Die Weinlese ist eröffnet: “Wir steuern auf eine Sensationsernte zu“

Vorarlbergs Winzer holen die ersten Trauben von den Stöcken. In Bregenz ist die Vorfreude besonders groß.
Bregenz Die ersten Trauben sind bereits im Keller und Winzer Sepp Möth (51) hat allen Grund zur Freude. „Das Pendel hat in die gewünschte Richtung ausgeschlagen. Wir steuern auf eine Sensationsernte zu“, berichtet er.

Vorarlberg wurde 1999 als fünftes österreichisches Bundesland zum offiziellen Weinbaugebiet ernannt. Der Verein der Weinbautreibenden Vorarlbergs, den es seit 1997 gibt, zählt rund 70 Mitglieder. Sepp Möth bewirtschaftet in Bregenz 3,3 Hektar Rebfläche. Seit Sonntag ist die Weinlese bei ihm in vollem Gange. Nach dem “Müller-Thurgau” wurde am Mittwoch mit dem “Souvignier gris” begonnen. „Die nächsten fünf Tage sind wir eigentlich durchgehend dran. Am Sonntag wird wahrscheinlich die Hauptlese sein. Dann haben wir nur noch den Rotwein draußen stehen“, erklärt der 51-Jährige.

Die Rebstöcke haben heuer einiges mitgemacht. Die Zeichen für den Jahrgang 2026 stehen bei Möth dennoch gut. „Die Trockenheit hat uns schon vor Aufgaben gestellt“, blickt der Winzer zurück. Vor allem die jungen Reben hätten gelitten. „Rund 30 Prozent der fast 5000 Reben, die wir letztes Jahr gepflanzt haben, werden wir im Winter zurückschneiden müssen, damit sie sich erholen können. Die werden wir im nächsten Jahr nicht in den Ertrag bringen.” Der Blick in den Weingarten lässt den Winzer mittlerweile frohlocken.


Die Trauben sind makellos. Die Grundparameter wie Sensorik der Trauben, Zuckergrade und Saftanteil stimmen. Auffällig sind laut Möth nur die sehr niedrigen Säurewerte. “Wir hatten das Glück, dass wir die letzten drei Wochen ausreichend Niederschläge hatten. Die Natur hat sich sehr schnell rehabilitiert. Die Trauben haben ordentlich an Saft gewonnen”, berichtet er

Tatkräftig unterstützt wird der Winzer von seinen ehrenamtlichen Erntehelfern. Susanne Schützenberger (65) aus Bregenz ist seit rund zehn Jahren dabei. „Weil meine Großeltern im Burgenland ein Weingut hatten, hat mich der Weinbau schon immer interessiert. Auch die Lese macht Spaß. Ich selbst frage, wann es losgeht“ erzählt die Bregenzerin, während sie Traubenbüschel für Traubenbüschel in die graue Kiste legt.

Auch Bruno Brock (82) aus Lochau ist seit vielen Jahren fixer Bestandteil des Teams. „Man hat Bewegung und bleibt fit“, merkt er an. Neben der Weinlese hilft er wie Susanne Schützenberger beim Abfüllen, Verkorken, Etikettieren und Verpacken. Im Frühjahr werden die Reben geschnitten und angebunden. „Es gibt eigentlich das ganze Jahr Arbeit“, ergänzt Brock.

Aufgrund der vielen Sonnenstunden setzt Möth diesmal auf einen zusätzlichen Effekt. Nach der Lese kommen die Trauben in einen Kühlcontainer und werden dort 24 Stunden lang auf rund vier Grad Celsius heruntergekühlt. „Wir versuchen, die Zellwände aufzusprengen. Die Weine werden dadurch deutlich aromatischer“, erläutert der Experte.

„Zweiter Kellermeister“ neben Möth ist heuer Weinbaugeselle Jesper „Pepi“ Nitsche (21). Der Lindauer hat im Juli seine Ausbildung abgeschlossen. „Ich habe bei Sepp immer wieder im Heurigen und bei der Weinlese geholfen. Das hat mich zum Weinbau gebracht. Es ist einfach ein schöner, individueller Beruf, der immer Herausforderungen mit sich bringt“, erklärt er. Im Jänner zieht es Pepi Nitsche für eineinhalb Jahre nach Südafrika, Frankreich und Italien, wo er von Weingut zu Weingut reisen und Erfahrungen sammeln möchte. Vorerst gilt seine volle Aufmerksamkeit aber der Weinlese 2026 in Bregenz. Und die läuft bislang vielversprechend. „Schauen wir mal, was der Winzer rausbringt“, meint Susanne Schützenberger und lacht.