So hilft der MoHi Senioren, Stürze zu vermeiden

Ein Sturzpräventionsprogramm des Mobilen Hilfsdiensts soll älteren Menschen mehr Sicherheit verleihen.
Feldkirch Josef Wurst steht im Wohnzimmer und bewegt langsam den Kopf von einer Seite zur anderen. Neben ihm macht Sonja Stefler, Heimhelferin beim Mobilen Hilfsdienst Feldkirch und ausgebildete OTAGO-Trainerin, die Bewegung mit. Danach marschieren die beiden auf der Stelle, um sich für die weiteren Übungen aufzuwärmen. Die Bewegungen sind einfach – für den 88-Jährigen aber ein wichtiges Training, um möglichst lange sicher auf den Beinen zu bleiben.

Wenn der Alltag unsicherer wird
Seit etwa eineinhalb Jahren leidet Wurst unter Schwindel. Er war deshalb bei mehreren Ärztinnen und Ärzten, doch gegen die Beschwerden konnten sie wenig tun. Im Alltag merkt er die Folgen deutlich. Im vergangenen Jahr entschied er deshalb: “Jetzt hör ich auf, Auto zu fahren.” Das Unfallrisiko war ihm zu groß. Auch Spaziergänge strengen ihn heute mehr an als früher. Dass mit dem Alter auch die Kraft nachlässt, spürt er deutlich: “Die Muskeln werden schwächer, wenn man einmal 88 wird, wie ich”, erzählt er. Trotzdem versucht der Tostner, so gut es geht, in Bewegung zu bleiben.
Training in den eigenen vier Wänden
Dabei hilft ihm auch das OTAGO-Sturzpräventionsprogramm. Es kommt ursprünglich aus Neuseeland und wird inzwischen auch in Vorarlberg von den Mobilen Hilfsdiensten angeboten. “Wir machen Übungen mit den Menschen, damit ihre Muskeln gestärkt werden und sie nicht stürzen”, sagt Trainerin Sonja Stefler. Zum Programm gehören Aufwärm-, Dehnungs-, Kräftigungs- und Balanceübungen. Sie sind so aufgebaut, dass sie ohne Geräte und mit wenig Platz in den eigenen vier Wänden gemacht werden können. “Da findet man eigentlich keine Ausrede, warum man sie nicht machen kann”, meint Wurst. Die Trainerin macht die Bewegungen vor und achtet darauf, dass der 88-Jährige sie richtig ausführt. Grundsätzlich sind die Übungen einfach aufgebaut, trotzdem können einzelne davon fordernd sein. Vor allem die Balanceübungen sind für Wurst wegen seines Schwindels nicht immer leicht.

Ein Block umfasst acht Hausbesuche. Ein dafür vorgesehenes Übungsheft hilft den Teilnehmerinnen und Teilnehmern dabei, auch zwischen den Terminen selbstständig weiter zu trainieren. Josef Wurst macht die Übungen ungefähr einmal pro Woche zu Hause. Dass er nicht häufiger dazu kommt, hat auch mit seinem festen Wochenprogramm zu tun. Zwei Tage pro Woche besucht er die Tagesbetreuung in Nofels. Dort stehen Gedächtnistraining, Spiele, kreative Beschäftigungen und Bewegung auf dem Programm. Auch der Mobile Hilfsdienst unterstützt ihn regelmäßig zu Hause.

Körper und Geist in Bewegung
Für Wurst ergänzen sich die verschiedenen Programme gut. OTAGO hilft ihm dabei, körperlich in Bewegung zu bleiben und Stürzen vorzubeugen, in der Tagesbetreuung wird er hingegen geistig gefordert. “Es hilft alles”, sagt er. Eine große Verbesserung seiner Beschwerden erwartet der 88-Jährige nicht mehr. Umso wichtiger ist für ihn, möglichst lange das zu erhalten, was noch geht. LEM