Elektroautos auf der Überholspur

VN / 11.09.2026 • 16:40 Uhr
Elektroautos auf der Überholspur
Blick auf die Rheintalautobahn bei Bregenz: Auf den Straßen sind noch “Verbrenner” klar dominierend. Nach und nach ändert sich das jedoch. VN/Steuer

Bei den PKW-Neuzulassungen beträgt der Anteil in Vorarlberg bereits mehr als ein Viertel.

SCHWARZACH. „Das ist ein Boost“, sagt Martin Reis vom Vorarlberger Energieinstitut: Mit stark gestiegenen Spritpreisen sei ein Schub einhergegangen, der den Trend hin zu Elektroautos massiv verstärkt hat. Ablesbar ist das aus der Entwicklung der PKW-Neuzulassungen im Land: Bis Ende August sind 2752 reine Elektroautos neu zugelassen worden. Das waren fast so viele wie im gesamten vergangenen Jahr und um knapp 40 Prozent mehr als vor zwei Jahren bis einschließlich Dezember.

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Geht man von allen PKW-Neuzulassungen aus, beträgt der Elektro-Anteil bereits 25,7 Prozent. Hybrid-Fahrzeuge kommen auf 36,6 Prozent – und reine Verbrenner bei rückläufiger Tendenz auf 23,8 Prozent (Benzin) bzw. 13,8 Prozent (Diesel)

Die hohen Spritpreise sind eine wesentliche Erklärung für die Entwicklung: Zu Jahresbeginn betrugen sie noch gut 1,50 Euro pro Liter. Infolge des Irankrieges schnellten sie nach oben. Zuletzt kotete ein Liter Benzin nur noch geringfügig weniger als zwei Euro und ein Liter Diesel fast 2,20 Euro. Das ist Daten der Regulierungsbehörde „E-Control“ für Vorarlberg zu entnehmen. Dabei handelt es sich um Medianwerte. Das bedeutet, dass sie bei der einen Hälfte der erfassten Tankstelle höher und bei der anderen niedriger sind.

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Dass Elektroautos immer gefragter sind, hat laut Reis auch damit zu tun, dass es immer mehr und vor allem auch günstigere Modelle gibt sowie die Ladeinfrastruktur gut ausgebaut sei. Strom sei außerdem vergleichsweise günstig im Land, und könne mit einer eigenen PV-Anlage quasi auch selbst produziert werden.

Martin Reis folgt als Geschäftsführer auf Josef Burtscher. FA/Matak
„Mit den stark gestiegenen Spritpreisen ist ein Schub einhergegangen”, erklärt Martin Reis vom Energieinstitut. Energieinstitut/Matak

Rudi Lins, Betreiber des gleichnamigen Autohauses und Fachgruppenobmann in der Wirtschaftskammer, berichtet, dass Kunden heute deutlich stärker auf die laufenden Kosten achten würden als vor wenigen Jahren: „Die hohen Benzin- und Dieselpreise haben dieses Bewusstsein klar verstärkt.“ Für viele sei ein Hybridfahrzeug eine pragmatische Antwort. Aber auch bei Elektroautos spüre man eine wachsende Offenheit. Das liege nicht zuletzt daran, dass sie alltagstauglicher geworden sind; zum Beispiel im Hinblick auf die Reichweite.

Auch Manuel Brunner vom Autohaus Ellensohn bestätigt den Trend: „Wir haben insgesamt circa 75 Modelle, davon sind circa 30 sogenannte Steckerfahrzeuge.“ Damit gemeint sind Plug-in-Hybrid- oder reine Elektroautos. Bald werde es sich um die Hälfte handeln. Verbrenner werden nach Einschätzung von Brunner nicht verschwinden, in Zukunft aber eher eine Nische bilden.

Elektroautos auf der Überholspur
Rudi Lins, Fachgruppenobmann in der Wirtschaftskammer, berichtet, dass Kunden heute deutlich stärker auf die laufenden Kosten achten würden als vor wenigen Jahren. VN/Steurer

„Die Zukunft ist elektrisch“, ist Michael Schwendinger vom „Verkehrsclub Österreich“ überzeugt: „Die stark gestiegenen Spritpreise unterstreichen, dass es auch ökonomisch klug ist, auf ein Elektroauto umzusteigen. Hybride dürften sich historisch betrachtet als Zwischenschritt erweisen.“

ÖAMTC-Sprecher Darko Markovic weist darauf hin, dass Firmenwagen bei den Neuzulassungen eine wesentliche Rolle spielen: Im ersten Halbjahr seien hierzulande 60 Prozent aller Pkw und 61 Prozent der Elektroautos auf Unternehmen oder andere juristische Personen entfallen. Bei elektrischen Firmenwagen gelte noch ein Sachbezug von null. Das ist ein steuerlicher Vorteil. Mit 2027 fällt es weg, was zunächst für einen Dämpfer bei den Neuzulassungen sorgen könnte.

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So oder so bleiben „Verbrenner“ vorerst eindeutig bestimmend auf den Straßen bzw. im PKW-Bestand. Verschiebungen bei den Neuzulassungen ändern erst im Laufe der Jahre etwas daran: Ende 2025 waren noch fast 85 Prozent aller knapp 226.000 gemeldeten Pkw im Land benzin- oder dieselbetrieben. Der Hybrid-Anteil belief sich auf 9,4, der Elektroanteil gar erst auf 5,9 Prozent.