Beim Mädchenfußball wird aus diesen Rivalen ein Team

FC und Austria Lustenau haben bei den U16-Mädchen eine Spielgemeinschaft.
Lustenau Beim Mädchenfußball ziehen der FC Lustenau und die Austria Lustenau künftig an einem Strang. Mit der “SPG Luschnou Mauotla” haben die beiden Vereine eine gemeinsame U16-Mannschaft ins Leben gerufen. Zwölf Spielerinnen trainieren seit Mitte August zusammen, am Samstagmittag bestritten sie im Holz ihr erstes Meisterschaftsspiel. Dass die neuen Trikots, in denen sich die Farben beider Stammvereine – Grün und Blau – vereinen, noch nicht geliefert wurden, war dabei Nebensache. Kurzerhand liefen die Mädchen gemeinsam im FC-Dress auf. Schließlich sollte an diesem Tag der Fußball im Mittelpunkt stehen.

Zwei Vereine rücken zusammen
Was für die jungen Spielerinnen vor einiger Zeit noch kaum vorstellbar gewesen wäre, fühlt sich inzwischen ganz selbstverständlich an. Beide Lustenauer Vereine hatten zu wenige Mädchen, um jeweils eine eigene Mannschaft zu stellen. Zwei Spielerinnen des FC und sechs der Austria hätten deshalb zu einem anderen Verein wechseln oder ihre Fußballkarriere beenden müssen. Die Spielgemeinschaft ermöglicht es ihnen nun, weiterhin gemeinsam ihrer Leidenschaft nachzugehen. “Die Mädchen haben so bessere Chancen im Profibereich”, sagt Wolfgang Spiegel von der Austria Lustenau, der zugleich Haupttrainer der Spielgemeinschaft ist.

Auch bei den Spielerinnen ist die anfängliche Skepsis verflogen. “Anfangs war es schon etwas komisch, aber jetzt passt das”, sagt die 13-jährige Rosa Baur, die von der Austria kommt.

Trainiert wird zweimal pro Woche: dienstags bei der Austria und donnerstags auf dem FC-Platz im Holz. Für Ajlin Causevic (15), Stammspielerin des FC Lustenau, ist die neue Konstellation eine echte Chance. “Ich hätte wahrscheinlich aufgehört zu spielen, wenn ich zu einem anderen Verein hätte wechseln müssen. Die Spielgemeinschaft ist cool, ich habe sogar viele neue Freundinnen gefunden.” Die 15-Jährige sieht in der Zusammenarbeit auch ein wichtiges Signal für die beiden Vereine. “Wir wollen den Lustenauern zeigen, dass der FC und die Austria zusammenarbeiten können. Sportliche Rivalen zu sein, macht für uns keinen Sinn. Es ist besser, etwas Gemeinsames zu machen.”

Auch Austria-Nachwuchsleiter Mike Urschitz sieht in der Kooperation den richtigen Weg für die Zukunft: “Wir müssen mit diesem Kirchturmdenken aufhören.”
Gemeinsame Damenmannschaft als Ziel
Thomas Sperger vom FC Lustenau und Bernd Bösch von der Austria Lustenau haben mit der SPG Luschnou Mauotla einen ersten Schritt gesetzt. “Vorläufig haben wir bei der U16 der Mädchen eine Spielgemeinschaft. Das Ziel ist, kommendes Jahr auch eine bei den U14-Mädchen zu etablieren”, erklärt Sperger. Langfristig haben die Vereine noch größere Pläne. In zwei bis drei Jahren soll eine gemeinsame Damenmannschaft entstehen, die den Sprung in den Spitzenfußball schaffen kann.

Dass die Grundlage dafür stimmt, zeigen die jungen Spielerinnen bereits. “Sie haben sich als Team gefunden”, freut sich Sperger. Auch die Eltern stehen hinter der Zusammenarbeit. Robert Grellet, dessen Tochter Sophie in der Spielgemeinschaft spielt, sieht darin einen wichtigen Schritt für den Lustenauer Nachwuchsfußball: “Endlich gibt es eine gemeinsame Basis. Der Fokus liegt auf dem Fußball und nicht auf der Farbe der Vereine. Das neue Dress wird dies deutlich symbolisieren.” Beim Heimspiel der FC-Kampfmannschaft am Samstagnachmittag wurden die Mädchen der SPG Luschnou Mauotla in der Halbzeitpause dem Publikum vorgestellt. Ein gemeinsamer Auftritt, der für das neue Miteinander im Lustenauer Mädchenfußball steht. BVS