Vielleicht ein Neubeginn

VN-Kommentar von Walter Fink.
In dieser Woche sind Entscheidungen gefallen, die Vorarlbergs Medienlandschaft wesentlich verändern und auf lange Sicht beeinflussen werden. Die gesamte Führungsmannschaft des ORF wurde neu bestellt – und das mit deutlicher Vorarlberger Beteiligung. Der designierte Generaldirektor Clemens Pig ließ sich vom Stiftungsrat seine Mannschaft bestätigen, die vier Direktorinnen und Direktoren in der Zentrale ebenso wie die neun Landesdirektorinnen. Dabei wurde die bisherige Chefredakteurin unseres Landesstudios, Angelika Simma-Wallinger, mit der Direktion für Audience und Plattformen in Wien betraut. Nachdem ich mir darunter nicht wirklich genau vorstellen konnte, was damit gemeint ist, habe ich nachgefragt: „Wir kümmern uns darum, wen wir erreichen und über welche Plattformen wir diese Menschen erreichen.“ Es geht also, wenn ich das richtig verstanden habe, darum, neue Zielgruppen nicht nur über die ORF-Kanäle, sondern auch über Plattformen wie YouTube oder Instagram und andere zu erreichen. Eine wichtige Aufgabe, wenn man sieht, wie der ORF vor allem junges Publikum an die Sozialen Medien verliert.
Eine für Vorarlberg wesentliche Änderung wird es auch in Dornbirn geben. Der Vertrag mit dem bisherigen Landesdirektor, Markus Klement, wird nicht verlängert, an seine Stelle tritt mit 1. Jänner 2027 Julia Ortner – aus bekanntem Vorarlberger Mediengeschlecht. Ihr Vater, Thomas Ortner, war nicht nur jahrzehntelang in der Information des ORF in Wien tätig, sondern zwei Jahre auch Chefredakteur der „Vorarlberger Nachrichten“, ihr Großvater, Franz Ortner, war jahrzehntelang Chef der VN. Das sagt natürlich nichts aus über die neue Landesdirektorin, allerdings kann auch sie selbst auf eine lange journalistische Karriere zurückblicken, in den letzten Jahren auch als Kolumnistin bei den VN.
Das unterscheidet sie deutlich von ihrem Vorgänger Markus Klement, dem solche Vorleistungen abgingen. 2012 wurde er als Direktor bestellt, er steht somit seit 15 Jahren, also drei Perioden, an der Spitze des Landesstudios. Zu lange, wie ich meine. Denn Klement hat sich schon mit Beginn seiner Amtszeit nicht gerade als Fels in der Brandung für den freien Journalismus, sondern eher mit Wohlverhalten gegenüber der Zentrale in Wien und der Vorarlberger Landesregierung hervorgetan. Vor allem hat er die Kulturredaktion dieses Studios schlichtweg ruiniert. Er hat ihr die besten Sendeplätze genommen, hat sie personalmäßig ausgedünnt, er hat die „Plattform gegen den Kulturabbau beim ORF Vorarlberg“, der sich 2000 Künstlerinnen, Künstler und nahezu alle wichtigen Kulturveranstalter angeschlossen hatten, schlicht negiert, sich nie einer Diskussion gestellt, er hat eigenhändig Bücher aus der ORF-Bibliothek in den Papierabfall entsorgt – die Auflistung ließe sich fortsetzen. Aber das macht keinen Sinn. Vielmehr möchte ich der Hoffnung Ausdruck geben, dass die neue Direktorin dem Journalismus im Landesstudio seine Kraft zurückgibt und der Kultur den ihr gebührenden Stellenwert wieder einräumt. Dann wäre schon viel geschehen.