Klangräume, die Menschen zur Ruhe bringen

Karin Amann ist mitten in den Vorbereitungen für mehrere Konzertauftritte.
Dornbirn In ihrem Studio in Dornbirn verbindet Karin Amann zwei Leidenschaften, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben: Kosmetik und Musik. Zwischen Nagellack, Cremetiegeln und Körperölen stehen inzwischen mehr als zehn Gongs. Dazu kommen Kristallinstrumente, Muscheln und weitere ungewöhnliche Klangkörper. Aus einer vor ein paar Jahren entdeckten Leidenschaft ist längst ein wichtiger Teil ihres beruflichen und persönlichen Lebens geworden.

“Sie hat immer schon in mir geschlummert, seit ich denken kann. Aber so richtig ausleben kann ich das erst seit ein paar Jahren, und damit schließt sich ein Kreis”, erzählt Amann. Vor rund zehn Jahren wurde der Gong für sie zum Schlüsselerlebnis. Auf einer Kosmetik-Fachmesse hörte sie einer Gongspielerin zu. Die Klangwellen gingen ihr “durch und durch”. Sie lernte bei einer Lehrerin in Deutschland und gibt inzwischen selbst Konzerte, Klangbäder und Workshops.

Mit Klang und Natur verbunden
Amann versteht ihre Musik als Verbindung zur Natur. Auch in ihren Konzerten spielen natürliche und archaisch wirkende Klänge eine zentrale Rolle. Der Gong steht dabei im Zentrum. Begleitet von Monochord, Glockenspiel, Kristallinstrumenten oder Muscheln entstehen Klangräume, die vor allem eines sollen – Menschen zur Ruhe bringen.

Kirchen und Räume mit besonderer Resonanz sucht Amann bewusst aus. “Dort kann sich der Klang entfalten”, erklärt sie. Sie löst den Gong aus seinem klassischen orchestralen Rahmen und lässt ihn als eigenes Instrument sprechen.
Jetzt stehen gleich mehrere Auftritte bevor. Besonders gespannt ist die Dornbirnerin auf das Festival “Schöpfung”, das Markus Stockhausen von 11. bis 13. September auf Schloss Hohenfels in Deutschland veranstaltet. Kennengelernt haben sich die beiden vor rund eineinhalb Jahren in St. Arbogast. Amann brachte kurzerhand ihren Gong mit und spielte vor. “Es war sozusagen Liebe auf den ersten Gong”, sagt sie lachend. Stockhausen war von ihrem Spiel berührt und engagierte sie für sein Festival, “was für mich einfach unglaublich war”, erinnert sie sich. Dort wird sie unter anderem bei den “Nach(t)klängen” mit Alireza Mortazavi auftreten.

Musikalische Seelenverwandte
Auch für das Herbstkonzert im Haus der Begegnung in Dornbirn laufen die Vorbereitungen. Am Mittwoch, 23. September, lädt Amann gemeinsam mit Hubert Sander zu einem musikalischen Erntedank-Abend. Sie spielt Gongs und Kristallinstrumente, Sander begleitet mit Percussion und Didgeridoo. Wie ein Weizenfeld im Wind oder der Herbst mit fallenden Blättern klingt, steht sinnbildlich über dem Programm. Für Amann ist die Chemie zwischen den Künstlern entscheidend – “und mir wichtiger denn je.” Mit Sander hat sie einen “musikalischen Seelenverwandten” gefunden, und das Haus der Begegnung ist inzwischen zu einer zweiten Wirkstätte geworden, wofür sie der Evangelischen Gemeinde sehr dankbar ist. Ab 28. September folgen dort außerdem acht “Klangbad”-Abende. Jeweils montags geht es bei einer Klangreise in die Welt der Gongs.

Ein Traum wird wahr
Und die Pläne reichen bereits weiter. Ein großes Neujahrskonzert ist wieder geplant. Im kommenden Jahr wartet zudem ein persönlicher Höhepunkt – bei der Langen Nacht der Kirchen darf Karin Amann erstmals die St.-Martinskirche mit ihren Klängen bespielen. “Eine ganz besondere Ehre für mich, davon habe ich schon lange geträumt”, sagt sie – und ein weiterer Schritt in ihrer besonderen Karriere als Musikerin. cth

