“werkeins” Wolfurt: Das Medikament heißt Bewegung im neuen Gesundheitszentrum

VN / 03.09.2026 • 16:07 Uhr
"werkeins" Wolfurt: Das Medikament heißt Bewegung im neuen Gesundheitszentrum
Die Physiotherapeuten Lea Anouk (29) und Tobias Neubauer (36) in ihrer neuen Praxis WERKEINS in Wolfurt mit integriertem Fitnessbereich.

Sportmedizin, Physiotherapie und Training unter einem Dach. Dahinter steckt ein Ansatz, der Bewegung selbst als Teil der Therapie versteht und eine überraschend einfache Empfehlung hat.

WOLFURT “Lieber jeden Tag ein bisschen als einmal zu viel” – das ist die klare Einstellung des Sportmediziners Dr. Daniel Steurer. Das neue Gesundheitszentrum “werkeins” in Wolfurt, das Sportmedizin, Physiotherapie und Training unter einem Dach vereint, setzt hier an. In der neuen Doppelmayr-Verbauung sollen die Wege zwischen Diagnose, Therapie und Bewegung möglichst kurz gehalten werden.

"werkeins" Wolfurt: Das Medikament heißt Bewegung im neuen Gesundheitszentrum
Der Physiotherapeut zeigt dem Patienten die optimale Haltung beim Training. Marcel Mayer

Alles unter einem Dach

Tobias Neubauer (36) ist Physiotherapeut und einer der Initiatoren von werkeins. Er sieht in diesem neuen Konzept den entscheidenden Unterschied zur klassischen Einzelbehandlung. “Unser Ziel ist, dass wir aktiv therapieren”, sagt Neubauer. Die Verbindung von Sportmedizin, Physiotherapie und Trainingsclub ermögliche unterschiedliche Fachrichtungen an einem Ort.

"werkeins" Wolfurt: Das Medikament heißt Bewegung im neuen Gesundheitszentrum
Physiotherapeut Tobias Neubauer zeigt eine Mikronadel, mit der die Therapeuten extreme Verspannungen lösen können. Sie ist hauchdünn und wird tief in den Muskel gestochen. VN/DJSOHM

Von Dry Needling bis zur Neuroathletik

Lea Anouk (29) spezialisiert sich auf Sportverletzungen, Lymphdrainage und Neuroathletik. Gerade bei Sportverletzungen gehe es darum, Gelenke und Muskulatur wieder so belastbar zu machen, dass sie für die jeweilige Sportart einsatzfähig sind.

Dabei beginnt eine gute Behandlung für die Physiotherapeutin nicht mit einer Technik, sondern mit einer genauen Befundung. Im Erstgespräch werden Beschwerden und mögliche Ursachen eingegrenzt, standardisierte Befundbögen helfen bei der weiteren Einschätzung. Je nach Patient kommen anschließend unterschiedliche Methoden zum Einsatz – von manuellen Techniken über Dry Needling bis zur Neuroathletik.

"werkeins" Wolfurt: Das Medikament heißt Bewegung im neuen Gesundheitszentrum
Physiotherapeutin Lea Anouk bei der Arbeit. Marcel Mayer

Dry Needling beschreibt Anouk als intramuskuläre Technik, bei der mit sehr dünnen Nadeln sogenannte Triggerpunkte in verspannten Muskeln behandelt werden. Die Neuroathletik wiederum setzt bei der Verarbeitung von Informationen an: Augen, Gleichgewichtssinn und Haut liefern dem Gehirn laufend Signale. Sind diese Informationen gestört, kann das Gehirn Bewegungen einschränken oder Schmerzen auslösen. Gerade nach Gehirnerschütterungen könne dieser Zusammenhang eine Rolle spielen.

Kurze Wege und Zuhören

Auch medizinisch setzt “werkeins” auf kurze Wege. Sportmediziner Dr. Daniel Steurer beschreibt den Gedanken hinter dem Zentrum als Verbindung von fundierter Diagnostik und aktiver Therapie. Ultraschall, Röntgen und funktionelle Testungen sollen helfen, Beschwerden möglichst genau einzuordnen. Bei größeren Verletzungen gebe es bereits definierte Leitlinien: Der Arzt untersucht klinisch und gegebenenfalls per Ultraschall, danach folgen physiotherapeutische Tests wie Kraft- und Sprungkraftmessungen, bevor die Belastung schrittweise gesteigert wird.

"werkeins" Wolfurt: Das Medikament heißt Bewegung im neuen Gesundheitszentrum
Dr. Daniel Steurer ist der Sportmediziner im Team. Er setzt auf ein gutes Gespräch.Marcel Mayer

Für Steurer beginnt präzise Diagnostik allerdings nicht im Untersuchungsraum, sondern im Gespräch. “Allein durch das Reden, den Patienten ausreden zu lassen”, könne bereits vieles differenziert werden. Danach werde eine Liste möglicher Ursachen abgearbeitet.

Nicht alles braucht gleich eine OP

Als Beispiel nennt Steurer Arthrose. Veränderungen im MRT seien häufig, bedeuten aber nicht automatisch, dass sie Beschwerden verursachen. Deshalb müsse nicht jede bildgebende Veränderung sofort als Grund für eine Operation verstanden werden.

Zum konservativen Ansatz gehören in “werkeins” auch Eigenblutbehandlungen und Stoßwellentherapie. Beim Eigenblut werden aus dem körpereigenen Blut Wachstums- und Heilungsfaktoren gewonnen und gezielt an die betroffene Stelle gebracht. Steurer betont, dass dies nichts mit Blutdoping zu tun habe. Entscheidend sei vielmehr, den Körper bei seinen eigenen Heilungsprozessen zu unterstützen.

“Die Konstante macht den Unterschied”, sagt Steurer. Wer etwas findet, das Freude macht und regelmäßig ausgeübt wird, habe mehr davon als jemand, der sich kurzfristig überfordert.

"werkeins" Wolfurt: Das Medikament heißt Bewegung im neuen Gesundheitszentrum
Der Empfangsbereich im werkeins lädt zum Warten ein. VN/DJSOHM
"werkeins" Wolfurt: Das Medikament heißt Bewegung im neuen Gesundheitszentrum
150 Quadratmeter Trainingsraum runden das Angebot im werkeins ab. Marcel Mayer

Das Konzept von “werkeins” lässt sich damit auf einen einfachen Gedanken herunterbrechen: Bewegung soll nicht das sein, womit eine Therapie endet. Sie soll möglichst das sein, womit ein neues Stück Alltag beginnt.