Ried-Radweg vertagt: “Der Radler ist halt nichts wert”

VN / 06.08.2026 • 10:00 Uhr
Ried-Radweg vertagt: "Der Radler ist halt nichts wert"
Für Hanspeter Lutz ist die Fahrt durchs Ried kein Vergnügen. VN/Paulitsch

Hanspeter Lutz kritisiert die Verzögerungen und versucht derweil, die Autofahrer auf Distanz zu halten.

Dornbirn Um sich selbst zu schützen, hat Hanspeter Lutz (69) eine buchstäblich herausragende Lösung entwickelt. Der Dornbirner fährt in der Regel viermal pro Woche mit dem Fahrrad von Haselstauden zum Altersheim nach Höchst, wo seine Mutter lebt. Jahrelang war die Strecke durchs Ried auch sein Arbeitsweg. Seit Kurzem ist er dort mit einem selbst gebauten Abstandhalter unterwegs. Er ist ausziehbar und am vorderen Ende mit einem Blinklicht ausgestattet. „Wenn sich jemand aufregt, dass er einen Kratzer abbekommen hat, dann ist das quasi eine Selbstanzeige, weil er damit sagt, dass er mir zu nahe gekommen ist“, sagt Hanspeter Lutz.

Ried-Radweg vertagt: "Der Radler ist halt nichts wert"
Ein Gefahrenhotspot ist die Zellgasse. „Wenn ich jetzt die Zellgasse hinunterradle, werde ich oft von Autofahrern angemotzt, dass es da drüben einen Radweg gäbe. Aber es gibt keinen Radweg, das ist ein Landwirtschaftsweg, auf dem Radfahrer geduldet sind. Mit meinen Steuern habe ich die Straße mitbezahlt. Und wenn der Kiesweg nass und matschig ist, ist er zwar befahrbar, aber nicht zumutbar. Wenn er frisch gekiest ist und die großen Brocken draufliegen, sowieso nicht“, sagt Hanspeter Lutz.

Der 69-Jährige, der sich auch bei der Radlobby engagiert, fühlt sich auf dem Weg von Dornbirn nach Höchst oft alles andere als sicher. Auf eine alltagstaugliche Radverbindung durchs Ried wartet er schon lange. Dabei dürfte es vorerst auch bleiben. Wie kürzlich bekannt wurde, ist das Projekt „Radfahren durchs Ried“ wegen Budgetkürzungen des Landes ins Stocken geraten. Der Ende 2024 angekündigte Baustart im Herbst 2026 wurde verschoben. „Geplanter Baustart ist aktuell November 2027, abhängig von einem positiven Bescheid und zur Verfügung stehenden Mitteln“, teilten Landeshauptmann Markus Wallner und Verkehrslandesrat Christof Bitschi unlängst in einer Anfragebeantwortung mit.

Ried-Radweg vertagt: "Der Radler ist halt nichts wert"
Den Abstandhalter hat der 69-Jährige selbst entwickelt.

Gleichzeitig wurden die Fördersätze für Landesradrouten rückwirkend bis Juli 2025 von bisher bis zu 70 auf 50 Prozent und für örtliche Hauptradrouten von 50 auf 40 Prozent gekürzt. „Wenn ich mir die politische Konstellation der Landesregierung anschaue, war das eh klar. Das Problem ist die Denke für das Auto und damit automatisch gegen das Rad“, resümiert Hanspeter Lutz.

Ried-Radweg vertagt: "Der Radler ist halt nichts wert"
Hanspeter Lutz kennt die Gefahren auf der Strecke durchs Ried aus eigener Erfahrung. Für ein Projekt hat er 2022 die Überholabstände mit einem Messgerät dokumentiert. Negativrekord war ein Abstand von 29 Zentimetern zwischen Autokarosserie und Radfahrer.

Die Durchquerung des Rieds stellt Radfahrer derzeit vor Herausforderungen. Zum einen müssen weite Umwege in Kauf genommen werden und stark frequentierte bzw. enge Straßen genutzt werden. Zum anderen sind einige Riedwege nicht durchgängig und vielfach auch staubig. „Viele würden gerne radeln, trauen sich aber nicht, weil es keine vernünftige, alltagstaugliche Radverbindung gibt“, merkt der Dornbirner an.

Ried-Radweg vertagt: "Der Radler ist halt nichts wert"
Das Projekt “Radfahren durchs Ried”. Eine Achse führt von der Zellgasse auf dem bestehenden Wirtschaftsweg im Auer Ried über die Holzbrücke beim Sender, von dort weiter nach Lauterach und Wolfurt auf dem Damm des Landgrabens und auf dem bestehenden Wirtschaftsweg bis zum Radweg, der aus Dornbirn kommt. Eine weitere Achse führt – baulich getrennt von der Werbenstraße (L42) – vom Senderknoten nach Dornbirn. Land

Experten rechnen damit, dass auf den Radschnellverbindungen durchs Ried rund 1500 Radfahrer täglich unterwegs wären, darunter viele Pendler. Die Routen sollen abseits des Autoverkehrs verlaufen – entweder auf bestehenden Riedwegen oder baulich von der Straße getrennt. Die Umsetzung ist in drei Abschnitten vorgesehen: vom Senderknoten bis Lustenau, vom Senderknoten bis Wolfurt/Lauterach und vom Senderknoten bis Dornbirn-Werben.

Ried-Radweg vertagt: "Der Radler ist halt nichts wert"
Auf diesem Weg würde der Radweg zwischen Lauterach/Wolfurt und dem Sender verlaufen.

Das Fazit von Hanspeter Lutz fällt deutlich aus: „Der Radler ist halt nichts wert. Für den nimmt man kein Geld in die Hand.“ Den Abstandhalter hat er gebaut, um Autofahrer auf den nötigen Sicherheitsabstand aufmerksam zu machen. „Ich zeige die Idee jetzt einmal herum. Irgendwo braucht es etwas zum Schutz der Radfahrer. Es muss auch schnell abnehmbar sein. Wenn ich auf dem Radweg fahre, ist das Ding lästig”, erläutert er. Aktuell handelt es sich noch um einen Prototypen. Demnächst will der Dornbirner mit einem Modell aus dem 3D-Drucker nachlegen.

Ried-Radweg vertagt: "Der Radler ist halt nichts wert"
Im Jahr 2016 haben die Anrainergemeinden in einer Petition an das Land bessere Radverbindungen von Lustenau nach Lauterach, Wolfurt und Dornbirn gefordert. Gebaut wurden die Wege noch nicht.
Ried-Radweg vertagt: "Der Radler ist halt nichts wert"
„Warum nicht Rad fahren, wenn es die gesündere und umweltfreundlichere Alternative ist?“, fragt sich Hanspeter Lutz.
Ried-Radweg vertagt: "Der Radler ist halt nichts wert"
Die Durchquerung des Rieds stellt Fahrradfahrer derzeit vor Herausforderungen. Hanspeter Lutz würde sich neben einer Ried-Radverbindung auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung und eine Verkehrsinsel an der Radwegkreuzung beim ehemaligen Werbenhof wünschen. “Aber dafür ist der Autofahrer zu schade. Den darf man nicht blockieren”, ärgert sich der Dornbirner.
Ried-Radweg vertagt: "Der Radler ist halt nichts wert"
Mit dem selbst konstruierten Abstandhalter sollen Autofahrer auf Distanz gehalten werden. Der 69-Jährige ist passionierter Radfahrer und engagiert sich auch bei der Radlobby.