Hunderte Menschen hießen die Älpler in der Enz willkommen

VN / 21.09.2026 • 11:24 Uhr
Der Alpabtrieb zog bei der Enz vorbei und lockte zahlreiche Schaulustige an.
Der Alpabtrieb zog bei der Enz vorbei und lockte zahlreiche Schaulustige an. cth

Nach einem langen Alpsommer kehrten rund 560 Rinder ins Tal zurück.

Dornbirn Der kleine Paul wirft einen neugierigen Blick in den Anhänger. Opa Herbert Flatz hebt ihn hoch. Die Bauernfamilie vom Adelsgehr nimmt nach einem langen Alpsommer ihr Vieh in Empfang und ist froh, dass alle gut zurück “am Land” sind.

Paul hieß mit seinem Opa Herbert Flatz das Vieh willkommen.
Paul hieß mit seinem Opa Herbert Flatz das Vieh willkommen. cth

Auch für Simon Kaufmann ist es ein besonderer Tag. Er hat gerade seinen zehnten Sommer als Alphirt auf der Alpe Gschwend beendet. Sein Vater Peter war zuvor 20 Jahre auf der Alpe. “Wir feiern heuer also zusammen unser 30-jähriges Jubiläum”, lacht Kaufmann, der auf einen guten Sommer zurückblickt. “Der erste und zweite Schnitt waren gut, natürlich hat der Wassermangel uns vor Herausforderungen gestellt, aber im Großen und Ganzen war es ein guter Sommer – auch dank der zahlreichen Unterstützung, die ich hatte.”

Alphirt Simon Kaufmann (3. v. re.) und seine Helfer waren froh, dass sie alle Tiere wieder gut ins Tal brachten.
Alphirt Simon Kaufmann (3. v. re.) und seine Helfer waren froh, dass sie alle Tiere wieder gut ins Tal brachten. cth

120 Tage verbrachte Kaufmann mit seiner Frau Carmen, den Kindern Lorenz und Lina sowie Freund Lenny auf der Alpe. Nun brachte die Familie alle 149 Rinder wieder sicher ins Tal. Für viele Schaulustige am Straßenrand ist der Alpabtrieb jedes Jahr ein Pflichttermin. Sie wollten sich das geschmückte Vieh und das alte Brauchtum nicht entgehen lassen.

Die Besucher bekamen kunstvollen Kopfschmuck bei den Tieren, aber auch bei den großen und kleinen Älplern zu sehen.
Die Besucher bekamen kunstvollen Kopfschmuck bei den Tieren, aber auch bei den großen und kleinen Älplern zu sehen. cth

Zu den jüngsten Zuschauern gehörte auch Maximilian, der mit seiner Oma und Großtante gekommen war. Als er das geschmückte Vieh sah, wollte er unbedingt auch seinen “Älpler-Hut” verschönern. Kurzerhand trennte sich die Oma von ihrer Brosche und befestigte sie am Hut. Stolz strahlte der kleine Mann, der heuer seine Alpabtrieb-Premiere erlebte. Fasziniert verfolgte er das Geschehen – wie viele andere Besucher auch. Unter den Zuschauern waren neben Dornbirner Familien auch zahlreiche Urlauber, die sich dieses Brauchtum nicht entgehen lassen wollten.

Besucher Max hatte sich extra schick gemacht und feierte mit seiner Oma und Großtante
Besucher Max hatte sich extra schick gemacht und feierte mit seiner Oma und Großtante “Alpabtrieb-Premiere”. cth

Ein Fest für die Heimkehrer

Bei der Enz wurde das Eintreffen der Herden zum Treffpunkt. Die Hatler Musig sorgte für Musik und Bewirtung. Die ersten Rinder der Alpe Gschwend trudelten um 11:55 Uhr ein, es folgten die Unterfluh-Altenhof sowie am Nachmittag die Herde von der Alpe Gunzmoos-Obermörzel.

Der Alpabtrieb lockt jedes Jahr zahlreiche Besucher in die Enz, die dieses Jahr bei Kaiserwetter das Ende des Alpsommers feierten.
Der Alpabtrieb lockt jedes Jahr zahlreiche Besucher in die Enz, die dieses Jahr bei Kaiserwetter das Ende des Alpsommers feierten. cth

Insgesamt kehrten an diesem Samstag rund 560 Tiere von drei Dornbirner Alpen ins Tal zurück. Den Auftakt machten bereits vergangene Woche die Alpen Ilgenwald, Valors, Kobel-Obersehren und Jägerswald. Für die Älpler bedeutet der Abtrieb nach den Wochen auf den Bergen auch das Wiedersehen mit Familie und Freunden. Für die Zuschauer ist es ein Stück gelebte Landwirtschaft, das einmal im Jahr direkt vor ihrer Haustür sichtbar wird.

Zahlreiche Schaulustige warteten auf das Eintreffen der Herden.
Zahlreiche Schaulustige warteten auf das Eintreffen der Herden. cth

Die Alpabtriebe sind jedes Jahr auch ein Zeichen für das Ende des Alpsommers und machen die Bedeutung der Alpwirtschaft deutlich. Die Bewirtschaftung der Alpen trägt dazu bei, die offene Kulturlandschaft zu erhalten und einer zunehmenden Verwaldung entgegenzuwirken. Insgesamt verbrachten bzw. verbringen heuer rund 1200 Rinder den Sommer auf den Dornbirner Alpen.

Für die Bauernfamilien bedeutet der Alpabtrieb die Rückkehr ihrer Tiere ins Tal.
Für die Bauernfamilien bedeutet der Alpabtrieb die Rückkehr ihrer Tiere ins Tal. cth

Der Alpsommer ist nämlich noch nicht ganz vorbei. Am kommenden Samstag, 26. September, folgt mit der Alpe Wöster der dritte und letzte Alpabtrieb. Rund 300 Tiere von Laubach und Nest sowie Hasengerach werden gegen 12:55 Uhr bei der Enz erwartet. Musik und Bewirtung gibt es diesmal nicht, den Tieren dürfte das aber herzlich egal sein. CTH