Ernteausfälle: “Die schlechten Jahre tun doppelt so weh”

Politik / 18.08.2026 • 10:43 Uhr
Ernteausfälle: "Die schlechten Jahre tun doppelt so weh"
Jens Blum ist Obmann der ARGE Erwerbsobstbauern Vorarlberg. Der Landwirt berichtet von Sonnenschäden an seinen Äpfeln.VN/Philipp Steurer

Vorarlbergs Obstbauern kämpfen mit Hitze und Trockenheit. Bei der Dürrehilfe gibt es noch keine Einigung.

Höchst Zuerst werden die Äpfel auf der Sonnenseite bräunlich, mit zunehmenden Schäden dunkelbraun, und schließlich faulen sie. “Die Äpfel haben Sonnenbrand”, sagt Jens Blum. In Höchst baut der Landwirt zu rund 80 Prozent Äpfel an, dazu Birnen und Zwetschken. Der Schatten der Hagelnetze schützte etwa vier Fünftel seiner Ernte. Beim restlichen Fünftel sind Zellschädigungen entstanden. “Bei mehr als 60 Grad fällt das Eiweiß aus. Diese Schäden sind irreversibel, die Frucht erholt sich nicht mehr.” Die optisch unschönen Äpfel können im besten Fall noch verarbeitet werden. Faulen sie, müssen sie kompostiert werden.

Als Obmann der ARGE Erwerbsobstbauern Vorarlberg hat Blum einen guten Überblick über die Lage im Land. “Der Regen rettet uns jetzt ein bisschen”, sagt er. Bei Äpfeln und Birnen werde es je nach Standort dennoch weniger Ertrag geben, auch weil die Früchte durch die Hitze kleiner ausfallen. Beim Steinobst sei die Situation dagegen recht gut. “Wir haben in der Regel hier in Vorarlberg recht tiefgründige Böden, und Steinobst hat meist kräftige Wurzeln.” Bei Zwetschken und Kirschen habe die Trockenheit bislang “nicht wehgetan”. Pilzschäden seien durch die Hitze geringer, der Insektendruck dafür etwas höher.

Ernteausfälle: "Die schlechten Jahre tun doppelt so weh"
Apfelbauer Jens Blum zeigt die Abstufung der Schäden an einigen seiner Äpfel. Links kam es zu einem leichten Schaden = für den baldigen Verzehr. Die Äpfel in der Mitte eignen sich für die Verarbeitung zu Saft. Die Äpfel rechts sind nur noch kompostierbar. Jens Blum

Trockenrekorde im ganzen Land

Dass die Trockenheit kein Vorarlberger Einzelproblem ist, zeigen die Daten der Geosphere Austria: “Die vergangenen zwölf Monate werden als die trockensten seit Messbeginn im Jahr 1850 in die Geschichte eingehen”, bilanziert Klimaforscher Klaus Haslinger. Von Jänner bis 12. August gab es auf 72 Prozent der Landesfläche mehr trockene Tage als in jedem der vergangenen 65 Jahre. Gleichzeitig war es außergewöhnlich heiß, mit zwei Hitzewellen und Extremtemperaturen bis 41,2 Grad. In Vorarlberg brachte Regen zu Wochenbeginn etwas Entspannung, das Niederschlagsdefizit zu einem Durchschnittsjahr liegt aber noch bei rund einem Drittel.

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Streit um Dürrehilfen

Für Blum ist die aktuelle Situation dennoch nicht nur eine Frage des Wetters. “Normalerweise sollten schlechte Jahre eingerechnet werden können. Nur die vergangenen zehn Jahre war das nicht mehr möglich.” Im Obstbau wisse man, dass es in zehn Jahren vielleicht zwei Minderernten und zwei mäßige Ernten gebe. “Aber die Preise passen nicht mehr, und die Kosten sind so stark gestiegen. Das ist das Grundsätzliche, was mir in der Diskussion fehlt. Die schlechten Jahre tun doppelt so weh, weil wir sie nicht mehr selbst kompensieren können.”

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Prinzipiell seien Dürreschäden versicherbar. Blum verweist allerdings auf seine Erfahrung mit dem Frost 2017: “Mir ist alles erfroren. Totalausfall.” Er hatte sich damals erstmals gegen das Risiko versichert und zieht Bilanz: “Ich bin unterm Strich schlechter gefahren als jene, die nicht versichert waren.”

Genau hier beginnt der politische Streit. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) will auch unversicherte Betriebe mit Dürrehilfen unterstützen. SPÖ und Neos sehen das kritisch: Wer sich gegen ein bekanntes Risiko versichert, soll am Ende nicht schlechter aussteigen als jene, die darauf verzichten. Bund und Länder fördern die Prämien für Hagel- und Dürreversicherungen bereits mit 55 Prozent. Auch der Komplexitätsforscher Peter Klimek und Fiskalratspräsident Christoph Badelt warnen, staatliche Entschädigungen für unversicherte Betriebe könnten den Anreiz zur Eigenvorsorge schwächen. IHS-Chef Holger Bonin warnte vor weiteren Budgetbelastungen.

Grundsätzlich sollten Landwirte in Notsituationen unterstützt werden, meint Obstbauer Blum. Lieber wäre ihm allerdings, wenn der wirtschaftliche Rahmen so wäre, “dass die Landwirtschaft ohne jegliche Hilfen auskommen kann.”

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