”, sagt Hutter. Grundsätzlich tötet Hitze jedoch Keime ab.

Hochwasser gefährlicher

Die Verbreitung gesundheitsschädlicher Keime sei bei starken Niederschlägen mit überlaufenden Kanälen und frei fließendem Oberflächenwasser viel massiver, halten die Experten fest.

Laut Auskunft der Experten befindet sich Vorarlberg sowohl im Bundesländervergleich als auch international mit der Qualität seiner Badegewässer im absoluten Spitzenfeld, freuen sich Summer und Hutter. “Am 10. August mache ich wieder einen Proberundgang. Es besteht kein Grund zu glauben, dass die Testergebnisse plötzlich viel schlechter sein werden”, bemerkt Carmen Summer.