Viel Aufwand, (k)ein Abseits – und null Punkte

Schierl hadert mit einer Entscheidung, Mader vermisst den “Killerinstinkt”.
Wien Domenik Schierl fuchtelte entsetzt mit den Armen. Es war die dritte Minute der Nachspielzeit, die Wiener Austria hatte soeben ihr zweites Tor geschossen, Lustenau das Spiel aus der Hand gegeben. Vor dem Tor hatte Lee Kang-hee per Kopf die Latte getroffen und kam auf der Linie zu Fall. Dorthin, ins linke Tormanneck, setzte Kelvin Boateng den Ball per Seitfallzieher. Schierl kam nicht mehr entscheidend heran. Neben ihm, da wo der Ball landete, da lag einer: Lee. Und zwar im Abseits. “Er behindert mich ganz klar, er nimmt mir die Sicht”, erklärte Schierl nach dem Spiel immer noch aufgebracht. “Ich kann dir 20 Tormänner hinstellen, jeder sagt da das gleiche.” Und so war nach der 1:2-Niederlage der Lustenauer Austria bei jener aus Wien mit Christian-Petru Ciochirca wieder einmal der Schiedsrichter im Fokus. Der gab den Treffer nämlich trotz der gar nicht so passiven Abseitsstellung Lees, und der VAR revidierte trotz Checks nicht. Ciochirca habe ihm erklärt, Lee schaue nicht zum Ball, so könne er ihn ja gar nicht stören, sagte Schierl. “Dann lege ich jetzt einfach immer Spieler seitenverkehrt ins Tor”, fügte er sarkastisch hinzu.
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Extrem bitter sei das alles, so Schierl, und damit meinte er auch das Spiel an sich. Das hatte Lustenau lange gut unter Kontrolle, verteidigte Drangphasen engagiert und hatte selbst gute Möglichkeiten. “Wir haben die erste Hälfte gut übertaucht, wir haben gewusst, Austria Wien muss”, so Schierl über den kriselnden Gegner. Deren Trainer Stephan Helm lobte: “Ich finde, dass Lustenau super eingestellt war.”

Das wurde zu Beginn von Hälfte zwei belohnt, der zuvor eingewechselte Sacha Delaye schickte den erneut sehr auffälligen Dominik Weixelbraun in die Tiefe, der verwertete zum 0:1 (47.). Man sei mit richtig viel Schwung rausgekommen, hätte auch das zweite Tor machen können, so Schierl. Die beste Möglichkeit dazu hatte Delaye, der den Ball an den Pfosten schlenzte (74.). “Bis zur 80. Minute haben wir alles unter Kontrolle gehabt”, so Schierl. Dann erzielte Julian Hettwer das 1:1, und die eingangs beschriebene Szene bescherte den Wienern drei Punkte. Trainer Markus Mader sprach von klarem Abseits, aber: “Das Spiel wird nicht wiederholt, die Punkte werden nicht zurückkommen, man wird das Tor nicht aberkennen. Haken drunter.”

“Wenn das so weitergeht…”
Vor der eigenen Tür hatte die Austria genug zu kehren, das sprach Mader klar an. Völlig unnötig, nannte er die Niederlage. “Wir haben es wieder geschafft, dass wir eine tote Mannschaft zum Leben erweckt haben.” Wenn man die Kontersituationen sauberer ausspiele, könne man den Sack zumachen. Die Mannschaft sei jung, vieles gut gewesen, so Mader. “Aber in so einem Spiel musst du einen Killerinstinkt haben.” Der fehlte, erneut verlor man – wie schon gegen den GAK und die WSG Tirol – gegen einen Gegner aus dem Tabellenkeller. “Fußball ist ein Ergebnissport und wir liefern momentan die Ergebnisse nicht. Wenn das so weitergeht, sind wir bald bei den Letzten”, warnte Mader. Mit Altach wartet im Derby der nächste Tabellenletzte.