Vom Brennmaterial zum CO2-Speicher

Bei den zwölften “Götzner Gesprächen” ging es um Torfabbau und die große Bedeutung von Mooren.
Götzis “Torfmoore: vom Brennmaterial zum CO2-Speicher” hieß die zwölfte Auflage der “Götzner Gespräche” im älteren Teil der Kulturbühne AmBach. Im ersten Teil des Abends sprachen Wolfgang Berchtold und vor allem Reinhard Häusle vom Naturmuseum “Schollaloch” über die Technik des Schollenstechens und den Schollenabbau in Koblach und Götzis. Denn rund zweihundert Jahre lang machten die getrockneten Torfstücke einen Gutteil des Brennstoffmaterials in der Kummenbergregion aus.

Weil Holz zu der Zeit rar war, mussten viele Bewohner die mühsame, mit viel Schmutz verbundene Arbeit des Schollenabbaus auf sich nehmen. Jeweils drei Personen teilten sich die Arbeitsschritte: der “Steachar”, der “Foachar” und der “Schiabar”. Einer löste mit dem Spaten den Torf und warf die Brocken aus der Grube oft mehrere Meter weit nach oben, einer musste sie auffangen und der dritte übernahm mit einer Schubkarre (“Beeera”) den Abtransport zum Trocknen im Mahd. “Entwedr du fochscht as oder du frischt as”, war der Spruch, wenn ein “Fänger” den etwa dreißig mal sieben mal sieben Zentimeter großen nassen Torfbrocken nicht auffing und dieser zurück auf den “Steachar” fiel. Von da rührt die Bezeichnung “Schollafreassar”.
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Eine gute Partie schaffte etwa 7000 bis 8000 der etwa vier Kilogramm schweren Schollen an einem Tag, bei den anschließenden Gesprächen wurde gelegentlich “Schollalatein” gesprochen und unmögliche Fabelrekorde von bis zu 16.000 Stück beschworen. Zum Gewinnen der rund 6000 Schollen, die ein Haushalt für eine Heizsaison brauchte, waren etwa hundert Arbeitsstunden nötig. Bei einem Hochwasser im Jahr 188 sind 40.000 Schollen weggeschwommen, vor allem in Altach wurden sie deshalb gerne auf dem Dachboden gelagert. Jährlich wurden bis zu 15 Millionen Schollen abgebaut.

Einen Eindruck von der durch Hitze und Bremsen erschwerten Arbeit bekamen die Besucher:innen durch den dreiminütigen Ausschnitt aus dem Film, den Franz Elsensohn gedreht und der Koblacher Altbürgermeister Werner Gächter besprochen hat. Der Film wurde nach dem offiziellen Teil des Abends für Interessierte in voller Länge (27 Minuten) abgespielt. Zwischendurch kam mehrmals die Rede auf in der Region bekannte Personen wie die Eltern von Bischof Erwin Kräutler.

Neben Berchtold und Häusle kamen als Zeitzeugen Walter Fend, Alfons Loacker und Jutta Mähr zu Wort. Letztere kam aus einem Gemischtwarenladen-Haushalt und erlebte, wie Schollenstecher anschreiben ließen und am Ende der Saison zahlten. “I hätt nia an Kobler ghürotat”, war ihre Schlussfolgerung. Fend musste als Hauptschüler in den Nachkriegsjahren 1946 bis 1949 als “Fänger” helfen und erinnerte sich an “eine strenge und schmutzige Arbeit”. Ebenso wie das Helfen beim Maisanbau und -ernten war es nicht seine “Lieblingsbeschäftigung”.
Im zweiten Teil des Abends ging es um die urzeitliche Entstehung der Moore (“Kinder des Wassers”), von denen es österreichweit in Vorarlberg überdurchschnittlich viele gab und gibt. Vor allem aber über ihre viel stärkere Bedeutung als CO2-Speicher (rund ein Drittel des erdgebundenen Kohlenstoffs), als sie der noch dazu immer stärker leidende Wald hat, und den Einfluss aufs Klima durch das Abkühlen der Luft durch Feuchtgebiete. Darüber, welche Arten von Mooren es gibt, welche Tier- und Pflanzenarten in ihnen leben und wie sie trotz verschiedener bedrohlicher Einflüsse geschützt werden können, sprachen die vier ausgewiesenen Expertinnen Christiane Machold, Petra Häfele, Romana Steinparzer-Kirsits und Sophie Baumschlager.
































































