Selbst ein elektrisierter Zaun schützte “Söckle” nicht vor tödlichem Angriff

Wieder ein gerissenes Schaf bei Tschagguns. Wieder gilt ein Wolf als Verdächtiger. Die Besitzerin ist ratlos.
Tschagguns Schon wieder das Gemeindegebiet Tschagguns. Im Weiler Bitschweil oberhalb des Montafoner Touristenorts wurde am Freitagmittag ein übel zugerichtetes Schaf entdeckt. Die Besichtigung durch eine Amtstierärztin und die Besitzerin des getöteten Tieres gab zwar kein eindeutiges Ergebnis, sehr wohl aber einen klaren Verdacht. “Es muss wohl ein Wolf gewesen sein. Diese Mutmaßung traf auch die Tierärztin”, berichtet Schafsbesitzerin Claudia Natter (40).
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Der löchrige Zaun
Der Vorfall hat Natter sehr getroffen. Nicht nur, weil sie eines ihrer geliebten 14 Schafe verlor, sondern auch die Art und Weise, wie das Tier durch einen augenscheinlichen Angriff sein Leben verlor. “Ich hatte meine Schafe eingezäunt. Und zwar in einen elektrisierten Zaun, der 1,30 Meter hoch ist.” Natters Theorie der dramatischen Ereignisse: “Der Angreifer hat das Lamm offensichtlich am Rand des Zauns erwischt, konnte danach ein Loch in das Gehege reißen und das Schaf herausreißen. Weiter unten verhängte es sich beim Abtransport im Zaun, wurde dann getötet.”

Vogelwilde Schafe
Wildbiologe Hubert Schatz (62), einmal mehr mit einem Ereignis dieser Art konfrontiert, äußert sich noch vorsichtig. “Ein Wolfsriss ist möglich, aber noch nicht bestätigt”, sagt er zum Vorfall im Weiler Bitschweil bei Tschagguns.
Natter ist sich indes ziemlich sicher, dass das Weidegebiet ihrer Schafe schon einmal von Wölfen heimgesucht wurde. “Vor vier Wochen war’s, als ich die sonst so zutraulichen Tiere völlig verstört antraf. Sie hetzten vogelwild herum, waren völlig anders als gewöhnlich.”
Der Weiler Bitschweil liegt nicht weit von der Alpe Alpila entfernt, wo vor wenigen Wochen ein Esel und ein Jungrind mutmaßlich von einem oder mehreren Wölfen übel zugerichtet und letztlich getötet werden mussten.
Das schlechte Gefühl
“Es hinterlässt ein schlechtes Gefühl, wenn nicht weit vom Siedlungsgebiet Wölfe Schafe reißen”, kommentiert Tschagguns’ Bürgermeister Gerhard Vonier (55) den Vorfall im Weiler Bitschweil. Vom Schafsriss wurde er unmittelbar nach dessen Entdeckung informiert und wartet gespannt auf weitere Informationen.

Immerhin: Die Angst vor gerissenen Nutztieren sollte nicht mehr lange andauern. Wenn die Tiere wieder in ihren Ställen sind, müssen sich Wölfe bei ihrer Jagd auf Wildtiere beschränken. “Aber natürlich haben gerissene Wildtiere auch Auswirkungen auf die Jagd”, bemerkt Schatz.
Auswirkungen auf das Gemüt bei Natters hat auf alle Fälle das getötete Schaf vom Bitschweil. “Es hieß Söckle und war das Lieblingslamm meiner Tochter”, trauert Claudia Natter dem Verlust des Tieres nach. Zudem beklagt sie die ihrer Meinung nach geringe Entschädigung der öffentlichen Hand für solcherart ums Leben gekommene Nutztiere.