Wenn der Berg vom Klimawandel erzählt

Vorarlbergs Wanderführer werden zu KlimaGuides und lernen, die sichtbaren Folgen des Klimawandels zu vermitteln.
Schwarzach Wer mit offenen Augen durch Vorarlberg wandert, kann den Klimawandel längst entdecken. Im Wald, in den Bergen, an den Gewässern und in den Mooren zeigen sich Veränderungen, die früher weniger sichtbar waren. Doch was genau steckt hinter diesen Beobachtungen? Und wie lassen sich die Zusammenhänge so erklären, dass sie auch für andere verständlich werden?

Genau darum geht es bei der Ausbildung zum KlimaGuide. Im Frühjahr 2026 haben die KLAR! plan b-Modellregionen, Biosphärenpark Großes Walsertal, Walgau und Energieregion Vorderwald engagierte Wanderführerinnen und Wanderführer aus Vorarlberg zu einer umfassenden Weiterbildung eingeladen. Ziel ist es, Wissen über die Folgen des Klimawandels zu vertiefen und dieses Wissen in der Natur weiterzugeben.

Die Ausbildung ist praxisnah und stark auf die Region ausgerichtet. Gemeinsam mit erfahrenen Expertinnen und Experten wurde die Landschaft dabei wie ein Geschichtsbuch gelesen: von der Entstehung des Lebensraums bis zu den aktuellen Veränderungen durch den Klimawandel. Im Mittelpunkt stand die Frage, was sich draußen in der Natur beobachten lässt, welche Zusammenhänge dahinterstehen und wie diese für Gäste und Gruppen greifbar werden.

Ein Wald, der sich verändern muss
Ein Ausbildungstag führte in den Vorderwald. Dort ging es um die Besonderheiten des Plenterwaldes, in dem Bäume unterschiedlichen Alters nebeneinander wachsen und einzeln geerntet werden, und um die Frage, warum diese Form des Waldes vergleichsweise gut auf den Klimawandel vorbereitet ist. Gleichzeitig wurde deutlich, vor welchen Herausforderungen Wälder und Waldbesitzer durch zunehmende Trockenheit und Hitze stehen. Auch die Frage, welche Bäume mit den schnellen Veränderungen zurechtkommen können, wurde behandelt – ohne dabei invasive Arten zu fördern.

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Wasser wird zur Herausforderung
Ein weiterer Schwerpunkt waren die Moore. Sie spielen im Klimawandel eine besondere Rolle: Intakte Moore speichern große Mengen CO₂ aus der Atmosphäre und wirken damit als CO₂-Senken. Werden Moore hingegen trockengelegt, kann das gespeicherte CO₂ wieder freigesetzt werden. Der Erhalt dieser Lebensräume ist deshalb ein wichtiger Hebel im Klimaschutz.
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Auch das Thema Wasser stand auf dem Programm. Gerade die jüngsten Hitze- und Trockenperioden machen deutlich, dass die Aussage “Wir haben genug Wasser” nicht ohne Weiteres standhält. Die KlimaGuides beschäftigten sich mit dem Bodensee, seinen Besonderheiten sowie seiner Flora und Fauna. Ebenso wurden die zu erwartenden Veränderungen betrachtet.

Besonders deutlich sind die Folgen im Gebirge. Steigende Temperaturen sorgen unter anderem dafür, dass die Schneedecke kürzer bestehen bleibt und Gletscher zurückgehen. Wo es möglich ist, verschiebt sich die Vegetation in höhere Lagen. Gleichzeitig nehmen Extremereignisse wie Starkregen, Trockenperioden und Hitze zu.
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Selbst sehen und fühlen
Doch Wissen allein reicht nicht. Ein wichtiger Teil der Ausbildung beschäftigt sich daher damit, wie Klimawandel vermittelt werden kann. Verständlicher wird er, wenn Menschen etwas sehen, fühlen oder selbst ausprobieren können. Ein Beispiel dafür ist der Albedoeffekt. Helle Schnee- und Eisflächen reflektieren den Großteil der Sonneneinstrahlung. Dunklere Flächen wie Geröll oder Fels nehmen dagegen mehr Strahlung auf und erwärmen sich. Das beschleunigt die Erderwärmung. Eine Teilnehmerin zieht ein Fazit: “In den Reflexionsrunden war es dann auch sehr spannend zu merken, dass jede Teilnehmerin unterschiedliche Schwerpunkte mitgenommen hat.”
Im Herbst werden die ersten Klima-Guide-Zertifikate vergeben.