“Pforte-Spaziergang” zu Kriegsorten

“Krieg & Frieden” als Motto für geschichtsträchtigen Nachmittag mit Musik zweierlei Typs.
Feldkirch An schreckliche Ereignisse zwischen den Jahren 1446 (Schlacht bei Ragaz) bis 1943 (Zweiter Weltkrieg) erinnerte Historiker Rainer Bayer bei einem Rundgang zu verschiedenen Kriegsschauplätzen in Tosters. Der Erlös der im Rahmen der Reihe “St. Corneli Konzerte” durchgeführten Veranstaltung kommt zur Gänze dem “Mutmacherkonto” von “Musik in der Pforte” zugute, mit dem schon eine Reihe von Karrieren junger Musiker:innen ermöglicht bzw. gerettet wurden.

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Beim “Pforte Chamber Music X Change Vienna” hat sich für die Veranstaltung das aus Radisemolo Modise (1. Violine), Hloni Mokonea (2. Violine), Ali Delangiz (Viola) und der an der Stella Vorarlberg Musikhochschule studierenden israelischen Cellistin Avishag Brand gebildet. “Die tiefste Sehnsucht des Menschen ist neben der nach Liebe wohl die nach Frieden”, stellte “Pforte”-Leiter Klaus Christa bei der Begrüßung in der Pfarrkirche Tosters fest.

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Das Quartett spielte zuerst eine Improvisation iranischer Klänge, ein Arrangement von Modise und das Streichquartett Nr. 8 von Schostakowitsch, das dieser nach einer Fernsehdokumentation über die Bombardierung von Dresden innerhalb von nur drei Tagen schrieb.

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Historiker Bayer nannte “die derzeitige weltpolitische Lage” als Anlass für die Wahl des Themas und erklärte die spezielle, vorgegebene Sitzordnung in der Kirche: “Genau hier hat am 1. Oktober 1943 eine der fünf auf Tosters abgeworfenen Bomben eingeschlagen”. Das frühere Kirchengebäude ist 35 Meter weiter gestanden.
Die zweite Station des Rundgangs war 90 Meter weiter, auf dem Parkplatz vis-à-vis der neuen Kirche. Dort hat der damalige Volksschulleiter Johann Schöch mit sehr viel Glück eine weitere Bombe überlebt. Er war vier Meter neben dem dreieinhalb Meter tiefen Krater mit zwölf Metern Durchmesser entfernt und im “Toten Winkel”. Das Haus daneben wurde schwer beschädigt, auf der Rückseite wurde durch die Druckwelle eine schwere Riebelpfanne aus dem Fenster geschleudert. In der Umgebung wurden mehrere Personen getötet, viel schlimmer waren die Folgen der Bombe, die Lazarett und Lehrerinnenbildungsanstalt im Antoniushaus mit letztlich rund zweihundert Toten. Dieser Angriff führte zum Anlegen des Soldatenfriedhofs und eines Schutzstollens.

Wegen der großen Hitze spielte das “Pforte von Morgen”-Quartett nur in der Pfarrkirche und später in der Wolfgang-Kapelle, auf Musik an den einzelnen Stationen wurde verzichtet. Dafür gab es als Überraschung einen Zwischenhalt unter dem großen Baum und dem Carport vor dem Haus von Stadtrat Bernhard Kiener. Dort konnten sich die Teilnehmer:innen des musikalischen Spaziergangs mit kühlen Getränken laben.
Den schattigen Platz nutzte Rainer Bayer zum Berichten über die Appenzellerkriege und die Schlacht zwischen 18.000 Franzosen und habsburgischen Truppen “von der Nofler Illbrücke bis zum Rappenwald” am Karsamstag, dem 23. März 1799. Der Bereich unterhalb des Blasenberges war mit Gefallenen bedeckt. Nach dem Soldatenfriedhof St. Wolfgang und der Kapelle St. Wolfgang ging es zum Weiher von Franz Klammsteiner, wo die Veranstaltung mit Musik des “Gisiger Gmischta Satz” ausklang. AME

















