Streiflicht: Duschen mit Denkpause
Der Mann dreht das Rad bis zum Anschlag auf, aber mehr Wasser kommt nicht. Die Dusche tröpfelt. Ist sie kaputt? Der Hafenmeister muss her! Schon kräuselt Ärger die Stirn. Die Dusche am Badestrand des Bregenzer Segelhafens „haben sie gedrosselt“, weiß ein Badegast. „Ja, dürfen s’ denn das?“, fragt der Mann auf gut österreichisch. Oder müssen sie gar, weil das Wasser knapp wird? Am Rand des plätschernden Sees glaubt das kaum jemand. Dabei ist der Wasserstand so niedrig wie zuletzt 1864.
Umständlich duscht sich der Mann. Er turnt dem Rinnsal hinterher und erwischt jeden Körperteil. Kopfschüttelnd trottet er an seinen Liegeplatz zurück. Die Duschen eingeschränkt, hat man sowas schon gesehen? Nein, hat man nicht. Aber das ist auch kein Sommer, wie man ihn schon dutzendmal erlebt hat.
Die tröpfelnden Duschen werden an diesem Tag nicht mehr rege diskutiert. Sie sind auch wirklich defekt und werden repariert. Aber wann immer ein Mensch an diesem Tag vom Schwimmen gewohnheitsmäßig zur Dusche trippelt, folgt ein Augenblick des Erstaunens. Dann macht es Klick. Es macht Klick auf der Haut. Würde es jetzt noch Klick in den Köpfen machen, wären wir im Kampf gegen den Klimawandel weiter. Denn die Duschen werden eines Tages wirklich versiegen. Und nicht nur sie.
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