Als Sandler oder Junkie beschimpft: Jetzt gibt es einen neuen Rückzugsort in Bregenz

Eine Neuerung im dowas zieht mehr Menschen an – warum das auch für die Nachbarschaft von Vorteil sein soll.
Bregenz Eine neue Terrasse und ein umgestalteter Garten schaffen in der Sozialeinrichtung dowas in Bregenz einen zusätzlichen Aufenthaltsraum. Obwohl dort nun auch ein moderater Alkoholkonsum erlaubt ist, sei die Atmosphäre viel entspannter als zuvor. “Das Team hätte nicht damit gerechnet, dass das so problemlos abläuft”, erzählt Natascha Preininger, Leiterin des Tageszentrums. “Wir mussten bis jetzt noch kein einziges Mal regulierend eingreifen.”
Gut genutztes Angebot
Der Verein dowas bietet eine Notschlafstelle, ein Tageszentrum, Beratungsangebote und betreute Wohnformen in Bregenz an. Ein Garten war in der Einrichtung immer vorhanden, jedoch blieb er größtenteils unbenutzt. Unter anderem, weil man dafür das halbe Haus umrunden musste. Beim Umbau wurde ein Durchbruch geschaffen, durch den man nun vom inneren Aufenthaltsbereich direkt ins Grüne gelangt.


Schon im März wurde der Umbau fertiggestellt. Am Donnerstag gab es eine offizielle Eröffnungsfeier, bei der bereits erste Schlüsse gezogen werden konnten: Während im vergangenen Jahr durchschnittlich 50 Personen pro Tag das Tageszentrum nutzten, waren es im Juli und August dieses Jahres 80 Personen pro Tag. Obwohl die Zahl der Nutzer gestiegen ist, führe das größere Platzangebot zu weniger Reibungspunkten unter ihnen. Außerdem sei der nun teilweise überdachte Garten in den Sommermonaten eine wichtige Hitzeschutzoase für sie gewesen.

“Es ist etwas ganz anderes, wenn man sich zum Rauchen vor die Tür stellt oder wenn man sich in einen gemütlichen Garten setzen kann”, verdeutlicht Preininger. Im Haus ist nicht nur Rauchen verboten, sondern auch der Konsum von Alkohol. Dieser ist nun – solange er moderat bleibt – im Garten erlaubt. Früher sei es mitunter vorgekommen, dass einige Nutzer kurz nach draußen gingen und dort hastig etwas tranken, um anschließend schnell wieder hineinzukommen. “Jetzt sind die Besucher entspannter.”
Mehr als nur ein Rückzugsort
Dass der neue Garten gern und viel genutzt wird und die Atmosphäre besser ist, bestätigt auch Alexander Strohmeier. “Seit über zwei Jahren lebe ich abstinent und wohne seit Kurzem in einer dowas-Wohnung”, erzählt der 49-jährige Bregenzer. Er hat schon mehrfach im Garten gegrillt und kocht für etwas Taschengeld generell immer wieder das Mittagessen für die Nutzer.

“Alexander ist ein Vorzeigebeispiel dafür, was man durch solch eine Institution und eigenen Willen erreichen kann”, unterstreicht Preininger. Auch bei der Gartenpflege können sich Nutzer wie Strohmeier ein Taschengeld dazuverdienen. Außerdem wurde ein Hochbeet gebaut, das man gemeinsam bepflanzen will.

Geschützter Raum
Der Umbau des Gartens kostete laut Geschäftsführer Ferdinand Koller insgesamt rund 120.000 Euro. 34.000 Euro wurden aus Spenden und der Rest über den Sozialfonds finanziert.
Im nächsten Jahr möchte der Verein die Öffnungszeiten des Tageszentrums von April bis September um drei Nachmittage pro Woche erweitern. Die finanziellen Mittel dafür werden teilweise von der Stadt zur Verfügung gestellt. Denn dieser Aufenthaltsraum im dowas “entlastet den öffentlichen Raum”. “Aber auch für die Nutzer ist es nicht angenehm, wenn sie im öffentlichen Raum nicht erwünscht sind”, führt Koller aus.

Dies bestätige ein Besucher, der anonym bleiben möchte: “Es ist unangenehm, wenn man von Leuten als Sandler oder Junkie beschimpft wird. Hier ist man nicht nur vor solchen Menschen geschützt, sondern auch vor streitlustigen Personen mit Suchtproblemen.” Der anonyme Nutzer war vor dem Gartenumbau ein bis zwei Mal pro Woche hier. Jetzt kommt er fast täglich.