Hier geht Gott bald auch mit Tinte und Nadel unter die Haut

Tattoos und Kirche gelten oft als Gegensatz. In St. Martin wollen Dominik Toplek und Mona Pexa an einem Abend dieses Bild verändern.
Dornbirn “Es geht darum, die Vielfalt darzustellen – was Kirche ist und wer Kirche ist”, erklärt Mona Pexa. Sie steht neben Pfarrer Dominik Toplek vor der Altarinsel der Pfarrkirche St. Martin. Ein Blick auf ihren rechten Unterarm verrät, worum es geht: Hier findet sich ein Verweis auf Psalm 27:3, mit Tinte unter der Haut verewigt.

Am 25. September laden die 34-jährige Dornbirnerin von der Jungen Kirche Vorarlberg und der Dornbirner Pfarrer in Kooperation mit der kirchlichen Initiative Denk Dich Neu in die Pfarrkirche St. Martin nach Dornbirn. Der Anlass ist aber keine Messe: Religious Ink geht nach vier Jahren Pause in die zweite Runde, in Dornbirn treffen Spiritualität und die Tätowiernadel wieder aufeinander.
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Dabei wird auch wortwörtlich zur Nadel gegriffen: Mit Ego Sum Lux Mundi (“Ich bin das Licht der Welt” aus dem Johannesevangelium) ist ein Tätowierkünstler aus Barcelona zu Gast, der sich auf spirituelle und mythologische Themen spezialisiert hat. Fünf Termine waren online vorab buchbar und sind bereits weg. Es sind aber weitere Termine am Freitag vor Ort zu erhaschen. Den Besuch des Tattoo-Künstlers ermöglichte der Theologe Lukas Mattei. Er trägt nicht nur Tattoos des Spaniers, sondern wird auch einen Impulsvortrag beisteuern. Selbiges gilt für die Lindauer Tätowiererin Julia Pucher: Die Kultur- und Sozialanthropologin forscht am Institut für deutsche Tätowiergeschichte und ist im Vorstand des Tätowierkunst e. V. aktiv. Ergänzt wird das Angebot von mehreren Menschen mit spirituellen Tattoos, die für den Austausch mit den Besucherinnen und Besuchern bereitstehen.
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Dass Religious Ink wie bei der Premiere bereits in Dornbirn stattfindet, ist kein Zufall. Toplek ist für seine Tattoos bekannt, auf seinem Rücken findet sich sein persönliches Glaubensbekenntnis und Verständnis des Wesens Gottes: “Jahwe” auf Hebräisch, das altgriechische “ich bin” bezieht sich auf die Selbstoffenbarungen Jesu in der Bibel. Hinzu kommen unter anderem das lateinische Anima (Seele), der Planet Erde und der vitruvianische Mensch da Vincis.

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“Für mich sind Tattoos fast eins zu eins mit einem Gebet gleichzusetzen”, räumt der 55-Jährige ein. Für ihn macht die Körperkunst den Glauben ähnlich sichtbar, wie es die Wandgemälde in der Kirche tun. “Unsere Körper sind Tempel Gottes, die Tattoos bringen das Innere zum Ausdruck und zieren den Körper damit.”

Dementsprechend soll auch mit gewissen Vorurteilen bezüglich der Körperkunst aufgeräumt werden. “In unserer Gesellschaft kommt noch oft das Vorurteil vor, dass Tattoos Sünde sind”, erklärt Pexa. “So viel vorweg: Das stimmt nicht.” Ihr Tattoo entstand bei der ersten Religious Ink. “Ich wollte schon länger ein Tattoo, etwas mit Bedeutung”, erinnert sie sich. 2022 war sie dann eine der letzten Anwesenden und entschied sich spontan, dass es an diesem Tag so weit sein müsste.

Schlussendlich sollen sich am 25. September ab 17:30 Uhr Körperkunst und Glaube einander näherkommen. “Kirche ist viel mehr als das Bild, das wir vielleicht von ihr haben”, betont Pexa. “Mein großer Wunsch ist, dass man Tattoos auch von einer anderen Seite anschaut. Dass man sieht, das ist mehr als Körperkunst.”
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Religious Ink
Wenn Glaube unter die Haut geht.
Freitag, 25. September 2026, 17.30 – 22 Uhr
Pfarrkirche Sankt Martin, Marktplatz 1, Dornbirn