Vorarlberg kämpft mit der Futterknappheit

VN / 11.08.2026 • 15:44 Uhr
Biohof Gavadura Familie Battlogg
Alexandra Battlogg ist Bio-Landwirtin aus Überzeugung. Am Biohof Gavadura betreibt sie mit ihrer Familie unter anderem Mutterkuhhaltung. Heuer müssen die Kühe aufgrund der Dürre früher von der Alpe.Benjamin Salizzoni

Die anhaltende Dürre lässt das Gras vertrocknen. Immer mehr Kühe werden geschlachtet, die Fleischpreise sinken.

St. Anton im Montafon Der Winter beginnt für Alexandra Battlogg schon im August. Was sonst erst im Herbst ansteht, wird heuer zur akuten Frage: Wird das Futter für ihre Tiere reichen? Auf den Wiesen des Biohofs Gavadura wächst wegen der Trockenheit deutlich weniger Gras. “Das Gras verschlüpft im Boden, weil es zu heiß ist. Bisher hatten wir noch nie so wenig Futter.”

Die anhaltende Trockenheit verschärft in ganz Vorarlberg die Futterknappheit. Je nach Region wurden heuer 20 bis 50 Prozent weniger Grundfutter geerntet als üblich, informiert die Landwirtschaftskammer. Besonders betroffen ist das Grünland, das eine zentrale Rolle für die Vorarlberger Landwirtschaft spielt. Österreichweit umfasst es rund 1,3 Millionen Hektar.

Mehr Schlachtungen

Die Folgen: Laut ARGE Rind wurden rund dreimal so viele Schlachtkühe wie üblich vermarktet. Für Vorarlberg liegen laut Landesrat Christian Gantner zwar noch keine belastbaren Zahlen vor, die Ländle Viehvermarktung meldet aber steigende Schlachtzahlen, insbesondere bei Milchkühen und Rindern. „Noch im Juli lagen die Schlachtzahlen auf einem mit dem Vorjahr vergleichbaren Niveau“, sagt Gantner. Üblicherweise steigen die Zahlen erst nach der Alpsaison. Bei Schlachtkühen sind die Preise österreichweit bereits um bis zu 25 Prozent gegenüber der Kalenderwoche 28 gefallen, bei Stieren, Ochsen und Kälbern laut Landwirtschaftskammer hingegen noch stabil.

In Vorarlberg werden rund 65.000 Rinder gehalten. Davon entfallen rund 25.500 Tiere auf Milchkühe und rund 4.000 Tiere auf Mutterkühe.

“Wir haben zum Glück schon im Frühjahr unseren Bestand reduziert. Denn das Grundfutter wird aktuell teurer und der Fleischpreis immer schlechter, weil jetzt alle schlachten möchten”, berichtet Battlogg. Sechs Mutterkühe, sechs Kälber und ein Stier sind übrig. Ob weitere Tiere geschlachtet werden müssen, entscheidet sich im Herbst. “Wenn das Grundfutter nicht reicht, werden wir schauen müssen.”

Biohof Gavadura Familie Battlogg
Biohof Gavadura, Familie Battlogg

Früherer Alpabtrieb

Die Situation wird auch dadurch verschärft, dass die Tiere wohl früher von der Alpe hinuntergetrieben werden müssen. “Es gibt dort zu wenig Gras und Wasser”, sagt Battlogg. “Damit wird bereits im August Winterfutter verfüttert – statt sonst erst Mitte Oktober bis Anfang November”, sagt Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger.

Die ARGE Rind fordert angesichts der Futterknappheit, Lebendimporte von Schlachtrindern vorübergehend auszusetzen. Normalerweise werden bis zu 1000 Kühe pro Woche zur Schlachtung nach Österreich importiert. Moosbrugger unterstützt eine kurzfristige Reduktion, verweist aber darauf, dass Österreichs Viehwirtschaft exportorientiert ist. Auch Rinder aus Vorarlberg gehen über die Landesgrenze.

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“Linke Tasche, rechte Tasche”

Rund 80 Prozent der Ackerbauern und 40 Prozent der Grünlandbetriebe haben eine Dürreversicherung. Um Hilfen für nicht versicherte Betriebe ist ein politischer Streit entbrannt. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) fordert Unterstützung, Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) sieht dagegen wenig Spielraum, das Agrarressort solle Budgetposten umschichten, etwa bei den 50 Millionen Euro für die Förderung von Agrardiesel. Eine “Koste-es-was-es-wolle-Politik” werde es nicht geben.

Moosbrugger reagiert scharf: “Diese Antwort des Finanzministers nehme ich nicht zur Kenntnis.” Es gehe um die Existenzen von Bauernfamilien und die Versorgungssicherheit. Im Landwirtschaftsbudget sei nach mehreren Sparpaketen “die Luft weg”. Geld umzuschichten, sei “nur linke Tasche, rechte Tasche”.

“Die Dürre ist leider nur eine weitere Herausforderung für uns Landwirte”, sagt Battlogg dazu. Die Familie hat mehrere Standbeine, doch auch das Obst leidet schon. “Landwirte, die viel Vieh haben, spüren das sicher stark in der Kassa. Natürlich bin ich dafür, dass das ausgeglichen wird.”

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