Causa Massombo: Altach wütend auf Ex-Coach Ingolitsch

Altach ist wegen Massombo wütend auf Ingolitsch – in Graz bemüht man sich um Coolness.
Graz Das große Thema in Graz war der, der nicht da war. Flügelspieler Yann Massombo hatte das Auswärtsspiel kurzfristig verweigert. Mutmaßlich, weil der SK Sturm seine Verpflichtung forcieren soll. Dass Massombo ein interessanter Spieler sei und Sturm Bedarf habe, sagte Fabio Ingolitsch, der Massombo zuvor in Altach gecoacht hatte. In Graz war man versucht, die Causa herunterzuspielen. Man kenne die Automatismen in einer Transferphase, sagteSportchef Michael Parensen bei Sky, mit Jeyland Mitchell, hätte man ja selbst einen wechselwilligen Spieler vorgeben müssen. Wann und von wem Massombo kontaktiert wurde, wollte Parensen nicht sagen: „Das ist eine Geschichte von Altach, wir haben damit nichts zu tun.“ Eine VN-Anfrage an Massombos Berater blieb unbeantwortet.
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.
Fakt ist: Yann Massombo absolvierte das Abschlusstraining am Freitag, auch beim Essen war er dabei. Dann, kurz vor der Abfahrt, weigerte er sich, in den Bus zu steigen. So erzählte es Kapitän Lukas Jäger bei Sky. “Da war dann ordentlich Betrieb bei uns im Trainingszentrum.” Die feine englische Art sei das alles nicht, aber da müssten sich andere Herren hinterfragen. “Sehr sehr kurios und absolut nicht korrekt” sei das, sagte Sportdirektor Philipp Netzer im Sky-Interview. Er bat darum, “den Sturm-Trainer nach dem Spiel zum Interview zu bitten. Vielleicht ist er so ehrlich und bezieht da klar Stellung.” Das Wiedersehen mit Fabio Ingolitsch, eisiger hätte es kaum ausfallen können.
Zaric: “Ethisch-moralisch nicht nachvollziehbar”
Respekt sei für ihn sehr wichtig, sagte Altachs Trainer Ognjen Zaric. “Respekt” war auch das Wort, das er, eingefangen von den TV-Kameras, Ingolitsch entgegenwarf, als er ihm einen Handschlag abrang. “Wenn ich von der Mannschaft höre, dass ein Trainer – im Beisein von weiteren Spielern – einen unserer Spieler einen Tag vor einem Spiel kontaktiert, dann vertritt das nicht meine Wertvorstellungen.” Es sei erschreckend, dass ein Spieler am Tag vor einem Spiel mit Anrufen verrückt gemacht werde, sagte Netzer, der meinte, ein Muster zu erkennen. Paul Koller wechselte im Winter zwei Tage vor dem Cupduell gegen Sturm nach Graz, Athletiktrainer Christoph Zellner wurde im Sommer abgeworben. Auch eine Zukunft von Massombo in Altach scheint eher unwahrscheinlich.

“Ich weiß nicht genau, wo das böse Blut herkommt vom Herrn Netzer”, sagte Ingolitsch bei Sky. Was Altach Sturm genau vorwerfe, wisse er auch nicht, sagte er auf der Pressekonferenz. Es sei ja leider niemand auf ihn zugekommen. Wenn Netzer ein Anliegen habe, könne er gerne anrufen, seine Telefonnummer sei noch die gleiche. “Er kann auch heute vorbeikommen, ich bin ja da. Dann können wir das Face-to-Face klären, was auch immer er besprechen möchte”, so Ingolitsch.
Auch er sprach von Prozessen, wie sie in einer dynamischen Phase der Transferperiode laufen würden. Dass sich für Spieler und Vereine Optionen ergeben würden sei normal, man müsse mit Veränderungen umgehen können. “So haben wir es mit Jeyland Mitchell gemacht, der gestern mit einem Anliegen zu uns gekommen ist, und wir versuchen gemeinsam, eine Lösung zu finden.” Was Ingolitsch auch sagte, war, dass er die letzten Tage nicht nur mit Yann Massombo gesprochen habe, sondern mit vielen Spielern. Wann der letzte Kontakt zu Massombo stattgefunden hat, das wollte Ingolitsch auf Nachfrage der VN aber nicht sagen – und ging damit auf den konkreten Vorwurf Altachs – die Kontaktierung des Spielers kurz vor der Abfahrt – nicht ein. “Ich will keine Diskussionen öffentlich führen, weil es nicht mein Stil ist”, so Ingolitsch.

Dass das ganze in einer knapp neunstündigen Zugfahrt natürlich Thema sei, könne man nicht wegdiskutieren, sagte Zaric. Er erwähnte mehrmals die Rechtspflegeordnung des ÖFB und apellierte an dessen Gremien, sich den Fall genau anzuschauen. Fündig werden könnte Altach auch im “Reglement bezüglich Status und Transfer von Spielern” der FIFA. Darauf verwies Ingolitsch kurioserweise indirekt und ohne Not in seinem Pre-Match-Interview bei Sky. “Wir können uns alle ins Gesicht lügen und sagen, dass es nie Kontakt gibt mit Spielern, die weniger als sechs Monate Lauffrist haben”, sagte er da.
Yann Massombo hat in Altach einen Vertrag bis 30. Juni 2027 plus Option auf ein weiteres Jahr. Die FIFA sagt in ihrem Reglement klar, dass ein Profispieler einen Vertrag mit einem anderen Klub nur abschließen darf, wenn sein Vertrag abgelaufen ist bzw. in den kommenden sechs Monaten ablaufen wird. Zudem muss der aktuelle Klub von einem interessierten Klub schriftlich informiert werden, bevor der mit einem Spieler verhandeln darf. Der SCR Altach informierte am Freitag in einem Statement, dass bis dahin weder eine offizielle Anfrage noch ein Angebot für Massombo vorgelegen hätte. Bei einem Verstoß gegen besagten Punkt 18.3 sind übrigens “angemessene Sanktionen” vorgesehen.