Ried-Radweg vertagt: “Der Radler ist halt nichts wert”

Hanspeter Lutz kritisiert die Verzögerungen und versucht derweil, die Autofahrer auf Distanz zu halten.
Dornbirn Um sich selbst zu schützen, hat Hanspeter Lutz (69) eine buchstäblich herausragende Lösung entwickelt. Der Dornbirner fährt in der Regel viermal pro Woche mit dem Fahrrad von Haselstauden zum Altersheim nach Höchst, wo seine Mutter lebt. Jahrelang war die Strecke durchs Ried auch sein Arbeitsweg. Seit Kurzem ist er dort mit einem selbst gebauten Abstandhalter unterwegs. Er ist ausziehbar und am vorderen Ende mit einem Blinklicht ausgestattet. „Wenn sich jemand aufregt, dass er einen Kratzer abbekommen hat, dann ist das quasi eine Selbstanzeige, weil er damit sagt, dass er mir zu nahe gekommen ist“, sagt Hanspeter Lutz.

Der 69-Jährige, der sich auch bei der Radlobby engagiert, fühlt sich auf dem Weg von Dornbirn nach Höchst oft alles andere als sicher. Auf eine alltagstaugliche Radverbindung durchs Ried wartet er schon lange. Dabei dürfte es vorerst auch bleiben. Wie kürzlich bekannt wurde, ist das Projekt „Radfahren durchs Ried“ wegen Budgetkürzungen des Landes ins Stocken geraten. Der Ende 2024 angekündigte Baustart im Herbst 2026 wurde verschoben. „Geplanter Baustart ist aktuell November 2027, abhängig von einem positiven Bescheid und zur Verfügung stehenden Mitteln“, teilten Landeshauptmann Markus Wallner und Verkehrslandesrat Christof Bitschi unlängst in einer Anfragebeantwortung mit.

Gleichzeitig wurden die Fördersätze für Landesradrouten rückwirkend bis Juli 2025 von bisher bis zu 70 auf 50 Prozent und für örtliche Hauptradrouten von 50 auf 40 Prozent gekürzt. „Wenn ich mir die politische Konstellation der Landesregierung anschaue, war das eh klar. Das Problem ist die Denke für das Auto und damit automatisch gegen das Rad“, resümiert Hanspeter Lutz.

Die Durchquerung des Rieds stellt Radfahrer derzeit vor Herausforderungen. Zum einen müssen weite Umwege in Kauf genommen werden und stark frequentierte bzw. enge Straßen genutzt werden. Zum anderen sind einige Riedwege nicht durchgängig und vielfach auch staubig. „Viele würden gerne radeln, trauen sich aber nicht, weil es keine vernünftige, alltagstaugliche Radverbindung gibt“, merkt der Dornbirner an.

Experten rechnen damit, dass auf den Radschnellverbindungen durchs Ried rund 1500 Radfahrer täglich unterwegs wären, darunter viele Pendler. Die Routen sollen abseits des Autoverkehrs verlaufen – entweder auf bestehenden Riedwegen oder baulich von der Straße getrennt. Die Umsetzung ist in drei Abschnitten vorgesehen: vom Senderknoten bis Lustenau, vom Senderknoten bis Wolfurt/Lauterach und vom Senderknoten bis Dornbirn-Werben.

Das Fazit von Hanspeter Lutz fällt deutlich aus: „Der Radler ist halt nichts wert. Für den nimmt man kein Geld in die Hand.“ Den Abstandhalter hat er gebaut, um Autofahrer auf den nötigen Sicherheitsabstand aufmerksam zu machen. „Ich zeige die Idee jetzt einmal herum. Irgendwo braucht es etwas zum Schutz der Radfahrer. Es muss auch schnell abnehmbar sein. Wenn ich auf dem Radweg fahre, ist das Ding lästig”, erläutert er. Aktuell handelt es sich noch um einen Prototypen. Demnächst will der Dornbirner mit einem Modell aus dem 3D-Drucker nachlegen.



