Streiflicht: Die Würde des letzten Tons
Das Konzert endet. Auch, wer mit dem Stück nicht vertraut ist, spürt das. Die Musik bäumt sich auf, als wehrte sie sich. Oder sie verdichtet sich zu einem kaum hörbaren Pianissimo. Dann wird es still.
Der Klang verschwebt und lässt zurück, was die Musik bewirkt hat: Erschütterung, Verstörung, pure Freude. Der Cellist entspannt seinen Körper. Er senkt den Bogen. Wenn er jetzt die Augen hebt, sieht er in den Gesichtern des Publikums, was die vergangene Stunde hinterlassen hat. Das ist ein so kostbarer Moment.
Aber nicht immer hat er eine Chance. Manchmal ruckeln die Zuhörer unruhig auf ihren Stühlen hin und her. Eilfertig haben sie die Handflächen schon ausgebreitet. Kaum ist die letzte Saite angespielt, klatschen sie drauflos. Manche ehrlich begeistert, andere erleichtert, weil sie diesmal den richtigen Moment erwischt haben. Ist nicht der Applaus der wahre Lohn des Künstlers? Ja, gewiss. Aber Applaus ohne Stille, das ist wie eine Umarmung ohne Respekt.
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