Quer durch das Dorf: Heinz Bertsch bringt seine Kühe täglich zur Weide

Kathi und Helli müssen zwei viel befahrene Hauptstraßen passieren, um ans frische Gras zu gelangen. Heinz Bertsch (77) begleitet seine Kühe dabei schon seit Jahrzehnten – und ist im Dorf bestens bekannt.
Satteins Weißes Käppi, gestreiftes Hemd und immer ein Lächeln im Gesicht: Jeden Morgen um 8 Uhr bringt Heinz Bertsch (77) seine beiden Kühe Kathi und Helli auf die Weide. Der kleine Stall samt Wohnhaus befindet sich in der Rankweilerstraße 4. Rund um das Haus gibt es jedoch keine eigene Weide, weshalb die beiden Kühe einen morgendlichen Spaziergang quer durch das Dorfzentrum machen müssen, um an frisches Gras zu gelangen. Dafür müssen sie auf ihrem Weg zur Weide über zwei viel befahrene Hauptstraßen gehen. Lkws und Autos überholen die beiden Damen, doch diese lassen sich nicht aus der Ruhe bringen und trotten gemütlich weiter. Zu Unfällen oder Sachschäden sei es bislang nie gekommen. Einmal seien die Kühe durchgegangen, erzählt Heinz Bertsch. Mit mehreren Helfern habe man sie jedoch wieder einfangen können. “Wenn eine geht, springen die anderen ihr nach”, weiß er aus Erfahrung.
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Die beiden Milchkühe, sechs und fünf Jahre alt, geben zwar Milch, aber nicht genug, um einen Milchhof oder eine Sennerei zu beliefern. Die Milch brauchen derzeit die beiden Stierkälber.

Den Rest bekommen die Ziegen. Um sie kümmert sich überwiegend seine Enkelin Anna-Maria, die ihnen bereits einige Tricks beigebracht hat. Anna-Maria besucht derzeit die Landwirtschaftsschule. Damit scheint die Nachfolge am Hof gesichert.



Im Frühling musste Heinz Bertsch vier Kühe abgeben, da sie zu alt gewesen seien. Eigentlich wäre der Plan, den Bestand durch eigene Nachzucht wieder auf sechs Kühe aufzustocken. In vergangener Zeit seien jedoch nur Stiere zur Welt gekommen. Drei Rinder verbringen den Sommer auf der Alpe Gävis und werden für die Nachzucht gebraucht. Auch Kathi und Helli verbrachten den Sommer dort. Die Milchkühe mussten jedoch 12 Tage früher ins Tal zurückkehren, weil es auf der Voralpe kein Futter mehr gab. Die Rinder werden am Dienstag von der Alpe Gävis zur Alpe Gulm getrieben und verbringen damit noch einige Zeit am Berg. Im Tal dauert die Weidesaison noch bis zum ersten Schnee, voraussichtlich bis November.


Immer eine Schaufel dabei
Verrichten Kathi und Helli ihre Notdurft auf der Straße, hat der rüstige Landwirt immer eine Schaufel parat. Der Stiel dient gleichzeitig als Treibstock für die Kühe, die Schaufel zum Einsammeln der Kuhfladen. Diese Maßnahme sei “verkehrsbedingt”, denn: “Wenn ein Motorradfahrer drüberfährt, kann er stürzen. Wenn Autos drüberfahren, verteilen sie den Dreck auf der Straße.” Heinz Bertsch ist dabei sehr umsichtig. “Wenn ein Bus kommt, schaue ich, dass er wegen uns keine Verspätung hat.” Die Verkehrsteilnehmer würden unterschiedlich auf die Kühe reagieren: “Manche machen Fotos, andere schauen nervös.”


Mit acht Jahren hat Heinz Bertsch bereits Kühe auf die Weide gebracht. Jetzt, mit 77 Jahren, denkt er noch immer nicht ans Aufhören, obwohl seine Tochter Karin die Verantwortung für den Betrieb übernommen hat. “Ich bin nur der Knecht”, scherzt er. Es ist ein Drei-Generationen-Betrieb, in dem jeder mithilft. Heinz Bertsch melkt die Kühe weiterhin am Abend – auch für den Eigengebrauch. Im Keller lagern fünf Laibe Weichkäse. “Wenn ich gesund bleibe, mache ich weiter, bis ich vom Melkstuhl umfalle”, sagt er und lacht. “Früher war es wirtschaftlich besser gewesen. Aber je kleiner du bist, desto schlechter bist du dran”, meint der Landwirt, der 25 Jahre bei der Post gearbeitet hat. “Es ist mein Hobby. Man tut es halt gerne.” Auf dem Weg durch den Ort grüßen Passanten und Radfahrer ihn, und er grüßt freundlich zurück. Man kennt ihn in Satteins und darüber hinaus.








