Große Nachfrage: Neuer Friedhof in Schruns muss bereits erweitert werden

Erst Mitte Juli wurde die Klosterwiese in Schruns eröffnet. Schon jetzt sind alle Familienringe vergeben. Das besondere Konzept steht Einheimischen wie Urlaubern offen.
Schruns Dieser Friedhof ist nicht mit dem Auto zugänglich. Wer hier seine Liebsten besuchen möchte, muss einen steilen Weg auf sich nehmen. Doch genau diese Abgeschiedenheit schätzen viele. Beim Kloster Gauenstein in Schruns gibt es seit Mitte Juli eine Klosterwiese, auf der Menschen jeglicher Herkunft und Religion beerdigt werden können. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob sie Einheimische oder Urlauber sind.


Pfarrer Hans Tinkhauser erhielt immer wieder Bestattungsanfragen von Gästen, die „die schönsten Tage ihres Lebens im Montafon verbracht haben“. Die Problematik sei all die Jahre gewesen, „dass keine Gäste hier bestattet werden konnten“, erklärt Tinkhauser. Auf kommunalen Friedhöfen sei dafür ein Wohnsitz in der Gemeinde nötig, weshalb er nach einer Alternative gesucht habe. Zunächst zog er den Wald beim Kloster in Betracht, doch dieser ist zu steil. Die Wiese neben dem Kloster erwies sich dagegen als geeignet. Es handle sich um ein anderes Konzept als bei einer Waldbestattung: Die Verstorbenen werden in Ringen beerdigt, die mit winterharten, heimischen und insektenfreundlichen Pflanzen gestaltet sind.

Es gibt zwei Grabarten: einen Gemeinschaftsring (Gemeinschaftsgrab) und einen Familienring (Familiengrab). Mit neun Ringen, darunter sechs Familienringe, wurde im Juli gestartet. Wegen der großen Nachfrage müsse die Anlage bereits erweitert werden. Alle Familienringe seien vergeben. „Ich war überrascht, dass es so gut angenommen wird“, sagt Tinkhauser. „Und das in so kurzer Zeit im ganzen Land.“

Bei Bedarf erweitert
Für die Erweiterung wird die Wiese unterhalb mitgenutzt, auf der noch eine Linde gepflanzt wird. Je nach Bedarf kommen dort weitere Ringe hinzu. „Der Platz ist da“, betont Tinkhauser. Zudem werde noch ein barrierefreier, naturnaher Kiesweg angelegt, der hinunter zur großen Wiese führt.


Die Gräber sehen bewusst verwildert aus. „Wir wollen sie so natürlich wie möglich gestalten“, sagt Claudia Oberer vom Pfarrverband Mittleres Montafon. Nur dreimal im Jahr werde gemäht und gezupft. Es soll „kein perfekter englischer Garten“ werden. Zwei Nussbäume zieren die Klosterwiese. Hier wachsen nur Bäume und Pflanzen, die der Tierwelt nützlich sind. Der Nussbaum liefert Eichhörnchen Nahrung, die Linde wird künftig von Bienen angeflogen.

Was noch fehle, seien Steckfahnen, damit erkennbar ist, ob es sich um ein Familien- oder Gemeinschaftsgrab handelt. Die Namen der Verstorbenen stehen auf Holztafeln an der Klostermauer, nicht am Grab. Auch Kerzen und Engelsfiguren sind am Grab nicht erlaubt. Neben Sitzbänken sind eine Lichtsäule mit Kerze und ein religiöses Symbol geplant. Für Sternenkinder wird es einen eigenen Ring geben, der für die Eltern kostenlos ist.

Die Angehörigen haben mit dem Grab keine Verpflichtungen. Sie müssen es weder pflegen noch monatlich dafür bezahlen. Die Zahlung erfolgt einmalig bei der Bestattung. Die Laufzeit beträgt 25 Jahre, kann jedoch verlängert werden.
Zufahrt beschränkt
Ein Besuch auf dem Friedhof lässt sich gut mit einem Spaziergang verbinden. Bei religiösen Feiern ist die Zufahrt mit einem Allradfahrzeug möglich, Parkplätze sind jedoch begrenzt. Alternativ können Besucher auf dem Parkplatz des Hotels Vitalquelle Montafon parken, sofern sie an der Rezeption Bescheid geben. Im Winter finden Bestattungen wegen des steilen Weges nur bei geeigneter Witterung statt.

Die Pfarre Schruns arbeitet mit dem Ethik & Umwelt Krematorium Hohenems zusammen. Das Krematorium verwaltet die Grabplätze und gestaltet die Namenstafeln, die Verträge laufen über das Haus der Kirche.