Von Schröcken nach Warth: Volksschule auf Wanderschaft

Warth hat wieder eine Schule. Aber es ist kein zusätzlicher Standort, dieser siedelt nur von Schröcken über.
Warth In der Schulgeschichte am Hochtannberg wird mit dem Schuljahr 2026/27 ein neues Kapitel aufgeschlagen: Im 1992 eröffneten neuen Warther Schulgebäude, das seit 2011 leer stand, kehrt wieder Leben ein – 16 Schulkinder werden unterrichtet.
Die nächsten Jahre in Warth
Einen zusätzlichen Schulstandort gibt es deshalb aber nicht, denn im gleichen Zug wird die Volksschule Schröcken “stillgelegt”. Dieser Wechsel auf die andere Seite des Hochtannbergpasses wurde vor 15 Jahren festgelegt: “Damals bestanden in beiden Gemeinden Volksschulen, in Warth sogar eine Hauptschule”, weiß Schröckens Vizebürgermeister Eric Leitner zu erklären. Weil in beiden Gemeinden die Schülerzahlen dramatisch zurückgegangen waren, wurde die Regelung getroffen, eine der Schulen stillzulegen und die Schulkinder in einer Schule zusammenzufassen. “Sinnvollerweise war das die Schule aus jener Gemeinde, die mehr Kinder stellte.”
Seit 2011 war dies Schröcken, jetzt hat sich das Blatt gewendet: “Im neuen Schuljahr sind zehn Kinder aus Warth und sechs aus Schröcken in unserer Schule”, so Bürgermeister Stefan Strolz, der sich darauf einstellt, dass dies die nächsten Jahre so bleiben wird, denn das Verhältnis dürfte auch in absehbarer Zeit eine “Warther Mehrheit” sein.

Auf und ab seit Generationen
Dass sich die Schülerzahlen am Hochtannberg seit Jahrzehnten oft binnen weniger Jahre dramatisch ändern, ist nicht außergewöhnlich. Es hängt auch damit zusammen, dass die Tiroler Nachbarn in der Vergangenheit in Warth zur Schule gingen. “Die beiden Steeger Ortsteile Lechleiten und Gehren sind von Steeg rund zehn Kilometer entfernt, liegen aber nur etwa zwei bis drei Kilometer von Warth entfernt. Deshalb gingen die Kinder aus Lechleiten und Gehren auch in Warth zur Schule, ehe sich die beiden Ortsteile dazu entschlossen, eine eigene Volksschule einzurichten”, weiß einer, der mit der Materie persönlich eng verbunden ist: Altbürgermeister Gebhard Fritz, der aus Gehren stammt, selbst in Warth zur Schule ging und später nach Warth übersiedelte und dort eine Pension betrieb.

Ein verhängnisvolles Eigentor
Dass Lechleiten und Gehren unbedingt ihre eigene Volksschule wollten, wurde zum Eigentor: 2017, sechs Jahre nach der Stilllegung in Warth, war auch in Lechleiten die Schülerzahl auf nur noch vier gesunken. Allen Protesten aus Lechleiten und Gehren zum Trotz verwarf das Tiroler Landesverwaltungsgericht die Beschwerde der Gemeinde Steeg und bestätigte die Auflassung der VS Lechleiten. Die Einsicht kam zu spät – wären die Kinder aus Lechleiten und Gehren so wie früher weiter in Warth zur Schule gegangen, hätte diese Schule weiterbestanden.

Blütezeit vor 33 Jahren
Wie dramatisch sich die Schülerzahlen in Warth innerhalb weniger Jahre ändern, zeigte sich vor Jahren. Einerseits unterrichtete Meinrad Hopfner – von 1960 bis 1992 Bürgermeister und 1952 bis 1987 Lehrer in Warth – in den 1980er-Jahren nur noch vier Schulkinder, wenige Jahre später war die Schülerzahl im Schuljahr 1993/94 auf 40 Kinder angewachsen.

Diese Entwicklung war auch Grundlage dafür, dass in Warth ein neues, modernes Schulgebäude gebaut werden konnte, in dem neben der Volksschule auch eine Hauptschule untergebracht war.
Rapider Schülerschwund
Die Blütezeit war von kurzer Dauer, die Schülerzahlen sanken kontinuierlich, und die Schließung zeichnete sich ab etwa 2005 ab. Nach dem Schuljahr 2010/11 war im wahrsten Sinne des Wortes Schulschluss für die Hauptschule, und auch der Kampf um den Erhalt der Volksschule war vergeblich. STP
