Kirchturm St. Martin nimmt Form an

Die Sanierung der Pfarrkirche am Dornbirner Marktplatz läuft nach Plan.
Dornbirn Das Gerüst steht, die Arbeiten am Kirchturm St. Martin sind fortgeschritten. Seit April wird das Wahrzeichen saniert, nachdem im vergangenen Herbst 2025 Dachziegel locker geworden waren. Inzwischen ist die neue Dacheindeckung in Arbeit. Gleichzeitig werden Mauerwerk und Turmzier bearbeitet. Ende September soll die Sanierung abgeschlossen sein.
Neue Ziegel mit besonderer Botschaft
Besonders ins Auge fallen die neuen Dachziegel. 200 Stück wurden nach einer Idee von Wolfgang Ritsch von der Firma Wienerberger in Gleinstätten (Steiermark) mit einem christlichen Symbol geprägt. Sie werden derzeit auf dem Turm verlegt. Wer spendet, kann sich – solange der Vorrat reicht – einen solchen Ziegel zuordnen lassen und zwischen der Ausrichtung nach Osten oder Norden wählen.

Damit greift die Pfarre einen alten Brauch auf. Sogenannte “Feierabendziegel” wurden von Zieglern traditionell als letzter Ziegel eines Arbeitstages besonders gestaltet. Ein historisches Exemplar aus dem Jahr 1767 ist erhalten. Anhand eines von Anton Ulmer erstellten Katalogs lässt sich das Alter verschiedener Dachziegel bestimmen. “Diese Tradition wollten wir mit unseren neuen Dachziegeln weiterführen”, erzählt Heidi Achammer, pfarrliche Organisationsleiterin im Pfarrzentrum St. Martin.

Im Frühjahr wurden die teilweise sehr alten Dachziegel abgetragen und die teilweise schadhafte Holzkonstruktion des Daches saniert. Nun wird das Dach wieder eingedeckt. Auch das Mauerwerk und die Turmzier sind in Bearbeitung. Die Turmzier samt Inhalt der Turmkugel soll am Sonntag, 13. September, im Gottesdienst um 10:30 Uhr geweiht werden.

Alte Ziegel werden zu Bausteinen
Die Sanierung ist auch finanziell eine große Aufgabe. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 670.000 Euro. Förderungen von Diözese, Bundesdenkmalamt, Land Vorarlberg und Stadt Dornbirn belaufen sich auf 251.650 Euro. 150.000 Euro kann die Pfarre aus Eigenmitteln beitragen, 265.000 Euro müssen zusätzlich finanziert werden. “Glücklicherweise erhalten wir Förderungen, doch bleibt der Großteil der Finanzierung der Pfarre selbst überlassen”, erklärt Achammer.

Deshalb wurde eine Dachziegelaktion gestartet. Alte Ziegel können gegen eine Spende erworben werden – als Erinnerungsstück oder als Zeichen der Verbundenheit mit St. Martin. Zur Auswahl stehen historische Stücke, teilweise aus dem 18. Jahrhundert. Der Sunnahof in Götzis fertigt nach einem Entwurf von Walter Ritsch passende Rahmen für ausgewählte historische Ziegel an. Pfarrmitglieder reinigen die alten Ziegel derzeit gemeinsam.
Je nach Variante beträgt die Spende 30 bis 300 Euro. Ein neuer, geprägter Ziegel kostet 300 Euro und wird mit einer Urkunde vergeben.

Neben den finanziellen Fragen läuft die Arbeit am Turm weiter. Für Achammer ist vor allem das handwerkliche Können bemerkenswert: “Was mich bei allen Gewerken, die (nicht nur) am Turm tätig sind, jeden Tag aufs Neue fasziniert, sind das Engagement, die Leidenschaft sowie die ausgefeilte Handwerkskunst. Ich habe großen Respekt vor unseren Handwerkerinnen und Handwerkern, die ihre Arbeit bei Wind, brütender Hitze und schwindelerregender Höhe so professionell ausführen”, so Achammer. cth


Wenn der Zeitplan hält, soll das Projekt Ende September abgeschlossen sein. Die feierliche Segnung des sanierten Kirchturms ist für Samstag, 17. Oktober, um 11 Uhr vorgesehen. Anschließend lädt die Pfarre zu einer Agape ein. cth




