“Ich habe einen Nachteil davon”: Warum Marcel Gilly trotzdem seine Pension teilt

Viele wissen nicht einmal, was Pensionssplitting ist. Warum es laut Marcel Gilly viel mehr Personen machen sollten.
Höchst “Warum machst du das? Das ist doch ein Nachteil für dich, und du kannst es nicht mehr rückgängig machen”, bekam Marcel Gilly damals zu hören, nachdem er das Pensionssplitting beantragt hatte. Dabei kann der erwerbstätige Elternteil bis zu 50 Prozent seiner Pensionsgutschrift an jenen Elternteil übertragen, der sich überwiegend um die Kindererziehung kümmert. “Es stimmt, ich persönlich habe einen Nachteil davon, nämlich eine niedrigere Pension. Aber mir geht es ums Prinzip”, sagt der 44-Jährige aus Höchst.
Der Equal Pension Day am Sonntag soll auf die Pensionslücke zwischen Frauen und Männern aufmerksam machen. Diese ist in Vorarlberg im Vergleich zu den anderen Bundesländern am größten.
Noch sehr unbekannt
Gilly hat drei Kinder zwischen zehn und 16 Jahren. Ein paar Jahre nach der Geburt des ersten habe er das Pensionssplitting rückwirkend beantragt. “Ich habe meiner Frau das Dokument vorgelegt und sie gebeten, zu unterschreiben”, erinnert er sich. Ihr war diese Möglichkeit bis dahin nicht bekannt. “Viele kennen es nicht”, meint Gilly. Er selbst wusste durch seine Arbeit als Geschäftsführer der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) Vorarlberg davon.

Das freiwillige Pensionssplitting ist in Österreich seit 2005 möglich. Laut der Pensionsversicherungsanstalt (PV), die für die Umsetzung zuständig ist, nahmen es im vergangenen Jahr 160 Elternpaare in Vorarlberg in Anspruch. Wobei die Übertragungen nur von Männern gemacht wurden. Zehn Jahre zuvor waren es 20 Elternpaare in Vorarlberg. “Es müsste viel mehr Bewusstsein für das Thema geschaffen werden”, ist Gilly der Meinung.

So funktioniert’s
Seit Jahren ist in der Politik immer wieder ein automatisches Pensionssplitting im Gespräch. Bis dato muss jedoch aktiv ein Antrag mit ausgefülltem Formular gestellt werden. Bei einem Kind ist eine Übertragung für die ersten sieben Lebensjahre möglich, bei mehreren Kindern für insgesamt bis zu 14 Jahre. Neben den Jahren kann man auch die Höhe selbst bestimmen. Für Gilly war es selbstverständlich, den höchstmöglichen Anteil von 50 Prozent zu wählen.
“Wenn man Kinder bekommt, trägt man gemeinsam die Verantwortung für sie – egal ob bei der Erziehung, im Haushalt oder finanziell”, schildert der dreifache Vater. Für ihn ist das Pensionssplitting eine Wertschätzung der Familien- und Hausarbeit sowie die Möglichkeit, einen kleinen Ausgleich zu schaffen, um spätere Auswirkungen wie Altersarmut zu verringern.

Weniger Pension für Frauen
Der Equal Pension Day fällt in Österreich heuer auf Sonntag, den 9. August. Bis zu diesem Tag haben Männer durchschnittlich bereits so viel Pension erhalten wie Frauen bis zum Jahresende. Plakativ kann man sagen, dass Frauen im Vergleich 144 Tage keine Pension bekommen. Derzeit liegt die durchschnittliche Bruttopension der Männer bei 2664 Euro und die der Frauen bei 1614 Euro (in Vorarlberg bei 1408 Euro).

Hierzulande ist die Differenz am größten: Während der Pensionsunterschied zwischen Männern und Frauen in Österreich in diesem Jahr durchschnittlich 39,4 Prozent beträgt, sind es in Vorarlberg 46,4 Prozent. Als der Frauenausschuss des Österreichischen Städtebundes den Equal Pension Day im Jahr 2015 ins Leben rief, lag die österreichweite Differenz bei 43,3 Prozent.
“Der Equal Pension Day und das Pensionssplitting hängen unweigerlich mit Themen wie Kinderbetreuungsmöglichkeiten und Rollenbildern zusammen”, sagt Gilly. “Aber Bilder sind wandelbar und können aufgebrochen beziehungsweise neu gestaltet werden.”
