Großbaustelle im Hochgebirge: „Ich bin schon sehr gespannt“

An der Walmendingerhornbahn im Kleinwalsertal laufen die Arbeiten auf Hochtouren. Ein entscheidender Schritt ist bereits geschafft.
Mittelberg Der Berg hat seine eigenen Gesetze. Andreas Gapp (52) steht an der Talstation der Walmendingerhornbahn und deutet nach oben. „Hier sehen wir die MS 1, die Materialseilbahn eins. Die MS 2 befindet sich weiter oben“, erklärt der Vorstand der Kleinwalsertaler Bergbahn AG und holt aus: „Das Besondere am Bauen am Berg ist die Logistik. Am Berg kommt kein Betonmischer rauf. Was ich hier herunten mit der Pumpe schnell in ein Baufeld bekomme, muss ich Kubikmeter für Kubikmeter über die zwei Materialseilbahnen hochbringen.“



Die Kleinwalsertaler Bergbahnen investieren heuer 30 Millionen Euro in den Neubau der Walmendingerhornbahn. Die alte Bahn hat nach 60 Jahren ausgedient. Der Baustart ist am 16. März erfolgt. Mit den vorbereitenden Arbeiten wurde laut Projektleiter Dominik Scholz bereits im Vorjahr begonnen. Unter anderem mussten Zuganker für die Materialseilbahnen gesetzt und Material hochgeflogen werden. Bis Dezember soll alles fertig sein. Ein entscheidender Schritt ist bereits geschafft. „Der erste Seilzug war letzte Woche, zehn Tage früher als im Bauplan“, berichtet Scholz.




Die Walmendingerhornbahn ist zwei Kilometer lang. Die Bergstation liegt auf knapp 2000 Metern, die Talstation auf 1200 Metern. Die neuen Kabinen bieten künftig deutlich mehr Platz. „Sie sind jetzt faktisch doppelt so groß“, merkt Andreas Gapp an. Statt bisher 32 können 65 Personen damit fahren.



Die bestehenden Gebäude bleiben erhalten und werden lediglich adaptiert oder erweitert. „Das ist eine Mischung aus Nachhaltigkeit und dem Wunsch, ein Stück Seele zu bewahren“, sagt der Bergbahnen-Vorstand. Neu ist, dass das bisherige Gebäude an der Talstation künftig ausschließlich für die Bergbahn genutzt wird. Kassen, Toiletten und weitere Servicebereiche kommen in ein neues Gebäude nebenan.



Ron Thormann verfolgt den Fortschritt auf der Baustelle genau. Der gebürtige Rügener ist Gastronomieleiter der Walmendingerhornbahn. Während der Bauphase ist er auf der Bergstation für die Verpflegung der Arbeiter zuständig. „Der Abbruch hat sich gefühlt ewig hingezogen, aber das Hochziehen der Mauern und das Aufrichten der Balken ging nachher wirklich schnell. Ich bin sehr, sehr gespannt. Auch im Restaurant wird alles neu“, berichtet er. Das Grundgerüst des neuen Holzvorbaus steht bereits. Eine wesentliche Neuerung an der Bergstation ist, so Gapp, dass die Skifahrer künftig nicht mehr durch das Gebäude laufen und Treppen steigen müssen. „Da wir den Ausstieg jetzt rechts haben, kommt man direkt zum Anschnallplatz“, erläutert er.



Die Erneuerung der Walmendingerhornbahn ist nicht das einzige große Bahnprojekt in der Region. Am Nebelhorn wird derzeit die 4er-Sesselbahn durch eine kuppelbare 6er-Sesselbahn ersetzt. Am Fellhorn weicht die alte 2er-Sesselbahn einer kuppelbaren 6er-Hochgeschwindigkeitssesselbahn, gleichzeitig werden die Pisten optimiert und eine Bahn, die vor zehn Jahren gebaut wurde, wird wieder abgetragen.



Die alten Kabinen der Walmendingerhornbahn stehen derzeit noch am Parkplatz. Eine davon wird voraussichtlich auf dem neuen Vorplatz aufgestellt werden. Für die zweite wird geprüft, ob sie künftig als Gastronomie genutzt werden kann.
