Ein Hauch von New Orleans im Ländle

Dixie, Lebensfreude und New-Orleans-Flair: Der Streetview Dixieclub begeisterte im Ländle.
Alberschwende Der Grazer Streetview Dixieclub hat seine Ländletournee heuer auf drei Stationen ausgeweitet. Mit im Gepäck: die brandneue LP “Stayin’ Alive” – tatsächlich auf Vinyl gepresst. Auf die drei Konzerte im Ländle übertragen, müsste man den Titel am ehesten mit “Das Leben leben – und es genießen” übersetzen.
Sechs musikalisch bestens ausgebildete Herren und Sängerin Ursula Reicher präsentierten eine abwechslungsreiche Mischung aus traditionellem Dixieland-Jazz und raffinierten Arrangements von Pop- und Rockklassikern. Da durfte “Chattanooga Choo Choo” von Glenn Miller ebenso wenig fehlen wie “Paranoid”, arrangiert vom brasilianischen Posaunisten Emiliano Sampaio. Adeles “Someone Like You” erhielt in einem Arrangement von Ursula Reicher eine völlig neue Klangfarbe und ging dem Publikum regelrecht unter die Haut.

Die fein abgestimmten Bläsersätze und die filigrane Begleitung der Rhythmusgruppe – Lukas Straußberger am Bass, Michael Bernsteiner am Schlagzeug sowie Felix Greilberger an Banjo und Gitarre – sorgten für musikalische Gänsehautmomente. Und das unter freiem Himmel, wo immer es das Wetter zuließ.
In Gargellen musste das Konzert wetterbedingt kurzerhand in die Talstation der Bergbahnen verlegt werden. Der Stimmung tat dies allerdings keinen Abbruch.

In Wolfurt hatte der Wettergott schließlich ein Einsehen: Nachdem der Regen kurz zuvor aufgehört hatte, konnte die LP-Präsentation bei strahlendem Sonnenschein im Garten von Schloss Wolfurt stattfinden. Vor der traumhaften Kulisse des Rheintals und des Bodensees konnten die Besucher wie Monika Grünbichler aus Weiz sich des Eindruckes nicht erwehren: “Schöner geht es nicht.”


Sommermorgen in New Orleans
In Alberschwende erwartete die Besucherinnen und Besucher sogar ein dreifacher Genuss. Neben der mitreißenden Dixiemusik lockte ein kleines “Café du Monde” mit Zichorienkaffee und Beignets nach dem Vorbild des berühmten New-Orleans-Cafés. Die Veranstalter hatten gemeinsam mit der Kulturmeile als Caterer im Innenhof der Volksschule eine stimmungsvolle kleine Südstaaten-Oase geschaffen: Gartenmöbel, große Sonnenschirme und Stehtische vermittelten tatsächlich ein wenig New-Orleans-Flair.


Das ließen sich auch die Tänzerinnen und Tänzer vom Verein Ländle Hop nicht entgehen. Mit ihrem Lindy Hop brachten sie zusätzlichen Schwung auf den Pausenplatz. Der aus den 1920er-Jahren stammende Tanzstil erlebt international seit Jahren eine bemerkenswerte Renaissance – und passte bestens zum Sound des Dixieclubs.

Barbara, ehemalige Kindergartenpädagogin aus Alberschwende, strahlte mit der Sonne um die Wette. Besonders angetan: “Am allermeisten fasziniert mich die Sängerin mit ihrer unbeschreiblichen Bandbreite der Stimme.”

Auch der Auftritt selbst hatte einen besonderen dramaturgischen Rahmen. Die Band war zu Beginn zu einer traditionellen Trauermusik einmarschiert – jener Musik, die früher auf dem Weg zum Friedhof gespielt wurde. Nach einer Zugabe mit “Probier’s mal mit Gemütlichkeit” verabschiedeten sich die Musiker (wie beim Weggang vom Friedhof) mit “When the Saints” schließlich unter rhythmischem Applaus durch ein spontan entstandenes Spalier aus hochgehaltenen Armen.

Beim anschließenden Plattenverkauf nutzten viele Gäste die Gelegenheit, sich persönlich bei der Sängerin Ursula Reicher und Musikern für das besondere Konzerterlebnis zu bedanken. Und eines wurde dabei deutlich: Der Wunsch nach einer baldigen Wiederholung der Ländletournee war unüberhörbar. MSO

