Dornbirn-Boden: Von der Spinnerei zum Nachtclub

VN / 18.08.2026 • 14:33 Uhr
Spinnerei Boden nach dem Brand, 1907. Foto: Repro Stadtarchiv Dornbirn
Spinnerei Boden nach dem Brand, 1907. Repro Stadtarchiv Dornbirn

Im Conrad Sohm wurde einst gesponnen, gewebt und Wasserkraft für die Industrie genutzt.

Dornbirn Im Bereich des heutigen Conrad Sohm in Dornbirn-Boden prägte die Nutzung der Wasserkraft bereits im 19. Jahrhundert das wirtschaftliche Geschehen. Oberhalb des Waldbads Enz befand sich zunächst eine Werkzeugschleiferei, ehe Johann und Martin Rüf das Gelände 1865 erwarben. Bereits ein Jahr später begannen sie mit dem Bau eines dreigeschossigen Spinnereigebäudes. Damit hielt auch an diesem damals noch abgelegenen Standort die industrielle Textilproduktion Einzug. Der frühe Aufbau des Unternehmens war allerdings von Rückschlägen begleitet.

Johann Rüf starb bereits 1870, woraufhin der Betrieb von der Firma Josef André Winder ersteigert wurde. Winder führte die Bauarbeiten weiter und veränderte einiges. Statt des ursprünglich vorgesehenen Satteldachs erhielt das Gebäude einen markanten, steilen Kreuzgiebel, der dem Bau sein charakteristisches Erscheinungsbild verlieh.

Baumwollspinnerei Boden um 1916. Foto volare
Baumwollspinnerei Boden um 1916. Vorarlberger Landesbibliothek

Verheerender Brand

1873 richtete Winder im Gebäude eine mechanische Weberei ein. Später kam im zweiten Obergeschoss eine Spinnerei hinzu. Ein eingeschossiger Anbau an der Westseite folgte 1882 und diente der Baumwollbearbeitung. Damit war die Zweigstelle Boden vollständig ausgebaut. Das eigentliche Hauptwerk der Firma Winder befand sich im Eulental. Für den Betrieb der Maschinen in Boden standen zwei Niederdruckturbinen zur Verfügung, die die Wasserkraft des Standortes nutzten. Die Entwicklung war jedoch nur von kurzer Dauer. Bereits 1886 wurde die Spinnerei wieder in das Hauptwerk verlagert, während in Boden die Weberei weitergeführt wurde. 1902 kam es schließlich zur Katastrophe: Die Zweigstelle Boden brannte bis auf die Grundmauern nieder. Nach dem Konkurs der Firma Winder im Jahr 1905 wurde das zerstörte Fabrikgebäude nicht wieder aufgebaut.

Das Conrad Sohm - heute ein Club. Foto: Böhringer
Das Conrad Sohm – heute ein Club. Böhringer

Das Ende der Textilproduktion bedeutete jedoch nicht das Ende der industriellen Nutzung. 1907 übernahmen die Rüsch-Ganahl-Werke die Gebäudereste samt den noch intakten Turbinen. Das Unternehmen, das im Dornbirner Ortsteil Schmelzhütte Maschinen und Anlagen für die Wasserwirtschaft produzierte, nutzte die vorhandene Wasserkraft künftig zur Energieversorgung seines Industriebetriebs. Zugleich bot der Standort ideale Bedingungen, um Pumpen und Wasserkraftanlagen unter realen Bedingungen zu erproben. Damit blieb die Verbindung von Industrie und Wasserkraft in Boden erhalten.

Eventlocation Conrad Sohm in der ehemaligen Spinnerei Boden, 2013. Foto: Böhringer
Eventlocation Conrad Sohm in der ehemaligen Spinnerei Boden, 2013. Böhringer

Nach dem Ende der Rüsch-Werke verlor das Gelände seine industrielle Funktion und lag längere Zeit brach. Erst 1993 wurde das Areal als Veranstaltungs- und Nachtlokal Conrad Sohm wiederbelebt. Der einstige Fabrikstandort erhielt damit eine völlig neue Nutzung, ohne dass seine Geschichte ganz aus dem Dornbirner Stadtbild verschwand. Heute erinnert vor allem die Lage des Areals an die Zeit, als hier Wasserkraft Maschinen antrieb und die Textilindustrie den Standort prägte. Die Geschichte der ehemaligen Spinnerei Boden steht beispielhaft für den Wandel vieler Dornbirner Industrieplätze: Aus abgelegenen Gewerbestandorten wurden Fabriken, aus Fabriken Energie- und Technikstandorte – und schließlich Orte für Freizeit und Kultur. MEC