Dieses Wesen macht den Fischen den Garaus

Im Bodensee vermehrt sich die Quagga-Muschel explosionsartig. Am Alten Rhein wird gewarnt.
Bregenz, Lustenau Das Schild beim Zugang zum Alten Rhein in Lustenau auf Höhe “Rohr” ist nicht aufdringlich, aber auch nicht zu übersehen. “Vorsicht blinde Passagiere”, heißt es dort im Titel. Gewarnt wird vor invasiven Arten. Aufgelistet sind, mit Illustrationen versehen, die Nuttalls Wasserpest-Pflanze, die Schwarzmund-Grundel, der Große Höckerflohkrebs und die Quagga-Muschel. Reinigen, kontrollieren und trocknen sollen die Alten Rhein-Bader alle Gegenstände, die sie mit ins Wasser nehmen. Um ja keinem dieser Fremdlinge den Zugang zum beliebten Badegewässer zu ermöglichen.

Noch keinen Plan B
Vor allem die Quagga-Muschel fürchten Badegäste und Gemeinde-Verantwortliche. “Wir wollen alles tun, um das Eindringen der Quagga-Muschel im Alten Rhein zu verhindern”, sagt Bettina Epple, seit Kurzem in der Gemeinde Lustenau zuständig für Umweltangelegenheiten. Hinweise aus der Bevölkerung auf eine mögliche Präsenz der Quagga-Muschel habe es noch nicht gegeben, die Hoffnung lebe, durch gezielte Informationen die Sinne bei den Menschen so zu schärfen, dass die invasive Art nicht ins Wasser gelangt. “Was wir tun würden, sollte die Quagga-Muschel plötzlich auftauchen und sich ausbreiten, wissen wir nicht. Wir haben keinen Plan B”, betont Epple.
Man tausche sich regelmäßig mit Verantwortlichen aus Hohenems, Diepoldsau und Hohenems aus, um stets auf dem aktuellsten Informationsstand zu sein.
Vermehrt sich immer und überall
Was die Quagga-Muschel anrichten kann, wird am Bodensee immer deutlicher. “Im Uferbereich ist sie bereits so dicht vorhanden, dass sie sich gar nicht mehr stärker ausbreiten kann”, weiß Gewässerökologe Alexander Düregger (36). Da die kleine Muschel harte Schalen mit scharfen Kanten hat, verletzen sich immer mehr Badende daran. Quagga-Muscheln picken an Steinen, an den im Wasser liegenden Oberflächen von Booten, an Holzpfählen. “Sie sind aber nicht nur dort, sondern breiten sich auch in den Tiefen des Sees immer mehr aus”, berichtet Düregger. Quagga-Muscheln filtern Wasser, entziehen diesem wichtige Nährstoffe wie Plankton. Davon ernähren sich viele Fischarten, ein Rückgang des Fischbestandes im See scheint vorprogrammiert.

Überdies reproduzieren sich Quagga-Muscheln zu jeder Jahreszeit und in allen Wasserschichten, ungeachtet der Temperatur. Natürliche Feinde, die ihre Zahl reduzieren könnten, haben sie bislang nicht.
DNA-Tests beginnen
Die aus der Schwarzmeer-Region stammende invasive Art wurde 2016 zum ersten Mal im Bodensee registriert und hat sich seitdem exponentiell vermehrt. In Österreich hat sie laut Düregger bereits den Attersee und den Mondsee verändert. “Dort sind sie zu einem echten Ärgernis geworden”, erläutert der Gewässerökologe. In Nordamerika hat die Quagga-Muschel den Michigansee ökologisch komplett gekippt und viele Fischarten zum Verschwinden gebracht.

In Vorarlberg wird in den nächsten Tagen ein sogenannter e-DNA-Test in zehn Gewässern durchgeführt. Er soll Klarheit darüber bringen, wo die Quagga-Muschel bereits präsent ist. Mit einem Ergebnis ist in einigen Wochen zu rechnen.