Hinterbliebene fordern gepflegten Friedhof in Lochau: “Das ist eine Schande für die Toten”

Wildwuchs, kippende Hecken und abgesackte Grabsteine: Am Friedhof in Lochau macht sich neben Unkraut viel Ärger breit. Nun will die Gemeinde dagegen vorgehen.
Lochau Am Friedhof ist es still. 34 Grad im Schatten, keine Sitzmöglichkeit, keine Bäume, aber Bürger, die sich in der Hitze des Gefechts ärgern. Für Hinterbliebene wie Astrid Bickel ist das längst kein kleines Ärgernis mehr. Ihre Eltern und ihr Bruder sind hier beerdigt. Sie selbst kommt fast täglich und pflegt das Grab eigenhändig. “Es ist so ungepflegt”, sagt Bickel.

Bürger schämen sich für die Gräber
Vor allem das Unkraut und die Hecken stören sie. Früher habe der Friedhof anders ausgesehen. Heute müsse sie selbst rund um das Grab Hand anlegen. “Ich wünsche mir einfach einen schönen Friedhof”, so Bickel.

Fachmann beschwert sich
Einer, der die Situation besonders kritisch sieht, ist Alexander Bischof. Er beschäftigt sich seit rund 30 Jahren mit Friedhofsgestaltung und wird hier selbst einmal begraben, neben seiner Mutter. “Am liebsten würde ich das Grab meiner Mutter auf einen anderen Friedhof umlegen lassen”, sagt er. Es sei eine Schande für die Toten.

Bischof hat nach eigenen Angaben bereits vor acht Jahren der Gemeinde angeboten, den Friedhof zu bewirtschaften und professionell in Ordnung zu halten. Eine Antwort habe er bis heute nicht erhalten. Inzwischen betreut er den Friedhof in Kennelbach. Besonders die Hecken seien aus seiner Sicht ein Problem. Sie hängen über die Gräber, ihre Wurzeln könnten langfristig Schäden verursachen. “Hier sieht es aus wie in einem Wald, und dafür zahlen wir Gebühren.”

Auch Hildegard Konzett, deren Mann Heinz-Dieter seit 24 Jahren in Lochau bestattet ist, kommt regelmäßig zum Grab. Sie beobachtet die Entwicklung seit Jahren kritisch. Das Grab musste bereits zweimal aufgerichtet werden, weil es sich abgesenkt hatte. Auch die darüberhängende Hecke sei längst ein Problem. “Ich schäme mich, so mit Besuch ans Grab zu gehen”, sagt sie.

Die Kritik der Angehörigen ist in der Gemeinde bekannt. Der Friedhof ist aktuell noch in der Hand der Pfarre, wird jedoch demnächst in die Gemeindeverantwortung übergeben. Bürgermeister Matt räumt ein, dass der Unmut über die Friedhofspflege seit Jahren bestehe. Deshalb solle sich künftig mehr ändern, und man wolle an eine Neugestaltung und eine bessere Pflege gehen. “Professionelle Pflege kostet jedoch Geld, und diese Kosten müssen wir weitergeben”, macht Matt deutlich. Gleichzeitig verweist er auf die geltende Friedhofsordnung.
Erhaltung und Pflege der Grabstätten
Die Benützungsberechtigten haben für die ordentliche Erhaltung und Pflege der Grabstätten einschließlich des Grabmals zu sorgen. Diese umfasst insbesondere auch die Unkrautentfernung im Bereich der Wege zwischen den Gräbern und den Grabreihen sowie die Bekiesung derselben mit dem seitens der Friedhofsverwaltung bereitgestellten Kies.
(Auszug aus der Friedhofsordnung Lochau, Punkt 14, Absatz 1)

Ein zeitgerechter Friedhof
Früher konnten Wege mit Unkrautvernichtungsmitteln behandelt werden, heute sei das nicht mehr möglich, und damit werde die Pflege zur Handarbeit, so Matt. Deshalb stelle sich auch grundsätzlich die Frage, wie ein zeitgemäßer Friedhof in Lochau aussehen soll. Müssen Kieswege tatsächlich vollständig unkrautfrei sein? Braucht es mehr Bäume und Begrünung?

Im östlichen Bereich gebe es einen Schattenplatz, der sich für eine Bank oder einen Aufenthaltsbereich eignen würde, regen die Bürger an. “Wir sind für jeden Vorschlag offen und dankbar”, sagt der Bürgermeister.

Umdenken ist möglich
Noch grundsätzlicher wird die Frage bei den Bestattungsformen. Immer mehr Menschen würden sich für eine Urnenbestattung entscheiden. Wenn Angehörige nicht mehr in der Lage seien, Gräber und deren Umfeld zu pflegen, müsse man überlegen, ob die klassische Form des Friedhofs noch überall notwendig sei. Denkbar wären Bereiche mit einzelnen Grabsteinen, während das Umfeld gärtnerisch gestaltet wird.
Für die Kritiker kommt das alles spät. Sie wollen nicht nur Konzepte, sondern sichtbare Veränderungen. Nach dem Gespräch mit den VN sei der Bauhof gekommen und habe sich gleich um Ordnung auf dem Friedhof gekümmert, heißt es seitens eines Angehörigen.