Anpacken, helfen, Mensch sein

In einem Bergdorf im Himalaya hat Wolfgang Bartl gelernt, was im Leben wirklich zählt.
NÜZIDERS Er ist Maschinenschlosser, Elektriker, Lehrlingsausbilder, Wanderführer, Bergretter, Lomi-Lomi-Masseur, Klangschalentherapeut, Achtsamkeitstrainer. All diese Tätigkeiten verbindet eine gemeinsame Haltung. Das zieht Wolfgang Bartl immer wieder nach Nepal. In einem abgelegenen Himalaya-Dorf hilft er, Infrastruktur aufzubauen und zu erhalten.
Wolfgang bittet auf die Terrasse seines Hauses in Nüziders, stellt Wasser auf den Tisch. Und nun gewährt er Einblick in sein bewegtes Leben. Dabei strahlt er Ruhe und Gelassenheit aus.
Geboren am 4. März 1964, begann Wolfgang mit 15 Jahren eine Schlosserlehre und absolvierte zusätzlich eine Elektrikerlehre. Sieben Jahre war er Lehrlingsausbilder in der ÖBB-Werkstätte.

Am 1. April 1990 gründete er mit seiner Frau Helma eine Schlosserei in Nüziders. 36 Jahre später übergab er den Betrieb an Sohn Alexander. Wolfgang wurde technischer Ausbilder bei Rauch Fruchtsäfte. “Seit 1. August bin ich Pensionist”, sagt er. Doch Ruhestand bedeutet für ihn keineswegs Stillstand. Wolfgang ist internationaler Wanderführer sowie Instruktor für Hochtouren und Skihochtouren und engagiert sich bei der Bergrettung Bludenz-Bürs. Viele Jahre war er Ausbildungsleiter der Bergrettung Vorarlberg. “Die starke Verbindung mit den Bergen, mit der Natur hatte ich schon als Kind. Geerbt habe ich das von meinem Vater.”
Seine erste Auslandsbergtour führte ihn im Jahr 2000 auf den Pik Lenin in Kirgistan. Seither bestieg er Berge in China, im Iran, in Südamerika, in Nepal. Seine Faszination für den nepalesischen Himalaya und die Menschen dort führt ihn immer wieder in diese Region zurück.

2012 gründete er die Nepal-Hilfsorganisation “Let the Children Walk”, die hauptsächlich im Bergdorf Gumbadanda tätig ist. Dort wurden die Grundschule saniert, eine Nähschule und eine Teppichweberei eingerichtet sowie die rund 100 Familien mit sicheren Kochöfen versorgt. Weiters unterstützt Wolfgang das “Hospital and Rehabilitation Center for Disabled Children”, eine Rehaklinik für Kinder mit Behinderungen in Banepa.
Geprägt hat den 62-Jährigen sein Einsatz nach dem Erdbeben in Nepal im April 2015: “Als ich eine Woche nach dem Beben mit einem mit Hilfsgütern beladenen Jeep in Gumbadanda ankam, fand ich zerstörte Häuser und den Geruch von Toten und Verbranntem vor. Allein in diesem Ort kamen rund 40 Menschen ums Leben.” Mit “Let the Children Walk” wurden sofort 25 neue Häuser errichtet. “Damals wurde mir bewusst, wie schnell alles zerbrechen kann und worum es im Leben eigentlich geht.”
Vor sechs Jahren ließ sich Wolfgang zum Lomi-Lomi-Masseur, Klangschalentherapeuten und Achtsamkeitstrainer ausbilden. In seinem Haus eröffnete er eine Praxis: “Ich begleite Menschen auf ihrer Reise zur inneren Ruhe.”
Bei all seinen Aktivitäten ist Helma an seiner Seite. “Ohne sie wäre meine Lebensweise gar nicht möglich.” Kennengelernt haben sie sich im Restaurant Rosenegg in Bürs, wo Helma als Servierkraft arbeitete. “Zwischen uns hat es sofort gefunkt.” Er war 18, sie 20. Drei Jahre später heirateten sie.

Eine schwere Zeit folgte: Helma erlitt fünf Fehlgeburten. “Deshalb engagieren wir uns auch für Vera und Rainer Juriattis Sternenkinder-Projekt.” Dann kam 1987 Sohn Bernhard zur Welt, ein Jahr später Tochter Magdalena, zwei Jahre danach Alexander. Mittlerweile sind Wolfgang und Helma siebenfache Großeltern.
Gibt es noch einen Wunsch? Wolfgang überlegt nicht lange: “Ja. Immer mehr Menschen sollen zur Erkenntnis kommen, dass es im Leben um Liebe und Menschlichkeit geht.”