Wenn das perfekte Bergfoto täuscht: Warum Social Media zur Tourenplanung nicht reicht

VN / 02.09.2026 • 16:31 Uhr
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Der Lünersee ist ein Bekannter Instagram-Hotspot. Bilder: VN/JUN

Ein schönes Foto kann schnell Lust auf eine Bergtour machen. Doch was auf Social Media zu sehen ist, erzählt oft nur einen Teil der Geschichte. Tourismusverbände erklären, worauf es wirklich ankommt.

Schwarzach Social Media spielt bei der Wahl von Tourenzielen eine immer größere Rolle, allerdings als Inspirationsquelle. „Man sieht ein schönes Bild oder Video und bekommt Lust, diesen Ort selbst zu besuchen“, sagt Anna Engstler von der Alpenregion Bludenz. Für die eigentliche Planung reiche das aber nicht aus: „Wetter, Wegzustand, Schwierigkeit und die eigene Kondition müssen immer mitgedacht werden.“ Ähnlich sieht das Hannah Fritsche von Montafon Tourismus. „Social Media ist für viele Gäste eine wichtige Inspirationsquelle. Für die konkrete Tourenplanung werden jedoch nach wie vor offizielle Informationsquellen wie Tourismus-Webseiten, Kartenmaterial, Wetterberichte oder persönliche Beratung genutzt.“

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Die markante Zimba im Montafon

Dass soziale Netzwerke einzelne Orte wie der Lünersee stärker in den Fokus rücken, bestätigt Engstler: „Besonders fotogene Orte werden durch Social Media noch sichtbarer.“ Dennoch verteile sich das Gästeaufkommen in der Region meist gut auf verschiedene Touren und Plätze. Auch im Montafon werden bekannte Motive wie die Drei Türme oder die Zimba häufig fotografiert. Fritsche betont jedoch: „Insgesamt ist das Angebot im Montafon sehr vielfältig, sodass sich die Besucher auf viele unterschiedliche Orte verteilen.“

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Der Piz Buin, der höchste Berg Vorarlbergs, ist ebenfalls ein beliebtes Fotomotiv.

Mit Blick auf die Risiken sozialer Medien im Bergsport warnt Engstler davor, sich allein von Bildern leiten zu lassen. „Ein schönes Bild zeigt oft nicht, wie lang, steil oder anspruchsvoll eine Tour wirklich ist“, sagt sie. Zudem gebe es immer wieder Probleme mit unzureichender Ausrüstung oder falschem Schuhwerk. Dass Schwierigkeiten und Risiken in sozialen Netzwerken teilweise verharmlost werden, sieht sie durchaus kritisch: „Oft sieht man nur den schönsten Moment und nicht möglicherweise den steilen und ausgesetzten Weg dorthin.“ Deshalb solle man sich nie allein auf Social Media verlassen, sondern immer auch offizielle Toureninfos, Wetter und aktuelle Bedingungen prüfen. Durch die digitale Tourenplanung seien verlässliche Informationen und GPX-Tracks wichtiger geworden.

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Bei vielen Fotos, die in den Sozialen Medien kursieren, sieht man nicht, ob der Wanderweg bis dorthin steil oder ausgesetzt war.

Beide sehen die Selbstdarstellung in sozialen Medien differenziert. „Für manche spielt es sicher eine Rolle, besondere Erlebnisse oder sportliche Leistungen auf Social Media zu teilen“, sagt Engstler. Entscheidend sei jedoch, „dass Sicherheit, Rücksicht und das Naturerlebnis nicht hinter dem perfekten Foto zurückstehen.“ Fritsche ergänzt: „Wie in vielen Lebensbereichen spielt auch beim Bergsport das Teilen von Erlebnissen eine Rolle.“ Gleichzeitig würden soziale Medien dazu beitragen, „Menschen für Naturerlebnisse, Bewegung und Zeit in den Bergen zu begeistern.“

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V. l.: Sulzfluh, Drei Türme und Drusenfluh, im Vordergrund die Geißspitze. Der Golmer Höhenweg ist bei Touristen beliebt.

Fritsche stellt fest, dass „das Interesse an Wanderungen und Naturerlebnissen in den vergangenen Jahren zugenommen hat und auch jüngere Zielgruppen verstärkt die Berge für sich entdecken“. Besonders gefragt seien Ruhe, Bewegung und bewusste Auszeiten in der Natur. Bei der Zusammenarbeit mit Influencern setzt Montafon Tourismus bewusst auf Nachhaltigkeit statt auf Reichweite. „Uns ist hier weniger die Reichweite, sondern mehr deren Zielgruppe und nachhaltige Wirkung wichtig“, erklärt Fritsche.