Braune Blätter mitten im Sommer: Warum Vorarlbergs Bäume jetzt ihr Laub abwerfen

Die derzeitige Dürrephase macht auch Bäumen zu schaffen. Das sind die Folgen.
Bregenz Ja, ist denn schon Herbst? Wer derzeit durch Vorarlberg fährt oder spaziert, könnte meinen, der Sommer sei vorbei. Vielerorts sind braune Blätter zu sehen; Bäume werfen ihr Laub ab. „Das sind Stressreaktionen“, sagt Stephan Philipp, Fachbereichsleiter für Waldökologie und Forstplanung beim Land und stellvertretender Landesforstdirektor. „Dürre ist immer ein Stress für Bäume, die einen relativ hohen Wasserbedarf haben. Ein Baum reagiert zunächst, indem er die kleinen Öffnungen an den Blättern, durch die das Wasser verdunstet, schließt. Wenn es noch trockener wird, muss er die Verdunstungsfläche radikal reduzieren. Dann wirft er sein Laub vorzeitig ab, damit er nicht austrocknet.“

Dass Bäume durch die Trockenheit absterben, sei sehr selten. Grundsätzlich kämen Bäume, die Jahrhunderte am gleichen Standort stehen, auch mit solchen Phasen zurecht. „Das Hauptproblem solcher Dürrephasen ist, dass der Baum geschwächt wird und in den Folgejahren Forstschädlinge zunehmen. 2003 konnte man das sehr gut beobachten“, führt der Waldökologe und Forstplaner aus. Besonders gefürchtet ist der Borkenkäfer. Durch seine exponentielle Vermehrung können aus einem befallenen Baum schnell zehn weitere befallene Bäume werden. „Beim Borkenkäfer ist es sehr wichtig, früh zu reagieren und die befallenen Bäume rasch aus dem Wald zu entfernen, um die Population zu reduzieren und Schäden möglichst zu verhindern. Durch das Borkenkäfermonitoring sehen wir sehr gut, wann die Käfer zu fliegen beginnen und wie viele von ihnen unterwegs sind“, erklärt der Experte.

Dass die Blätter mancherorts braun und andernorts noch grün sind, hat laut Philipp vor allem mit der Bodenbeschaffenheit zu tun. Bei sandigen oder kiesigen Böden rinnt das Wasser schnell durch. Auch im Gebirge, wo oft nur eine dünne Humusschicht über dem Fels liegt, geraten Bäume schneller in Bedrängnis. Lehmige Böden hingegen speichern das Wasser deutlich länger. Laub, das leicht verrottet, fördert den Humusaufbau. Der Fachbereichsleiter ergänzt: „Ein humoser Waldboden ist wie ein Schwamm. Je besser der Wald Wasser speichert, desto besser kann er solche Trockenphasen überstehen.“
Auch der Zeitpunkt der Pflanzzeit kann entscheidend sein. „Grundsätzlich wird im Frühjahr oder im Herbst gepflanzt. Ich persönlich finde die Herbstpflanzung etwas besser, weil die Bäume dann schon anwurzeln können und im Frühling das Schmelzwasser haben. Bei den Frühjahrspflanzungen hat man jetzt schon teilweise etwas Probleme“, erläutert der stellvertretende Landesforstdirektor.

Die gute Nachricht: Eine Entwaldung droht Vorarlberg nicht, sagt Philipp. „Der Wald wird sich ein bisschen verändern, andere Baumarten werden dazukommen. Das muss man jetzt schon steuern. Im Wald verfolgt man immer einen langfristigen Ansatz.” Um das Risiko zu streuen, setzt die Forstwirtschaft verstärkt auf Baumartenmischungen. Neben der weniger trockenheitsanfälligen Eiche könnten auch Baumarten aus anderen Kontinenten wie die nordamerikanische Douglasie künftig eine Rolle spielen. „Der höchste Baum in Vorarlberg ist eine Douglasie am Pfänder“, merkt Stephan Philipp an.