Frühstart in die Mostsaison: “Im August habe ich noch nie gemostet”

In den Vorarlberger Mostereien hat die Saison begonnen. Bei Elmar Küng in Höchst wird seit über 70 Jahren gemostet.
Höchst Für Alexander Schobel (43) ist der Besuch in Höchst ein Pflichttermin. „Ich komme schon seit 40 Jahren hierher“, erzählt der Gaißauer. „Im August habe ich aber noch nie gemostet.”


Die Mostsaison in Vorarlberg ist vor wenigen Tagen angelaufen. Elmar Küng (68) hat die Presse in seiner Mosterei in der Vorwoche zum ersten Mal in Betrieb genommen.

Die Äpfel, die Alexander Schobel pressen lässt, stammen von seiner Plantage in Gaißau. „Die spritze ich extra nicht“, merkt er an. Diesmal wandern zwei große Kisten in die Presse. Am Ende entstehen daraus rund 300 Liter Apfelsaft.


In Vorarlberg gibt es laut Landwirtschaftskammer 25 Mostereien. In den meisten davon können auch Privatpersonen ihr Obst zu Saft verarbeiten lassen. In der Mosterei von Elmar Küng in der Konsumstraße 49 in Höchst wird seit über 70 Jahren gemostet. „Mein Vater hat 1955 angefangen. Bis 2000 haben wir mit Hackpresse gearbeitet, ab 2000 mit der Bandpresse“, erzählt der 68-Jährige.

Die Fässer von Alexander Schobel bleiben über Nacht im Kühlraum, damit sich die Schwebstoffe absetzen können. Anschließend wird der Saft pasteurisiert und in Bag-in-Box-Verpackungen abgefüllt. “Es wird viel pasteurisiert, auch kleine Mengen. 50 Liter sollte man aber schon haben. Das ergibt zehn Fünf-Liter-Packungen”, berichtet der Mostereichef.

Damit Obst nicht ungenutzt verfault, betreibt der Landesverband Obst- und Gartenkultur Vorarlberg (OGV) in zahlreichen Gemeinden eine Obstbörse. Dort werden Besitzer von überschüssigem Obst mit Menschen zusammengebracht, die Äpfel oder Birnen zum Mosten suchen.

Für einen Liter Saft werden in der Regel zwischen 1,3 und 1,5 Kilogramm Äpfel oder Birnen benötigt. Heuer kann der Obstbedarf mitunter etwas höher ausfallen. “Es ist eigentlich ein gutes Jahr, aber die Äpfel sind kleiner und auch ein bisschen trockener”, sagt der Höchster und zeigt auf eine Schubkarre voller Äpfel. “Die habe ich bei mir von einem Baum aufgelesen und er hat noch einmal fünfmal so viele oben.”

Hermann Zwickle nickt. Der 72-Jährige ist aus Wolfurt nach Höchst gekommen. “Diese Äpfel sind normal doppelt so groß. Es hat einfach zu wenig geregnet”, erläutert er. “Einen Hänger voll habe ich schon kompostiert. Das frühe Zeug hat zu wenig Zucker und ist zu klein.” Dass die Mostsaison immer früher startet, beobachtet auch Hermann Zwickle. “Normalerweise gehst du vor September gar nicht ins Feld. Die Haupternte war früher im Oktober.” Elmar Küng ergänzt: “Es beginnt schon Mitte August und ist Ende September/Anfang Oktober fast vorbei. Früher war die Hauptsaison Mitte/Ende Oktober.”

Für Alexander Schobel wird es nicht der letzte Besuch in der Mosterei gewesen sein. „Ich komme noch mehrmals. Ich brauche allein 1000 Liter auf der Alpe“, erklärt der 43-Jährige, der auf der Sattelalpe mithilft. Die Äpfel verarbeitet er nicht nur zu Apfelsaft, Most und Mostessig. Aus dem Satz macht er später auch Schnaps. Dann schaut er auf die Uhr. „Ich sollte um 17 Uhr wieder oben auf der Alpe sein – zum Melken“, sagt er und lacht.
