„Es wurde immer weniger“: Am Freschenhaus geht das Wasser aus

Kein Trinkwasser, geschlossene Waschräume und Dixiklos für Tagesgäste: Am Freschenhaus wird Wasser zum kostbaren Gut. Hüttenwirtin Katrin Schmid hofft auf Regen.
Laterns Vier Dixiklos stehen an der Hauswand des Freschenhauses. Diese wurden kürzlich mit dem Helikopter hinaufgeflogen, nachdem das Wasser nicht einmal mehr für die Klospülung gereicht hatte. Das Freschenhaus liegt trocken. Trinkwasser gibt es keines mehr.


Im Umfeld des Freschenhauses gibt es keine Quelle. Hüttenwirtin Katrin Schmid ist auf Oberflächenwasser angewiesen, das gefasst und durch eine UV-Anlage gefiltert wird. Doch Oberflächenwasser ist so gut wie keines mehr vorhanden. Und wenn doch, ist es so verschmutzt, dass die UV-Anlage es nicht mehr reinigen kann. „Der Boden ist zu sandig“, sagt Hüttenwirtin Katrin Schmid. Das Karstgestein hier oben wäre „Gift“ für die Anlage.

Hoffnung auf zweites Rinnsal
Katrin Schmid ist das vierte Jahr auf dem Freschenhaus. Die Wasserversorgung war schon immer instabil, doch dass sie komplett ausfällt, hat sie noch nicht erlebt. „Es wurde immer weniger und weniger“, schildert Katrin Schmid. Sie hofft auf kältere Nächte, da sich durch den Tau etwas Wasser sammelt. Kürzlich hat sie ein zweites Rinnsal unterhalb der Hütte entdeckt. Dessen Wasser wird mit einer Benzinpumpe hinaufgepumpt. Katrin Schmid hofft, dass dadurch die UV-Anlage wieder anspringt.


Das Freschenhaus, das zum Alpenverein Vorarlberg gehört, verfügt über mehr als 50 Betten. Hausgäste dürfen den Waschraum jeweils eine Stunde am Morgen und am Abend nutzen. Auch eine Toilette ist für sie geöffnet. Duschen sind schon lange nicht mehr in Betrieb. Für Tagesgäste stehen die Dixiklos zur Verfügung. Diese werden mithilfe der biologischen Kläranlage gereinigt, denn Katrin Schmid will sie „so angenehm wie möglich für die Gäste“ machen.


Kürzlich hat es 15 Minuten geregnet. Das reiche bei Weitem nicht aus. „Der Boden ist so trocken. Der Regen zieht immer an uns vorbei, obwohl es um uns herum schwarz am Himmel ist. Aber es kommt nichts.“ Würde es mehrere Tage regnen, wäre es wieder gut. Zurzeit gebe der Boden aber kein Wasser ab, sagt Katrin Schmid.

Trockentoilette
20-Liter-Kanister mit Trinkwasser werden mit der Materialseilbahn von der Saluveralpe zum Freschenhaus transportiert. Die Kanister sind vor allem für die Küche gedacht. Gäste müssen Trinkwasser in Flaschen kaufen. Wasser am Berg sei nicht selbstverständlich und Trinkwasser werde zunehmend knapper. „Daran müssen wir uns gewöhnen.“ Künftig könnten höhere Kosten für die Wasserversorgung anfallen. Dieser Sommer sei „ein beispielhafter Sommer“ für die nächsten Jahre. „Es ist kein Geheimnis, dass es trocken wird.“ Deshalb brauche es Alternativen für die Zukunft. Für nächstes Jahr ist eine Trockentoilette für die Tagesgäste geplant.


3500 bis 4500 Liter Wasser benötigt die Hütte regulär pro Tag. Diesen Verbrauch wolle man nun auf ein Minimum reduzieren. Deshalb werde etwa der Durchfluss an den Wasserhähnen reguliert. Müsste man alle drei Tage Wasser hinauffliegen, wäre das „unglaublich teuer“, sagt Katrin Schmid. „Dann würde ein Glas Wasser 18 Euro kosten.“

Wichtigster Monat
Für sie ist der August der wichtigste Monat. „Wenn wir jetzt schließen würden, hätten wir ein wahnsinniges Verlustgeschäft. Wir machen den meisten Umsatz im August.“ Der 4. Oktober ist der letzte Tag auf der Hütte. Daran versucht Katrin Schmid festzuhalten. „Alles andere täte weh.“ Es sei paradox, denn eigentlich herrsche perfektes Wanderwetter. Mit der Buchungslage ist die Memmingerin daher zufrieden.

Sie hofft, dass sich die Wasserknappheit bis Oktober wieder etwas entspannt. Die meisten Gäste hätten auf die Sparmaßnahmen verständnisvoll reagiert, die übrigen fünf Prozent mit Zorn. „Wenn es jemand nicht ertragen kann, ist er falsch am Berg“, sagt sie.

