Kopftuchverbot an Vorarlberger Schulen: Ruhiger Start in Lustenau, Protest in Bregenz

VN / 14.09.2026 • 15:30 Uhr
Kopftuchverbot an Vorarlberger Schulen: Ruhiger Start in Lustenau, Protest in Bregenz
Mit dem Kopftuch zur Schule. An der Mittelschule Lustenau Kirchdorf gab es keine Verstöße. Die über 14-jährigen Mädchen durften das religiöse Symbol tragen.Alexandra Serra

Während sich an der MS Lustenau Kirchdorf alle an die geltenden Regeln hielten, war das an der Bregenzer MS Schendlingen anders.

Lustenau, Bregenz Das war so vielleicht nicht zu erwarten, doch nun konnte sich Direktorin Sabine Müller (56) ein zufriedenes Schmunzeln nicht verkneifen. “Alle haben sich an das Gesetz gehalten. Wir mussten nicht einen Verstoß gegen das nun in Kraft getretene Kopftuchverbot registrieren”, freute sich die Schulleiterin, kurz nachdem die 250 Schülerinnen und Schüler – mit Ausnahme der Erstklässler – ihren Arbeitsplatz für das neue Schuljahr im altehrwürdigen Gebäude der früheren Hauptschule Lustenau Kirchdorf bezogen hatten.

Kopftuchverbot an Vorarlberger Schulen: Ruhiger Start in Lustenau, Protest in Bregenz
Zahraa und Antonella. Ein Kopftuch stört ihre Freundschaft nicht. Zahraa ist 14 und geht weiterhin mit Kopftuch zur Schule.Alexandra Serra

“Ich finde es gut”

An die Regeln hält sich auch Ecrin. Noch hat sie kurz vor Betreten der Schule ihr Kopftuch an. “Aber ich tu’s ab, bevor ich ins Gebäude gehe. Für mich gilt dieses Verbot nur einen Monat. Dann bin ich 14. Und dann werde ich es wieder anziehen.” Dass sie kurzfristig ihr religiöses Ritual aufgeben muss, versteht sie allerdings nicht.

Mit Kopftuch zur Schule schlendert auch Zahraa mit ihrer nicht kopftuchtragenden Freundin Antonella. “Ich bin 14”, betont Zahraa. “Ich darf das Kopftuch tragen.” Mit Zehra und Kübra nähern sich zwei weitere kopftuchtragende Schülerinnen der Mittelschule Kirchdorf. Beide sind ebenfalls 14 Jahre alt. Bereitwillig erzählen sie den VN, was sie vom Kopftuchverbot halten, auch wenn es sie nicht betrifft. Dabei überrascht Zehra mit ihrem differenzierten Statement. “Ich möchte betonen, dass ich das Kopftuch freiwillig trage. Aber ich räume ein, dass das Kopftuchverbot berechtigt ist für jene Mädchen, die das nicht freiwillig tun und gezwungen werden. Für die ist dieses Gesetz gut.”

Gar nichts mehr auf dem Kopf

Das Gesetz gut findet auch Miriam Schmied-Grabher (37), Lustenauer Mutter von zwei Schülern an der traditionellen Bildungsstätte. “Speziell in diesem Alter sind doch viele Mädchen in der Phase der Selbstfindung. Diese wird durch das Tragen eines Kopftuchs sicher erschwert.”

Kopftuchverbot an Vorarlberger Schulen: Ruhiger Start in Lustenau, Protest in Bregenz
Miriam Schmied-Grabher hat eine klare Meinung zum Kopftuchverbot an Schulen. “Es beeinträchtigt Mädchen bei ihrer Selbstfindung.”

An der Mittelschule Kirchdorf galt vor dem neuen Gesetz ein Verbot für Kopfbedeckungen aller Art. “Außer dem Kopftuch als religiösem Symbol”, wie Direktorin Müller erläutert. Mit dem jetzt geltenden Gesetz hat jedoch auch das, zumindest vorläufig, ein Ende. Die Schulleiterin äußert sich generell lobend über die muslimischen Mädchen an ihrer Bildungsstätte. “Das sind sehr anständige und sehr gepflegte Jugendliche.” Insgesamt nehme die Zahl der muslimischen Schülerinnen und Schüler an der Mittelschule Kirchdorf ab.

Kopftuchverbot an Vorarlberger Schulen: Ruhiger Start in Lustenau, Protest in Bregenz
Direktorin Sabine Müller hat gut lachen. An Tag eins des Kopftuchverbots an der Mittelschule Lustenau-Kirchdorf gab es keine Probleme.BVS

Widerstand in Bregenz

Weniger harmonisch verlief Tag eins des Kopftuchverbots an der Mittelschule Schendlingen in Bregenz. Dort kam es vor der Schule zu einer Demonstration von einigen muslimischen Müttern. “Sieben kopftuchtragende Mädchen haben dann im Schulgebäude das Kopftuch nicht abgelegt”, berichtet Direktorin Bianca Wimmer. Nachsatz: “Immerhin versicherten mir einige von ihnen, sie würden das am nächsten Tag tun”, nimmt Wimmer die Situation unaufgeregt zur Kenntnis.

An der Mittelschule Bregenz Schendlingen weisen 70 Prozent der 280 Schülerinnen und Schüler einen Migrationshintergrund auf. Die meisten von diesen sind Muslime.

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